So haben Pollen nie wieder eine Chance!

Redaktion PraxisVITA
Pollen reizen Atemwege
Durch den Klimawandel fliegen Pollen immer früher und immer länger. Niesattacken, überreizte Atemwege und unangenehmes Augenjucken sind oft die Folgen © Fotolia

Asthma, Heuschnupfen, Niesattacken: Rund 13 Millionen Deutsche reagieren allergisch auf Pollen. Tendenz steigend. Doch Experte Professor Torsten Zuberbier macht Mut: Dank neuer Medikamente können Betroffene den Sommer ohne Heuschnupfen-Beschwerden genießen.

Professor Torsten Zuberbier weiß genau, wie belastend Heuschnupfen sein kann, wie sehr die Betroffenen unter den ständigen Niesattacken, überreizten Atemwegen und dem unangenehmen Augenjucken leiden. „Die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz nimmt durch eine Pollenallergie um bis zu 30 Prozent ab“, sagt der Experte. „Trotzdem hat der Heuschnupfen auch eine gute Seite: Die Betroffenen haben ein hervorragendes Immunsystem. Sie werden insgesamt seltener krank, haben also gewissermaßen einen Überlebensvorteil.“

 

Die Pollen fliegen heute viel früher und deutlich länger

Doch dieser Vorteil ist teuer erkauft: „Je wachsamer unsere Körper-Polizei, unser Immunsystem ist, desto häufiger werden auch ,Unschuldige' verhaftet“, erklärt Prof. Zuberbier. Unschuldig sind im Falle von Heuschnupfen die Pollen: Männliche Keime von Pflanzen, die das Immunsystem wie gefährliche Krankheitserreger bekämpft. Es bildet sogenannte Antikörper, die dann dafür sorgen, dass Entzündungsbotenstoffe freigesetzt werden. Rund 13 Millionen Deutsche leiden schon jetzt unter den Folgen: Niesreiz, Augenjucken, verschleimte Bronchien, Atemnot – und es werden Jahr für Jahr mehr.

„Dafür gibt es zwei Gründe“, erklärt Prof. Zuberbier. „Erstens fliegen die Pollen durch den Klimawandel immer früher und immer länger.“ Der zweite Grund: „Durch die Luftverschmutzung bilden einige Pflanzen mehr allergene Stoffe. Das macht ihre Pollen aggressiver“, sagt Prof. Zuberbier. Uns Menschen macht die Luftverschmutzung ebenfalls anfälliger für Heuschnupfen und andere Allergien, zeigen Studien.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. „Die Behandlungsmöglichkeiten sind mittlerweile sehr gut“, so Prof. Zuberbier. „Am besten helfen Therapien, die sich gegenseitig ergänzen.“

Pollen
Auch wenn man gegen Pollen allergisch ist, kann man das Leben mit ein paar Tipps genießen© Fotolia
 

Moderne Medikamente helfen, ohne müde zu machen

Bereits im Spätherbst und im Winter, wenn die nächste Pollenflugsaison noch weit weg ist, sollten Sie damit beginnen. Dann ist die beste Zeit für eine sogenannte Spezifische Immuntherapie (kurz: SIT). Dabei bekommen Sie den Allergieauslöser in geringsten Mengen unter die Haut gespritzt, sodass sich das Immunsystem langsam daran gewöhnt. Eine SIT dauert heute nur noch wenige Wochen und wird von den Krankenkassen bezahlt. „80 bis 90 Prozent der Patienten sprechen darauf an“, sagt Prof. Zuberbier. „Die Beschwerden während der Pollensaison gehen davon aber meist nicht ganz weg.“ Dann helfen Medikamente.

Mittel der Wahl sind Antihistaminika, die die Produktion des Entzündungshormons Histamin und damit die überschießende Reaktion des Körpers bremsen. „Moderne Wirkstoffe wie Ebastin, Fexofenadin oder Loratadin machen auch nicht mehr müde. Außerdem empfehle ich ein cortisonhaltiges Nasenspray, zum Beispiel den Wirkstoff Dexamethason. Nur abschwellend wirkende Sprays sind ungeeignet“, sagt Prof. Zuberbier.

 

Das Leben genießen – auch mit Heuschnupfen

Zusätzlich können Sie auch im Alltag eine Menge tun, um die Pollenbelastung zu senken. "Man sollte es aber nicht übertreiben. Entscheidend ist, dass die Lebensqualität erhalten bleibt", ermutigt Prof. Zuberbier. "Mit Heuschnupfen muss kein Mensch mehr leben."

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