So eklig ist Niesen wirklich

Frau muss niesen
Das Niesen ist ein Reflex zum Schutz der Nase. Es kann durch Fremdkörper oder Entzündungen der Nasenschleimhaut ausgelöst werden © alamy

Die Erkältungszeit ist in vollem Gange, das Niesen will einfach kein Ende nehmen. Wissenschaftler aus Massachusetts wollten jetzt herausfinden, wie sich die Viren dabei genau verbreiten. Sie beweisen: Niesen ist noch ekliger als gedacht.

Niesen ist ein Ausstoßen von Luft durch Nase und Mund – so lautet die gängige Definition. Dass dieser Reflex jedoch weitaus komplexer ist, haben Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) jetzt herausgefunden. Ihre Ergebnisse präsentieren sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "journal Experiments in Fluids".

 

Niesen aus Sicht der Highspeed-Kamera

Mithilfe einer Highspeed-Kamera konnte das Team um Lydia Bourouiba beweisen: Die Tröpfchenwolke durchläuft beim Niesen eine beeindruckende Bandbreite an Formen.

Die Studienautorin hofft, dass die Ergebnisse dabei helfen, die Übertragung von Infektionskrankheiten besser zu verstehen, die Ansteckung durch das Niesen besser einschätzen zu können und die Verbreitung von Krankheitserregern einzudämmen.

Um die genaue Form und Struktur der Nieswolke zu erfassen, filmten die Wissenschaftler mit zwei verschieden Highspeed-Kameras mehr als 100 Nieser dreier gesunder Probanden. 

Die Hochgeschwindigkeitsaufnahmen erlaubten den Forschern – in einem Zeitfenster von nur 200 Millisekunden – nachzuvollziehen, in welcher Form Flüssigkeiten und Schleim aus den Körperöffnungen in die Luft geschleudert werden, wie sich diese verändern und verteilen.

Nieswolke
Die komplexe Struktur der Nieswolke: Mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde schießt das Sekret aus Schleim und Tropfen aus dem Mund© © Scharfman et al./ MIT
 

Niesen – eine Kaskade unterschiedlicher Formen

Die Analyse der Filme ergab: Die explosiv ausgestoßene Flüssigkeit verbreitet sich beim Niesen nicht in einem Tröpfchen-Spray, sondern bildet zunächst eine Blase, die sich wie ein Ballon mit der ausgeatmeten Luft ausweitet. Dieser explodiert, zerteilt sich in lange Fäden und bildet erst im Anschluss feine Tröpfchen. Durch diesen Prozess nimmt das Sekret an Geschwindigkeit zu.

 

Das Verhalten der Nieswolke

Und noch etwas beweist die Studie: Elastischer Schleim fliegt weiter als flüssiger. Bei zähem, elastischen Schleim bleiben die fadenförmigen Verbindungen – sogenannte Filamente – länger zusammen und die Nieswolke fliegt im Ganzen weiter. In ihr werden erst nach einiger Zeit Ausbuchtungen erzeugt, die dann als Tröpfchen abgeschleudert werden und auf den Boden fallen. Das Verhalten einer Nieswolke ist also individuell unterschiedlich.

Wissenswerte Fakten zum Thema

Ein einzelnes Niesen kann bis zu 40.000 Tröpfchen Flüssigkeit produzieren

Allergien, Erkältungen und Grippe sind die häufigsten Niesauslöser

Die ausgenieste Luft wird bis zu 150 km/h schnell

Beim Niesen werden ungefähr 100.000 Keime in die Luft geschleudert.

Wir können nicht im Schlaf niesen, da alle Muskeln und Rezeptoren, die beim Niesen zusammenarbeiten, ebenfalls schlafen.

Wir können auch nicht mit offenen Augen niesen.

Der medizinische Fachbegriff für Niesen lautet „sternutio“.

Hamburg, 15. Februar 2016

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