So habe ich die Magersucht besiegt

„Moppelchen“ oder „Fette Kuh“, solche Beleidigungen sind unter Schülern häufig
„Moppelchen“ oder „Fette Kuh“, solche Beleidigungen sind unter Schülern häufig – sie können zu einer Magersucht der betroffenen Person führen © shutterstock

Christina wog nur noch 33 Kilo, als sie endlich handelte: Die Knochen stechen hervor, Beine und Arme sind spindeldürr, das Gesicht eingefallen – doch Christina Helmis aus Norderstedt bei Hamburg bezwingt die Magersucht. Es ist ihr 15. Geburtstag, bei einer Größe von 1, 73 Metern wiegt das Mädchen nur noch 45 Kilo. Und das Schlimme ist: Sie selbst ist sich nicht dünn genug – Christina leidet unter Magersucht!

Acht Jahre sind seitdem vergangen. Heute führt die Studentin ein glückliches Leben, aber der Weg dorthin war steinig. „Als Kind war ich etwas pummelig, Mitschüler nannten mich Moppelchen", erzählt Christina im Gespräch. Zudem belastet sie die Scheidung ihrer Eltern sehr, sie zieht sich immer mehr zurück. Mit 14 beginnt sie schließlich eine Diät. Maximal fünf Kilo will sie verlieren, doch dann streicht sie immer mehr Lebensmittel von ihrem Speiseplan. Verbietet sich Süßigkeiten, vermeidet jedes Gramm Fett. „Es war wie ein Rausch, ich konnte mit dem Abnehmen nicht mehr aufhören."

Zunächst bekommt sie für ihre schlankere Figur viele Komplimente von Mitschülern. Doch als sie immer weiter abmagert, wollen die nichts mehr mit ihr zu tun haben. Hinzu kommen die Streitereien mit Mutter Dagmar (50). „Wenn sie mich gefragt hat, ob ich schon etwas gegessen habe, sagte ich Ja – eine Lüge."

In Wirklichkeit dreht sich in ihrer Welt alles bloß noch um das Kalorienzählen. Nur im Lernen findet sie Ablenkung, gute Noten geben ihr die Anerkennung, die sie durch das Abnehmen schon lange nicht mehr erhält.

Ihre Mutter und die Hausärztin bewegen sie schließlich zu einem Klinikaufenthalt. Und tatsächlich: Christina nimmt dort etwas zu. Dann aber reißt eine Bemerkung ihres damaligen Freundes sie erneut in die Magersucht. „Er meinte, ein paar Kilo weniger würden mir bestimmt gut stehen." Ein fataler Fehler! Christina hungert sich auf erschreckende 33 Kilo herunter. „In dieser Zeit habe ich mich am Tag von einer halben Gurke, zwei Möhren und einer Reiswaffel ernährt." Sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, ekelt sich am Ende vor ihrem eigenen Körper.

Kurz vor ihrem 18. Geburtstag geht sie erneut in eine Klinik, diesmal freiwillig. „Ich wollte endlich gesund werden, um eine Zukunft zu haben. Meine Jugend hatte mir die Magersucht ja schon genommen." Schritt für Schritt lernt sie, wieder normal zu essen – und ihren Körper zu akzeptieren. „Mittlerweile bin ich mit mir zufrieden", sagt sie.

Wenn Christina zurückblickt, tun ihr vor allem die Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter leid. „Sie war die Einzige, die mit mir daran geglaubt hat, dass ich es schaffen kann." Heute achtet die 23-Jährige auf eine gesunde Ernährung, kocht gern und kann auch Süßigkeiten wieder genießen! Die Krankheit hat sie hinter sich gelassen – auch dank ihres Freundes Tim (23). Seit drei Jahren ist er an ihrer Seite. „Er liebt mich so, wie ich bin, das ist ein schönes Gefühl."

Quelle: Auf einen Blick, 29/2013

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