So einfach können Sie ein Leben retten!

Stammzellentransplantation bei Leukämie
Bei einer Knochenmarkspende für einen Leukämiekranken werden Stammzellen aus dem Blut gefiltert – der Rest fließt in den Körper zurück © Fotolia

Sie müssen kein Superheld, nicht besonders mutig oder verwegen sein. Schon eine Blutentnahme kann ausreichen, um einem leukämiekranken Menschen ein zweites Leben zu schenken.

Leukämie und Knochenmarkspende werden oft in einem Atemzug genannt. Doch warum ist das so? Was passiert bei Leukämie im Körper des Kranken? Wieso kann eine Knochenmark-Transplantation helfen? Und was bedeutet diese für Spender und Empfänger? Hier beantwortet Prof. Dr. Thomas Klingebiel, Leukämie-Experte an der Uni-Kinderklinik Frankfurt am Main, alle Fragen.

Was ist Leukämie überhaupt?

Normalerweise halten sich Auf- und Abbau von Blutzellen die Waage. Bei einer akuten Leukämie vermehren sich Vorstufen von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) unkontrolliert. Das stört die Bildung reifer Zellen: Fehlen rote Blutkörperchen (Erythrozyten), kommt es zu Sauerstoffmangel. Gibt es zu wenig reife weiße Blutkörperchen, funktioniert die Infektabwehr nicht mehr, und ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten), kann zu Blutungen führen.

Welche Bedeutung hat dabei unser Knochenmark?

Das Knochenmark funktioniert wie eine Fabrik, in der aus Vorstufen fertige Blutzellen hergestellt werden. Bei einer Leukämie legen massenhaft auftretende Vorstufen die gesamte Produktion lahm. Mit einer Knochenmarks-Transplantation werden quasi alle Maschinen erneuert.

Was unterscheidet eine Knochenmark- von einer Organspende?

Nach einer Knochenmarkspende fehlt Ihnen nichts. Ihr Körper ist ebenso funktions- und abwehrfähig wie vorher – und Sie können aktiv das unvergleichliche Gefühl miterleben, Retter zu sein.

Wie läuft eine solche Spende ab?

Zunächst wird der potenzielle Spender gründlich untersucht und sein Einverständnis eingeholt. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird unter Vollnarkose Knochenmark mittels Spritze aus den hinteren Beckenkämmen – das hat nichts mit dem Rückenmark zu tun – entnommen. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde. Am nächsten Tag kann der Spender die Klinik verlassen. Die zweite Möglichkeit ist das „Apherese-Verfahren", eine Art Blutwäsche. Dabei werden fünf Tage lang Medikamente verabreicht, die das Knochenmarkwachstum fördern. Dann wird – wie bei einer Blutspende – Blut entnommen. Stammzellen werden herausgefiltert, der Rest fließt in den Körper zurück. Das Ganze dauert etwa fünf Stunden. Bei beiden Verfahren wird das entnommene Material entsprechend aufbereitet und dem Kranken mittels Infusion verabreicht. Damit sein Körper das Transplantat nicht abstößt, wird er vorher mit immununterdrückenden Medikamenten behandelt.

Wieso ist es so wichtig, dass sich möglichst viele Menschen typisieren und registrieren lassen?

Eine Knochenmarkspende ist für Leukämie-Kranke oft die einzige Rettung. Als Spender kommt aber nur ein „genetischer Zwilling" infrage. Diesen zu finden, gleicht der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Durch das weltweite, anonymisierte System der Spenderdateien wird diese Suche erheblich vereinfacht. Die Stammzellen sausen also quasi um die Welt – zu dem Menschen, der sie so dringend braucht.

Wer kann sich typisieren lassen?

Jeder zwischen 18 und 55 Jahren, der gesund ist, also keine chronischen Krankheiten hat.

Wie und wo kann ich mich als Spender registrieren lassen?

Sie senden uns eine Postkarte „Ich möchte Spender werden". Dann schicken wir Ihnen Informationen und entsprechende Adressen zu. Vor einer Registrierung wird der Arzt, der Ihnen das Blut abnimmt, Sie noch einmal umfassend aufklären, was eine Registrierung bedeutet. Im Internet können außerdem Sets angefordert werden. Sie machen dann zu Hause mit einem Wattestäbchen einen Wangenabstrich. Diesen schicken Sie uns mitsamt Ihrer Einverständniserklärung zu.

Für eine Typisierung wird man gebeten, 50 Euro zu zahlen. Warum? Und was ist, wenn ich das einfach nicht bezahlen kann?

Der Betrag soll einerseits die Labor- und Personalkosten, die für die Blutentnahme und die komplizierte Typisierung notwendig sind, decken. Andererseits soll sichergestellt werden, dass man sich nicht „nur mal eben so" als Spender registrieren lässt. Denn es geht hier um die Lebenshoffnung eines todkranken Menschen. Trotzdem nehmen wir jeden, der sich ernsthaft als Spender zur Verfügung stellen will, in unsere Datei auf – auch wenn er keine 50 Euro hat.

Können Spender und Empfänger sich kennenlernen?

Ja – nach einer Sperrfrist von zwei Jahren. Und dann entstehen nicht selten ganz besondere Freundschaften, die ein Leben lang halten.

Was bedeutet die Möglichkeit, Knochenmark zu spenden, für Sie persönlich?

Für den Kranken ist eine Transplantation eine Chance auf Leben, wo er sonst keine hätte. Für den Spender ist es die Möglichkeit, ohne Schaden für die eigene Gesundheit ein Menschenleben zu retten. Etwas Größeres kann es nicht geben!

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