So belastet sind Schwangerschafts- und Stilltees

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Schwangere mit Teebecher
Schwangerschaftstee - Ein Heilmittel, das Krebs erregt? © iStock

Viele werdende und frischgebackene Mütter trinken besondere Tees aus der Apotheke oder Drogerie, um zum Beispiel die Milchbildung anzuregen. Doch sind dieses Tees wirklich empfehlenswert?

Schwangere und Mütter, die stillen haben einen besonderen Nährstoffbedarf. Spezielle, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Tees sollen bei Schwangeren die Verdauung anregen und Krämpfe lösen. Bei stillenden Müttern verstärken sie die Milchbildung. Eine Untersuchung des ZDF-Verbrauchermagazins „WISO“ legt jetzt allerdings nahe, dass die Mütter-Tees eher schaden, als heilen. Das Magazin untersuchte Kräutertees und stellte in fast der Hälfte der Stichproben krebserregende Schadstoffe fest. Die gefundenen Rückstände der Pflanzengifte Pyrrolizidinalkaloide (PA) können nach Informationen des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) den Organismus schädigen und bei langer und hoher Dosierung Lebertumore verursachen.

 

Auch Bio-Tees sind belastet

Das Verbrauchermagazin untersuchte insgesamt 28 Tees, die aus Supermärkten, Apotheken und Drogeriemärkten stammten. In zwölf Proben wurden die Schadstoffe entdeckt. Am schlechtesten schnitt dabei die Probe des „Umstandstee 1“ von Vita et Natura ab. Hier wurden nach „WISO“-Informationen die meisten PA-Rückstände gefunden. Dabei wurde man bereits mit einer Tasse Tee der erreichte bereits der Richtwert des Bundesinstitut für Risikobewertung überschritten. Folgt man den Anweisungen der Verpackung und verwendet pro Kanne Tee fünf Teelöffel des Schwangerschaftstees, übersteigt das den empfohlenen Richtwert um das fünffache. Wer sich mit Bio-Tees auf der sicheren Seite glaubte, wird durch die Untersuchung eines Besseren belehrt. Zehn der zwölf belasteten Tees sind Bio-Produkte.

 

Auch Schäden für das Kind?

Und nicht nur die Mütter selbst sind durch das Trinken der Tees gefährdet. Auch an den Fötus im Mutterleib bzw. über die Muttermilch an den Säugling können die PA weitergegeben werden. Immer wieder werden in Tees hohe Rückstände von PA gefunden. Erst in der vergangenen Woche hatte „WISO“ in fünf Baby-Tees PA festgestellt. Allerdings gibt es in Deutschland, trotz wiederholter Warnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher keine gesetzlichen Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide. Diese gelangen über Unkraut wie das Jakobskreuzkraut zwischen die eigentlichen Teepflanzen und werden bei der Ernte nicht immer restlos von den Teeblättern getrennt.

Die „WISO“-Sendung zu den Schwangerschafts- und Stilltees wird am Montag, 20. Februar 2017, 19.25 Uhr, im ZDF ausgestrahlt.

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