Sinusitis – wenn die Nasennebenhöhlen zu machen

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Bei kleinen Kindern bis zu einem Alter von etwa zwei Jahren, kann sich der Schleim nur in den Kieferhöhlen und den sogenannten Siebbeinzellen sammeln. Die Nasennebenhöhlen, wie Erwachsene sie haben, entwickeln sich erst nach dem zweite © privat

Der erste Schnupfen macht sich wieder breit, sobald die kalte Jahreszeit im Anmarsch ist. In einigen Fällen entwickelt sich aus dem Schnupfen oder dem grippalen Infekt eine Entzündung der Nasennebenhöhlen, die auch als Sinusitis bezeichnet wird. Wieso sind einige Menschen dafür anfälliger als andere? Wie lässt sich das vermeiden? Wann muss ich mit meinem Kind zum Arzt? Und ist immer ein Antibiotikum notwendig?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Bei einem Infekt der oberen Luftwege kommt es zu einer vermehrten Schleimproduktion und zum Anschwellen der Schleimhäute – die typischen Symptome von Schnupfen. In einigen Fällen sammelt sich Schleim in den Nasennebenhöhlen, da der Abfluss durch die angeschwollenen Schleimhäute gestört ist. Die Nasennebenhöhlen machen zu. Man spricht dann von einer Nasennebenhöhlenentzündung oder auch Sinusitis. Oft sind Viren für die Beschwerden verantwortlich, manchmal aber auch Bakterien oder sogar beides. Einige Menschen sind für eine Nasennebenhöhlenentzündung anfälliger, weil sie angeborene Engstellen im Bereich der Nasennebenhöhlen haben, sodass es bei ihnen schon bei leichtem Schnupfen zu Abflussschwierigkeiten kommt.

 

Können auch Kinder von einer Sinusitis betroffen sein?

Bei kleinen Kindern bis zu einem Alter von etwa zwei Jahren kann sich der Schleim nur in den Kieferhöhlen und sogenannten Siebbeinzellen sammeln. Die Nasennebenhöhlen, wie Erwachsene sie haben, entwickeln sich erst nach dem zweiten Lebensjahr. Darum kommt die Sinusitis, wie sie uns Erwachsenen bekannt ist, auch erst ab dem späten Kindergartenalter vor.

 

Wie erkenne ich eine Sinusitis?

Vorläufer einer Sinusitis ist meist Schnupfen. Ein typisches Symptom für eine Nasennebenhöhlenentzündung ist eine verstopfte Nase. Zusätzlich kommt es durch die Schleimansammlung in den Nasennebenhöhlen zu einem Druckkopfschmerz – insbesondere beim Vornüberbeugen des Kopfes –, manchmal auch zu Schwindel, Schmerzen in den Zähnen und oder einem Schmerzgefühl bei bestimmten Augenbewegungen.

 

Wie können die Beschwerden gelindert werden?

Bei starkem Schnupfen sollten in jedem Fall abschwellende Nasentropfen eingesetzt werden, um den Abfluss des Sekretes aus den Nasennebenhöhlen zu ermöglichen. Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie ein Präparat verwenden, das altersgerecht ist. Ihre Apotheke berät Sie dazu gern. Setzen Sie es nicht mehr als drei Mal täglich ein. Nasentropfen, die nicht nur aus Kochsalz bestehen – diese dürfen häufiger verwenden werden –, können insbesondere bei Kindern sonst leicht zu Überdosierungen mit schweren Nebenwirkungen, wie zum Beispiel erhöhtem Blutdruck, Krämpfe, Koma, langsamem Herzschlag oder Atemstillstand führen.

Sinusitis Schnupfen Kinder
Bei einer Sinusitis treten neben Schnupfen oft auch Druckkopfschmerz auf. Meistens handelt es bei einer Sinusitis um eine virale Infektion, die mit unterstützenden Maßnahmen und ein bisschen Geduld wieder von alleine verschwindet© Fotolia
 

Inhalieren hilft, den Schleim zu lösen

Sinnvoll sind in jedem Fall auch Maßnahmen, die den Schleim etwas dünnflüssiger machen, damit dieser leichter abfließen kann. Dazu gehört eine gesteigerte Trinkmenge oder Rotlichtbestrahlungen. Auch das Inhalieren mit warmem Wasserdampf sorgt für eine Befeuchtung der Schleimhäute und verbessert den Abtransport von Schleim. Verzichten Sie möglichst darauf, Ihr Kind über einer Schüssel mit Erkältungsbalsam und heißem Wasser inhalieren zu lassen. Bei der sogenannten Kochtopf-Methode ist die Verbrühungsgefahr viel zu hoch. Bei kleinen Kindern können spezielle Inhalatoren verwendet werden, die in der Anwendung sicher sind und einen so feinen Inhalationsnebel erzeugen, sodass selbst die kleinen Bronchialäste erreicht werden können, was bei zusätzlich auftretendem Husten besonders wichtig ist. Zudem haben Sie den Vorteil, dass heißes Wasser nicht auslaufen kann, wenn der Behälter versehentlich umfällt.

In der Apotheke finden Sie auch sogenannte Kaltinhalate, die Sie auf das Kuscheltier oder den Schlafanzug Ihres Kindes träufeln können. So können ganz einfach und sicher über Nacht die heilsamen ätherischen Öle ihre Wirkung entfalten. Allerdings bergen ätherische Öle die Gefahr, allergische Reaktionen auszulösen. Neigt jemand in der Familie oder gar Ihr Kind selbst zu Allergien, sollten Sie auf diese Produkte verzichten.

 

Wann muss ich mit meinem Kind zum Arzt?

Tritt Fieber auf (eine Körpertemperatur von mehr als 38,5°C), sollten Sie den Kinderarzt aufsuchen. Der Arzt wird nach den Symptomen fragen, die Stirnhöhlen abklopfen – was unangenehm bis schmerzhaft sein kann – sowie den Hals kontrollieren. Bei einer Sinusitis ist meist abfließendes Sekret im Rachenraum zu sehen. Gegen die Schmerzen kann Ibuprofen oder Paracetamol in altersentsprechender Dosierung gegeben werden – fragen Sie hierzu Ihren Arzt! Ist der Schnupfen dazu noch grün-gelblich und/oder ein Abstrich war positiv, ist von einer bakteriellen Infektion auszugehen. In diesem Fall wird der Arzt meist ein Antibiotikum zum Einnehmen verschreiben müssen.

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