Skoliose bei Kindern – wenn der Kinderrücken krumm ist

Kinderärztin Dr. Nadine Hess gibt Tipps zu Skoliose und Scheuermann bei Kindern
Expertin Dr. Hess: „Aufrichtende Operationen infolge einer Skoliose bei Kindern sind glücklicherweise nur selten notwendig und sollten unbedingt in Zentren erfolgen, die mit diesen Operationen im jungen Alter viel Erfahrung haben.“ © privat

Was kann bei Kindern für Rückenschmerzen sorgen? Bei den Vorsorgeuntersuchungen sollte der Kinderarzt stets auf die Wirbelsäule und den Muskelapparat achten. So äußert sich Skoliose bei Kindern.

Ist alles gerade und im Gleichgewicht? Oder gibt es Auffälligkeiten? Klagt das Kind möglicherweise über Rückenschmerzen? Welcher Sport wird ausgeübt, betätigt sich das Kind überhaupt körperlich?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Insbesondere in der Pubertätsphase, aber auch schon vorher, sollte dem wachsenden Rücken Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Morbus Scheuermann – oder auch Adolenszentenkyphose genannt – sollte nicht übersehen werden, ebensowenig die Skoliose bei Kindern: eine Verbiegung der Wirbelsäule zur Seite. Was sind die möglichen Erkrankungen? Was kann getan werden? Kann konservativ behandelt werden oder gibt es auch Indikationen für eine Operation?

 

Welche Erkrankungen können hinter einer Wirbelsäulenverkrümmung stecken?

Der Morbus Scheuermann ist eine aseptische (also nicht durch Bakterien oder Viren ausgelöste) Knochennekrose. Dabei kommt es durch ständiges, langanhaltendes Sitzen in gebeugter Haltung zu starker Belastung insbesondere der Brustwirbelkörper. Ist die Rückenmuskulatur dazu auch noch schwach ausgeprägt und stellt somit keinen Gegenpol dar, kann es durch die andauernde Mehrbelastung zu Schäden der Decken- und Bodenplatten im genannten Wirbelkörperbereich kommen, wo die Wachstumszonen der Wirbelkörper liegen. In Folge ist das Wachstum gestört, es kommt zu einer keilförmigen Entwicklung der Wirbel mit konsekutiver weiterer Fehlhaltung durch Fehlstellung der Wirbelsäule: die Kyphose oder Buckelbildung.

 

Skolise bei Kindern in Wachstumsphasen

Eine Skoliose, also Seitverbiegung der Wirbelsäule mit zusätzlicher leichter Verdrehung der Wirbelkörper, kann in jedem Kindesalter vorkommen, am häufigsten jedoch nach dem 10. Lebensjahr. Eine Skoliose bei Kindern wirkt sich am stärksten in Phasen raschen Wachstums aus, wie in der Pubertät. Erkennen kann man eine Skoliose oft an unterschiedlich hoch stehenden Schulterblättern oder einer ungleichen Taille. Auch geringere Skoliosen kann man  mittels Vorbeugen des Rückens bei durchgestreckten Knien und hängenden Armen feststellen. Liegt eine Skoliose bei Kindern vor, kann dann eine Vorwölbung eines Schulterblatts und der Rippen und/oder eine S-förmige Verformung der Wirbelsäule besonders gut und auch schon bei milden Formen festgestellt werden.

 

Wie werden Rückenprobleme bei Kindern behandelt?

Kind mit Skoliose: Korsett hilft gegen die Wirbelsäulenverkrümmung
Rückenkrankheiten wie Skoliose und Morbus Scheuermann im Kindesalter können oft erfolgreich mit Physiotherapie behandelt werden. Bei stärkeren Fehlstellungen hilft ein Korsett © Fotolia

Sport und Physiotherapie, insbesondere wenn sie in einem frühen Stadium begonnen werden, haben einen sehr positiven Einfluss auf den Verlauf. Allerdings sollten Sportarten die viele Kompressionsbelastungen bieten oder zu Verdrehungen der Wirbelsäule führen können, eher gemieden werden – etwa Fußball, Tennis, oder Jogging. Förderlich ist stattdessen Schwimmen oder Gymnastik und bei der Physiotherapie alles, was der Aufrichtung und Streckung dient und die Rückenmuskulatur stärkt.

In ausgeprägten Fällen von Morbus Scheuermann muss ein Korsett getragen werden, um die Buckelbildung aufzuhalten und die Wirbelsäule zu stützen. Aufrichtende Operationen sind glücklicherweise nur selten notwendig und sollten unbedingt in Zentren erfolgen, die mit diesen Operationen im jungen Alter viel Erfahrung haben.

 

Skoliose bei Kindern: Krankengymnastik hilft

Bei einer leichten Skolise bei Kindern reicht oft eine Physiotherapie. Liegt die Winkelabweichung der Verformung, die man radiologisch feststellen kann, bei mehr als 20 Grad und nimmt sie zu, muss eine Behandlung mit einem Korsett überlegt werden. In ausgeprägten Fällen ist eine orthopädisch-chirurgische Behandlung mit operativer Aufrichtung notwendig. Dies gehört aber, wie auch bei der chirurgischen Therapie des Morbus Scheuermann, in sehr erfahrene Hände.

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