So gefährlich sind Weihnachtsbäume

Verena Elson Medizinredakteurin
Ein Vater schmückt mit seinem Kind den Weihnachtsbaum
In Deutschland werden jährlich rund 28 Millionen Weihnachtsbäume verkauft – nur ein Bruchteil davon wird ohne den Einsatz von Pestiziden aufgezogen, schätzen Experten © iStock/svetikd

Endlich Weihnachtszeit: Es duftet nach Gänsebraten, Plätzchen – und Pestiziden? Drei von vier Weihnachtsbäumen sind mit Pflanzenschutzmitteln belastet, hat der BUND in einem Test herausgefunden. Darauf sollten Verbraucher beim Baumkauf achten.

Der BUND ließ die Nadeln von 17 Weihnachtsbäumen von einem unabhängigen Labor auf knapp 140 Pestizide analysieren. Bei 13 der untersuchten Bäume – also 76 Prozent – stießen die Laboranten auf Pestizidrückstände. Fünf der gefundenen Mittel zählen laut BUND zu den gefährlichsten, die derzeit in der EU eingesetzt werden.

 

Woher kamen die getesteten Bäume?

Die Bäume stammten überwiegend von deutschen Weihnachtsbaumplantagen und wurden stichprobenartig in Baumärkten, Gartencentern und im Straßenverkauf an 15 Orten im gesamten Bundesgebiet erworben.

Die BUND-Aktivisten sehen in den belasteten Weihnachtsbäumen in erster Linie ein Umweltproblem. Doch auch für den Menschen ist eine Gesundheitsgefahr möglich: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Pestizide in geschlossenen und beheizten Räumen in die Raumluft ausdünsten“, erklärt BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel.

 

Welche Pestizide wurden gefunden?

„In Weihnachtsbaumplantagen werden jede Menge Herbizide, Insektizide und Fungizide eingesetzt. Auffällig und beunruhigend ist die hohe Mehrfachbelastung, viele Weihnachtsbäume sind einem regelrechten Pestizidcocktail ausgesetzt“, so Hölzel. In mehr als der Hälfte der Bäume wurden mindestens zwei Pestizide nachgewiesen, ein Baum enthielt sogar Rückstände von vier Pflanzenschutzmitteln.

Am häufigsten (in neun der 17 Weihnachtsbäume) wurde das Pflanzenschutzmittel Lambda-Cyhalothrin nachgewiesen – das Insektengift gilt als das schädlichstes zurzeit in der EU zugelassenes Pestizid. Es schädigt Nervenzellen und das Hormonsystem, ist giftig für Bienen und Wasserlebewesen und reichert sich in Organismen an.

Ein weiterer gefundener Wirkstoff, Parathion-Ethyl – früher bekannt als „Schwiegermuttergift“ – ist aufgrund seiner hohen Giftigkeit bereits seit 15 Jahren in der EU verboten. In zwei Weihnachtsbäumen wurde außerdem das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat festgestellt.

 

Worauf sollten Verbraucher beim Kauf achten?

Die BUND-Experten raten Verbrauchern dazu, zertifizierte Weihnachtsbäume zu kaufen. Garantiert frei von Schadstoffen sind demnach Bäume aus heimischen FSC-zertifizierten Wäldern (erkennbar am grünen FSC-Siegel) und Bio-Weihnachtsbäume mit einem Bioland-, Demeter-, Naturland- oder Biokreis-Siegel sowie mit dem sechseckigen EU-Bio-Siegel oder dem roten Æ-Siegel aus Dänemark (Stats-Kontrolleret Ækologisk).

Weitere Informationen über Biosiegel für Weihnachtsbäume sowie eine Liste mit Verkaufsständen zertifizierter Bäume in Deutschland finden Sie auf der Webseite der Aktionsgemeinschaft RobinWood.

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