So gefährlich sind Rauchrückstände

Verena Elson Medizinredakteurin

Im Auto, in Vorhängen, im Teppich: Wo geraucht wird, sammeln sich Giftstoffe an, die auch lange Zeit später noch durch den Mund, die Atmung oder die Haut aufgenommen werden können.

Baby krabbelt auf einem Teppichboden
Tabakrückstände setzten sich auf Gegenständen und Textilien fest und können für negative gesundheitliche Folgen sorgen Foto:  iStock/Steve Debenport

Unter dem sogenannten Thirdhand Smoke versteht man Tabakrückstände, die in Textilien, auf Oberflächen und sogar im Staub haften bleiben, nachdem in einem Raum geraucht wurde. Diese Giftstoffe können durch die Atemluft, über den Mund und über die Haut aufgenommen werden. Für Kinder, die die Luft in einem solchen Raum einatmen, über den Teppich krabbeln und „verrauchte“ Gegenstände in den Mund nehmen, kann das schwere gesundheitliche Folgen haben, wie Forscher der International University of Catalonia in Barcelona in einer aktuellen Studie zeigen.

 

Große Studie zu Thirdhand Smoke

In einer großen Meta-Analyse werteten die Wissenschaftler um Studienleiterin Ana Diez-Izqierdo 68 Studien aus, die sich mit den Auswirkungen von Thirdhand Smoke befassten, darunter Laborversuche mit Zellkulturen sowie Studien mit Mäusen.

Die Auswertung ergab: Auf zellulärer Ebene verursacht Thirdhand Smoke oxidativen Stress –der Stoffwechsel der Zelle wird gestört und ihre Entgiftungsfunktion beeinträchtigt. Zudem hemmen die Tabakrückstände die Vermehrung neuronaler Stammzellen, also der Vorstufen von Nervenzellen.

In Mäusestudien beobachteten die Forscher durch Thirdhand Smoke verursachte Beeinträchtigungen des Leberstoffwechsels, ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Hyperaktivität sowie Mutationen in der DNA.

 

Thirdhand Smoke bleibt auch nach dem Auszug

Selbst nach dem Auszug von Rauchern aus einer Wohnung verbleibt der Thirdhand Smoke lange Zeit in den Räumen, wie eine 2010 veröffentlichte Studie ergab. Die Forscher nahmen Proben aus der Luft, dem Staub und von den Oberflächen ehemaliger Raucherwohnungen, direkt nach dem Auszug und nachdem diese zwei Monate lang leer gestanden hatten. Zwar sanken die gemessenen Giftstoff-Konzentrationen innerhalb der zwei Monate – dennoch waren sie auch nach dem Leerstand noch deutlich höher als in Nichtraucherwohnungen.

Zudem analysierten die Wissenschaftler Urinproben von Kindern, die neu in die ehemaligen Raucherwohnungen eingezogen waren – und fanden auch in diesen Proben erhöhte Konzentrationen von Tabakrückständen.

 

Wie kann ich mein Kind schützen?

Der beste Schutz für Kinder vor Thirdhand Smoke ist aus Sicht von Experten ein kompletter Rauchverzicht der Eltern und anderen nahen Bezugspersonen. Denn selbst, wer nur im Freien raucht, setzt das Kind über Kleidung und Haare den Giftstoffen aus. 

Da bisher keine Studie genau ermitteln konnte, wie lange sich Tabakrückstände in Oberflächen halten und ob sie sich etwa aus Teppichen entfernen lassen, ist der beste Schutz beim Einzug in eine ehemalige Raucherwohnung das Auswechseln von Tapeten und Teppichen.

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