So hilft der weibliche Zyklus, mit dem Rauchen aufzuhören

Phyllis Kuhn

Wer mit dem Rauchen aufhören will, muss sehr streng mit sich sein. Trotzdem scheint es an einigen Tagen schier unmöglich, sich von Zigaretten fernzuhalten. Forscher haben jetzt gezeigt, mit welchem einfachen Trick Frauen ihre Nikotin-Sucht überwinden können.

Wissenschaftler aus den USA haben jetzt untersucht, warum es Frauen an machen Tagen schwerer fällt, mit dem Rauchen aufzuhören, als an anderen. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift Biology of Sex Differences veröffentlicht. Die Forscher von der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania stellten fest, dass der Menstruationszyklus das Suchtverhalten beeinflussen kann.

Das Team um die Psychologie-Professoren Reagan Wetherill und Teresa Franklin untersuchte die Gehirne von Frauen, die regelmäßig rauchten und keine hormonellen Verhütungsmittel einnahmen. Es zeigte sich, dass die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron Einfluss auf das Belohnungszentrum im Gehirn haben und das Suchtverhalten steuern können.

 

Den Menstruationszyklus verstehen

„Zu verstehen, wie der Menstruationszyklus neuronale Prozesse, Wahrnehmung und Verhalten beeinflusst, ist ein entscheidender Schritt in der Entwicklung von effektiven Behandlungen und der Auswahl optimal individualisierter Behandlungsoptionen, Raucherinnen beim Abgewöhnen zu helfen“, fasst Wetherill die Studienergebnisse zusammen.

Die Verteilung von Östrogen- und Progesteron schwankt im Laufe des Zyklus. Während der Reifungsphase der Eibläschen (Follikelphase), in der wenig Progesteron und viel Östrogen ausgeschüttet wird, war das Suchtverhalten der Frauen besonders ausgeprägt. Umgekehrt verhielt es sich während der zweiten Zyklushälfte, der Lutealphase: Durch niedrige Progesteron- und höhrere Östrogenwerte war das Suchtverhalten gedämpft. Das Progesteron wirkte anscheinend wie ein natürlicher Suchtunterdrücker.

 

Progesteron als Schutz vor Suchtverhalten?

Durch eine genaue Beobachtung der Progesteronwerte im Laufe des Zyklus könnten Frauen bessere Chancen haben, langfristig mit dem Rauchen aufzuhören. Der Progesteronspiegel kann durch Blutabnahme beim Arzt ermittelt werden. Er ist normalerweise in der mittleren Phase des Zyklus, also etwa zwischen dem fünften und achten Tag nach dem Eisprung am höchsten. 

Und nicht nur Nikotinsucht kann durch ein besseres Verständnis des weiblichen Zyklus besser behandelt werden: „Interessanterweise konnten unserer Erkenntnisse, die einen fundamentalen Effekt des Menstruationszyklus auf Gehirnverbindungen zeigen, auch auf andere Verhalten übertragen werden, die mit Suchtmitteln in Verbindung stehen, wie Alkohol und hochkalorische Lebensmittel“, erklärt Teresa Franklin. 

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Hamburg, 02. Juni 2016

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