So bleiben Sie in der Rente gesund

Wissenschaftler haben einen wichtigen Baustein einer gesunden Rentenzeit entdeckt
Gesund und fit im Rentenalter? Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, wie das am besten klappt © Alamy

Es ist einer der wichtigsten Umstellungen im Leben: Der Schritt vom Arbeitsleben in die Rente. Rentner hoffen auf glückliche Jahre – und werden häufig bitter enttäuscht. Studien zeigen: Oft verschlechtert sich die Gesundheit mit dem Beginn der Rente rapide – Forscher haben jetzt einen möglichen Weg gefunden, das zu verhindern.

Die Wissenschaftler der Universität Brisbane haben 424 Personen ab ihrem Renteneintritt sechs Jahre lang begleitet. Die Kontrollgruppe bildeten ebenfalls 424 Personen, die der ersten Gruppe hinsichtlich Gesundheitszustand und demografischer Daten ähnelte. Der einzige Unterschied: Sie gingen zur Arbeit. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift BMJ.

Im Fokus der Untersuchung stand der Einfluss sozialer Aktivitäten wie zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Verein oder einem Chor. Ziel war es herauszufinden, wie diese die Qualität des Lebens beeinflussen und ob sie eine Auswirkung auf das Sterberisiko haben können.

 

Soziale Aktivitäten schützen die Gesundheit

Das Ergebnis ist deutlich: Waren die Rentner in mindestens zwei sozialen Gruppen aktiv, lebten von ihnen nach sechs Jahren noch 98 Prozent. Schlossen sie sich wenigstens einer Gruppe an, lag die Chance, nach sechs Jahren noch zu leben, bei 95 Prozent. Waren sie hingegen in keiner Gemeinschaft eingebunden, sank diese Wahrscheinlichkeit auf nur noch 88 Prozent. Mehr als jeder Zehnte von ihnen starb in den ersten sechs Rentenjahren. Verglichen mit den Aktiven, war ihr Risiko fünfmal so hoch. Auch die Lebensqualität war direkt mit der Mitgliedschaft verbunden: Je weniger Gruppen man sich anschloss, desto mehr sank die Lebensqualität.

Der Vergleich mit der Gruppe zwei – der arbeitenden – zeigt deutlich, dass dieser Effekt nur in Verbindung mit der Berentung auftritt. Bei ihnen hatte die Vereinsmitgliedschaft keinen Einfluss auf Lebenserwartung oder -qualität.

Menschen singen im Chor
Gemeinsame Aktivitäten – wie hier in einem Chor – schützen in der Rente vor Einsamkeit© Alamy
 

Wie schadet Einsamkeit?

Geborgenheit, Liebe, Anerkennung, Zugehörigkeit – all das brauchen wir Menschen als soziale Wesen offenbar genauso nötig wie gute Ernährung oder Bewegung. Im Austausch mit anderen können wir nicht nur unser Potenzial am besten entfalten, auch unsere Gesundheit profitiert vom Zusammensein mit Freunden und Familie. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e. V. regelmäßig durchgeführte Studie "Deutscher Gesundheitsmonitor des BAH", die eindrucksvoll zeigt, dass Einsamkeit genauso schädlich ist wie Rauchen. Einsame Menschen sind doppelt so häufig krank und gehen 30 Prozent häufiger zum Arzt als jene, die gut eingebunden sind.

Zur Überraschung der Forscher geht es Menschen mit wenigen Kontakten sogar zum Teil gesundheitlich deutlich schlechter als Rauchern. Dabei gilt Tabakkonsum als der größte Risikofaktor überhaupt. Sich vollkommen allein zu fühlen, ist demnach mit einem hohen Risiko verbunden. Die Auswertung der Daten von mehr als 300 000 Menschen zeigt, dass Einsamkeit genauso schädlich ist wie der Konsum von 15 Zigaretten pro Tag. Sie birgt die gleiche Gefahr wie Alkoholmissbrauch und ist schädlicher, als keinen Sport zu treiben. Und: Einsamkeit ist doppelt so gefährlich wie Fettsucht.

 

Einsamkeit entgegenwirken

Doch was hilft, wenn man sich einsam fühlt? Der erste Schritt sollte sein, Kontakt zu anderen Menschen zu suchen: Rufen Sie alte Freunde an, engagieren Sie sich in einem Verein oder einem Ehrenamt und melden Sie sich bei ihrer Familie.

Man kann seinen Körper vor den Folgen wie etwa einer Depression schützen, indem man ihn bewegt. Sport ist auch ein psychischer Schutz, denn die Muskulatur produziert eine Reihe von Botenstoffen, die positiv auf das Gehirn wirken. Im Winter kann auch die Sauna zum Partner werden: Wer sich dort ordentlich durchwärmen lässt, erträgt die Einsamkeit besser.

Hamburg, 17. Februar 2016

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