Skorbut durch Mandelmilch

Ein Baby wird mit einer Flasche gefüttert
Babys sollten nicht ausschließlich mit pflanzlichen Getränken wie Mandel- oder Hafermilch gefüttert werden © Alamy

In Spanien haben Ärzte bei einem 11 Monate altem Kind Skorbut diagnostiziert – diese Krankheit gilt in Industrienationen als so gut wie ausgerottet. Der Grund für die Erkrankung des Kindes: Seine Eltern hatten ihm ausschließlich Mandelmilch zu trinken gegeben.

Der Fall des spanischen Kindes wurde in dem Fachjournal „Pediatrics“ beschrieben. Demnach wurde der Junge mit einer auf Kuhmilch basierenden Formula-Nahrung gefüttert, bis er zweieinhalb Monate alt war. Dann entwickelte er einen Hautausschlag und ein Arzt schlug den Eltern vor, seine Ernährung zu verändern. Von da an bekam der Säugling ausschließlich ein auf Mandelmilch basierendes Getränk.

Als der Kleine sechs Monate alt war, probierten seine Eltern, ihn mit pürierten Früchten und Gemüse zu füttern, doch das nahm er nicht an. Dem Jungen schien es gutzugehen, nach sieben Monaten konnte er sitzen. Doch einen Monat später hatte er plötzlich weniger Interesse am Kontakt mit seiner Umwelt und saß weniger stabil. Mit elf Monaten war er müde und reizbar. Laut dem Bericht weigerte er sich, zu stehen und weinte, wenn seine Beine bewegt wurden. Untersuchungen beim Arzt ergaben, dass sein Oberschenkelknochen gebrochen war und dass sein Vitamin-C-Level extrem niedrig war. Die Diagnose lautete Skorbut.

 

Was ist Skorbut?

Der Begriff Skorbut stammt von dem lateinischen Wort „scorbutus“, was „Mundfäule“ bedeutet. Namensgeber der Krankheit sind charakteristische Symptome: Zahnfleischbluten und –wucherungen und Zahnausfall. Unter Seefahrern war Skorbut vom 16. Bis 19. Jahrhundert sehr gefürchtet, es galt als Haupttodesursache auf der See. Heute kennt man den Grund dafür: Die einseitige Ernährung (hauptsächlich Pökelfleisch und Zwieback) der Seemänner führte zu einem starken Vitamin-C-Mangel.

Zu den Skorbut-Symptomen zählen neben der „Mundfäule“ Müdigkeit und Erschöpfung, Entzündungen und Blutungen der Haut, Fieber, Schwindel und Durchfall. Dazu kommen schlechte Wundheilung, Gelenk- und Knochenschmerzen sowie Muskelschwund.

Heute tritt die Erkrankung in Industrienationen nur noch sehr selten auf. In anderen Teilen der Welt ist sie immer noch verbreitet – überall dort, wo viele Menschen unter- oder mangelernährt sind.

 

Warnung vor einseitiger Ernährung von Säuglingen

Auch im Fall des kleinen Jungen aus Spanien war eine zu einseitige Ernährung die Ursache für die Erkrankung. Die Pediatrics-Autoren warnen darum vor einer ausschließlich pflanzlichen Ernährung von Säuglingen: „Pflanzenbasierte Getränke sind keine komplette Nahrung“, schreiben sie in ihrem Bericht. Für Babys mit Kuhmilchallergie gibt es als Alternative verschiedene Spezialnahrungen, die keine Kuhmilch, aber alle notwendigen Nährstoffe enthalten.

Hamburg, 22. Januar 2016

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