So gefährlich sind Sodbrennen-Mittel

Tabletten in eine Hand geschüttet
Auf Dauer eingenommen können sogenannte Protonenpumpenhemmer die Nieren schädigen, zeigen aktuelle Studien © Fotolia

Sodbrennen-Geplagte greifen häufig zu sogenannten Protonenpumpenhemmern, die schnelle Linderung bringen. Doch dieser Schritt sollte wohlüberlegt sein, zeigen einige aktuelle Studien.

Zur Bekämpfung von Sodbrennen gehören die sogenannten Protonenpumpenhemmer zu den beliebtesten Mitteln – sie sind auf Rezept und in geringerer Dosierung auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Die Mittel drosseln die Bildung von Magensäure und wirken außer gegen Sodbrennen auch gegen Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

In drei aktuellen Studien zeigen Wissenschaftler nun, dass diese Mittel gefährliche Folge haben können, besonders, wenn sie über viele Jahre eingenommen werden. Alle drei Studien werden auf der ASN Kidney Week 2015 in San Diego (3. Bis 8. November) vorgestellt.

 

Protonenpumpenhemmer erhöhen Nierenschwäche-Risiko

In der ersten Studie begleitete ein Forscherteam um Dr. Benjamin Lazarus von der Johns Hopkins University in Baltimore mehr als 10.000 Erwachsene mit gesunden Nieren von 1996 bis 2011. Sie fanden heraus, dass Probanden, die regelmäßig Protonenpumpenhemmer einnahmen, mit 20 bis 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit eine chronische Nierenschwäche entwickelten, als Probanden, die keine einnahmen. Je länger die Einnahme andauerte, desto höher war das Risiko einer Erkrankung. Eine zweite Studie, die 1997 bis 2014 mit 240.000 Patienten durchgeführt wurde, kam zu dem gleichen Ergebnis.

In einer weiteren Studie fanden Wissenschaftler um Pradeep Arora an der University at Bufallo heraus, dass von rund 24.000 Patienten, die zwischen 2001 und 2008 an chronischem Nierenversagen erkrankten, 25,7 Prozent Protonenpumpenhemmer einnahmen. Damit lag ihr Risiko um rund 30 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe.

Die Studienleiter empfehlen Betroffenen darum, bei Sodbrennen nicht unüberlegt zu Protonenpumpenhemmern zu greifen und diese vor allem möglichst nicht auf Dauer einzunehmen. Stattdessen sollten sie bei hartnäckigeren Problemen mit einem Arzt besprechen, ob verträglichere Alternativen zu Protonenpumpenhemmern in Frage kommen. Dazu haben die Forscher auch einen konkreten Vorschlag: „In beiden Studien hatten Menschen, die zur Magensäurereduktion eine andere Medikamentenklasse, sogenannte H2-Blocker, verwendeten, kein erhöhtes Risiko, eine Nierenerkrankung zu entwickeln“, sagt Dr. Lazarus in einer Pressemitteilung.

 

Protonenpumpenhemmer fördern Osteoporose

Die beliebten Magensäurehemmer haben einen weiteren Nachteil: Der Körper benötigt Magensäure, um Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen. Wird die Magensäureproduktion gedrosselt, erschwert das dem Körper die Kalziumaufnahme. Die Folge: Dem Körper fehlt Kalzium zur Stärkung der Knochen und das Risiko einer Osteoporose (Knochenschwund) steigt. Das konnten deutsche Forscher in einer 2009 durchgeführten Studie nachweisen. Prof. Dr. Michael Amling vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf war an der Studie beteiligt. „Dieser Befund ist von großer Bedeutung, weil viele ältere Patienten (...) Protonenpumpenhemmer einnehmen und damit ihre Magensäurebildung abnimmt“, erklärt er auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Bei älteren Menschen ist das Osteoporose-Risiko generell erhöht, weil die Knochendichte im Alter abnimmt. „Auch viele Osteoporose-Patienten schlucken Protonenpumpenhemmer. Aber gerade Osteoporose-Patienten sind auf eine ausreichende Zufuhr an Kalzium angewiesen, um einem fortschreitenden Abbau ihrer Knochenmasse entgegenzuwirken“, erklärt Professor Amling weiter.

Älteren Menschen und Osteoporose-Patienten, die Protonenpumpenhemmer einnehmen müssen, empfehlen Experten daher die zusätzliche Einnahme von Kalziumpräparaten. Entscheidend ist dabei aber die Wahl des richtigen Präparats. Denn in der Studie zeigte sich, dass bei einem erhöhten pH-Wert im Magen (wenn wenig Magensäure vorhanden ist) das gängige Kalzium-Carbonat nicht verwertet werden kann – Kalzium-Glukonat dagegen schon.

Hamburg, 28. Oktober 2015

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