Smartphone-Burnout – Kinder besonders gefährdet

Zwei Kinder sitzen auf einer Couch und spielen mit ihren Handys
Wenn Kinder nicht mehr zum Spielen kommen, weil sie sich nur mit ihren Smartphones beschäftigen, besteht Suchtgefahr, sagen Experten © Fotolia

Smartphones treiben unsere Kinder in die Sucht – zu diesem Thema wurde heute eine neue Studie präsentiert. Gleichzeitig erscheint ein Buch zum Thema „Digitaler Burnout“ – Praxisvita stellt beides vor.

Fast jedes zehnte Kind (acht Prozent) ist suchtgefährdet, wenn es um Smartphones geht – das zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW. Wissenschaftler befragten dazu 500 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren.

 

Burnout-Gefahr bei Kindern und Erwachsenen

Der permanente Druck, dauernd erreichbar zu sein und Anfragen zu beantworten, löst Stress aus und kann sogar zu Burnout führen. Laut der Studie fühlt sich rund jedes vierte Kind durch die ständige Kommunikation etwa über WhatsApp gestresst. Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, hat eine Erklärung, woher das kommt: Wer ständig erreichbar und abgelenkt ist, kommt nicht mehr dazu, ganz in seiner momentanen Tätigkeit aufzugehen und sich zu entspannen. In seinem Buch „Digitaler Burnout – Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist“ beschreibt er einige Fälle, in denen dieser Zustand Menschen in den Burnout trieb.

Seine Erkenntnisse beruhen auf einer 2014 durchgeführten Studie, für die Bonner Forscher das Smartphone-Verhalten von Nutzern mittels einer App auswerteten. Demnach unterbrechen wir im Schnitt alle 18 Minuten unsere momentane Tätigkeit, um auf unser Mobiltelefon zu blicken. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist dieses Phänomen noch stärker ausgeprägt – sie werden alle zehn Minuten aus ihrer Tätigkeit herausgerissen. Vielnutzer (25 Prozent der Jugendlichen) schauen sogar alle sieben Minuten auf den Bildschirm. Und das ist ihnen durchaus bewusst: In der aktuellen Studie gaben immerhin 48 Prozent der Befragten an, durch ihr Mobiltelefon abgelenkt zu werden, beispielsweise von Schulaufgaben.

Insgesamt kommen so täglich drei Stunden zusammen, in denen die jungen Menschen sich mit ihrem Smartphone befassen – bei Vielnutzern drei Stunden und 45 Minuten. Damit sind sie im Dauerstress und noch burnout-gefährdeter als Erwachsene.

 

Was können Eltern tun?

Die Forscher der aktuellen Studie befragten auch Eltern zur Smartphone-Nutzung ihres Nachwuchses und stellten fest, dass diese sich häufig hilflos und unsicher fühlen. Doch wie verhalten sich Eltern richtig?

Von einem Smartphone-Verbot rät Alexander Markowetz ab – das würde nur zusätzlichen Stress erzeugen. Denn laut einer 2012 durchgeführten britischen Umfrage leiden 66 Prozent der Mobilfunk-Nutzer an der sogenannten Nomophobie (No-Mobile-Phone-Phobia) – der Gedanke, ohne ihr Smartphone zu sein, macht ihnen Angst. Auch hiervon sind junge Menschen stärker betroffen.

Der Autor legt Eltern stattdessen nahe, ihren Kindern die Wichtigkeit von bewusstem Leben, Entschleunigung und Achtsamkeit zu vermitteln und sie zu ermutigen, sich digitale Pausen zu gönnen und dem Smartphone zu widerstehen, wenn sie sich gerade mit etwas anderem beschäftigen.

Seiner Meinung nach ist auch ein vorübergehender Handy-Entzug sinnvoll – aber nur, wenn dem Kind ein „reales Erlebnis“ als Alternative geboten wird, wie etwa ein Ausflug in die Natur. So kann der Nachwuchs erleben, wie angenehm es ist, gemeinsame Zeit ohne Smartphone-Unterbrechungen zu verbringen und wird nicht mit dem Verlust des Gerätes alleingelassen.

 

Buchtipp: „Digitaler Burnout“

„Digitaler Burnout – Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist“ erscheint am 1. Oktober bei Droemer. Der Autor Alexander Markowetz befasst sich darin mit der exzessiven Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen und Erwachsenen, ihren Folgen für Leben, Gesundheit und Kindererziehung und gibt Tipps, um dem alltäglichen Sog des Smartphones zu entkommen.

Hamburg, 1. Oktober 2015

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