So gesund ist Lesen

Verena Elson Medizinredakteurin
Lesen bringt Kindern viele Vorteile – auch noch im Erwachsenenalter
Lesen bringt Kindern viele Vorteile – auch noch im Erwachsenenalter © iStock/skynesher

Märchen, Abenteuer- und Gruselgeschichten: Vielen Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder mit Büchern aufwachsen. Doch bringt das Lesen den Kleinen wirklich so viele Vorteile? Das sagt die Wissenschaft dazu.

 

Lesen macht empathisch

Wer täglich stundenlang in Schmöker versunken ist, wird nicht automatisch zum unsozialen Eigenbrötler, im Gegenteil: Studien zeigen, dass das Lesen von Romanen die Empathie schult – also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Gefühle nachzuempfinden.

Das zeigt sich auch im Verhalten passionierter Leser, wie eine US-Studie belegt: Demnach spenden diese dreimal so häufig Geld für wohltätige Zwecke wie Menschen, die nicht lesen. Der Grund für das höhere Einfühlungsvermögen von Lesern ist laut Vermutungen von Experten, dass die Literatur sie darin schult, sich immer wieder in die Gedanken und Gefühle verschiedener Figuren hineinzuversetzen.

 

Kinder, die lesen, sind besser in Mathe

Kinder, die in ihrer Freizeit gerne lesen, sind besser in Mathe als Kinder, die nicht lesen, lautet das Ergebnis einer 2013 veröffentlichten britischen Forschungsarbeit. Dieselbe Studie ergab auch, dass lesende Kinder einen größeren Wortschatz und eine bessere Rechtschreibung haben als nicht lesende Kinder.

 

Wer liest, ist gesünder

Norwegische Forscher fanden heraus, dass Erwachsene, die eine Leseschwäche haben, ihre Gesundheit als schlechter einschätzen, als Menschen, die gut lesen können. Das bezog sich auf körperliche Beschwerden wie Schmerzen und Müdigkeit, aber auch auf psychische Leiden.

Die Forscher vermuten, dass Menschen mit einer Leseschwäche auch häufig einen ungesunden Lebensstil pflegen – die gesundheitlichen Beschwerden dürften also nicht direkt vom Lesen herrühren. Dennoch: Verglichen mit Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen war die Lesefähigkeit der aussagekräftigste Indikator für die Wahrnehmung der eigenen Gesundheit.

 

Schadet Lesen den Augen?

Wer zu viel liest, wird kurzsichtig – diese Annahme hält sich hartnäckig. Tatsächlich zeigt eine Studie der Universität Mainz, dass die Kurzsichtigkeit mit der Zahl der Schuljahre zunimmt: Abiturienten brauchen demnach deutlich häufiger eine Brille als Hauptschüler. Damit ist der Zusammenhang zwischen Lesen und Kurzsichtigkeit zwar noch nicht bewiesen, die Forscher gehen aber davon aus, dass stundenlanges Lesen tatsächlich den Augen schaden kann. Der Grund: Der pausenlose Blick in die Nähe führt dazu, dass das Auge sich auf nahe Entfernungen einstellt mit der Folge, dass der Augapfel wächst – es entsteht Kurzsichtigkeit.

Entgegenwirken kann man diesem Effekt mit dem ausgedehnten Spiel im Freien: Studien zeigen, dass Kinder ein deutlich geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit haben, wenn sie mindestens 14 Stunden pro Woche im Freien verbringen. Der Grund: Der Blick schweift hier öfter in die Ferne und das Auge gewöhnt sich nicht an ausschließlich kurze Entfernungen.

Den Mythos, Lesen bei schlechtem Licht sei für die Augen besonders schädlich, konnte eine US-Studie widerlegen: Zwar ist das Lesen im Schummerlicht anstrengender für die Augen und führt schneller zu Kopfschmerzen – doch es schadet dem Auge nicht langfristig und führt nicht zu Kurzsichtigkeit.

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