Studie belegt: Singen hilft bei Parkinson

Verena Elson Medizinredakteurin

Nach Singstunden in der Gruppe haben Parkinson-Patienten deutlich weniger Bewegungsstörungen wie Zittern und Gangstörungen – das fanden US-Forscher in einer aktuellen Studie heraus.

Singen stärkt Stimme und Atmung bei Parkinson-Patienten – zusätzlich verbessert es Symptome wie Zittern und Gangstörungen
Singen stärkt Stimme und Atmung bei Parkinson-Patienten – zusätzlich verbessert es Symptome wie Zittern und Gangstörungen Foto:  Highwaystarz-Photography/iStock

Mehr als zehn Millionen Menschen weltweit leiden an Parkinson – bei den Betroffenen sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die Dopamin produzieren. Dieser Botenstoff trägt zu einer reibungslosen Kommunikation im Nervensystem bei. Herrscht ein Mangel an Dopamin, kommt es zu den für Parkinson typischen Symptomen wie Zittern und einem unsicheren Gang.

Parkinson ist bisher nicht heilbar – die Therapie zielt darum darauf ab, das Voranschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern und die Selbstständigkeit der Betroffenen so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Dazu werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt, die einen Teil des Dopamin-Verlusts ausgleichen können, zum Beispiel Vorstufen des Botenstoffs, die im Gehirn zu Dopamin umgewandelt werden.

Bewährt haben sich darüber hinaus begleitende Behandlungsmaßnahmen wie Physiotherapie und Sprechtraining. Wissenschaftler der Iowa State University im US-amerikanischen Ames untersuchten jetzt, ob Gruppensingen einen Einfluss auf die beeinträchtigte Motorik bei Parkinson-Patienten hat. Ihre Ergebnisse präsentierten sie auf dem Fachkongress Society of Neuroscience 2018 conference in San Diego.

Joys Ehemann Les verstarb Anfang des Jahres – zu Beginn seiner Parkinson-Erkrankung bemerkte sie eine Veränderung seines Geruchs
Service Wie riecht Parkinson?

 

Weniger Zittern nach der Singstunde

Studienleiterin Elizabeth Stegemöller und ihr Team untersuchten 17 Parkinson-Patienten, die im Schnitt seit 2,4 Jahren an einem wöchentlichen Gruppensingen teilnahmen. Die Teilnehmer absolvierten vor und nach einer Singstunde verschiedene Motoriktests.

Sie stellten fest: Einige Bewegungsstörungen hatten sich bei den Probanden nach der Singstunde deutlich verbessert – so hatte sich die sogenannte Bradykinesie (Verlangsamung der Bewegungen) im Oberkörper verbessert, die Frauen und Männer zitterten weniger und konnten sicherer laufen als vor dem Gruppensingen. Die Auswertung von Fragebögen, die die Teilnehmer ausfüllten ergab außerdem, dass sich durch das Singen ihre Stimmung verbessert hatte – konkret fühlten sie sich weniger ängstlich uns traurig als vor dem Singen.

Blinddarmentzündung
Service Parkinson beginnt im Bauch

 

Wie kann Singen die Parkinson-Symptome lindern?

In früheren Arbeiten konnte Stegemöller bereits zeigen, dass Singen bei Betroffenen Sprech-, Atem- und Schluckbeschwerden lindern kann. Das macht Sinn – denn beim Singen werden die Muskeln im Mund und Rachen trainiert, die auch beim Sprechen, Atmen und Schlucken eine Rolle spielen. 

Wie das Singen sich jedoch auf den Bewegungsapparat auswirkt, lässt sich nicht so eindeutig erklären. Die US-Forscher wollen der Frage in weiteren Tests nachgehen – so wollen sie etwa prüfen, ob das Singen zu einer vermehrten Freisetzung des Bindungshormons Oxytocin führt oder die Entzündungswerte der Probanden sinken lässt.

Quelle:
Stegmöller, E.L., Zaman, A.F., Shirtcliff, E.: Effects of group singing on stress and motor symptoms in persons with Parkinson's disease. Program No. 656.11. 2018 Neuroscience Meeting Planner. San Diego, CA: Society for Neuroscience, 2018. Online.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.