Sind Winterdepressionen eine Erfindung?

Eine Frau hält sich die Hände vors Gesicht
Depressionen kommen im Herbst und Winter nicht häufiger vor als zu anderen Jahreszeiten, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

Eine aktuelle US-Studie wirft Zweifel an der Existenz der sogenannten Winterdepressionen auf. Ist der Winterblues nicht mehr als ein Mythos?

Die Winterdepression gilt als anerkannte Diagnose – dennoch hegen Wissenschaftler der Auburn University in Montgomery (Alabama) jetzt Zweifel an ihrer Existenz.

Depressionen kommen und gehen, so Studienautor Steven LoBello. Wenn sie im Herbst oder Winter auftreten „heißt das nicht, dass der saisonale Wechsel die Depression verursacht hat.“

Die Forscher werteten Daten einer 2006 durchgeführten Telefon-Umfrage unter mehr als 34.000 Erwachsenen aus. Mittels spezieller Fragebögen wurden die 18- bis 99-Jährigen zu bestimmten Depressions-Symptomen in den vergangenen zwei Wochen befragt. Zusätzlich wurden Jahreszeit, Breitengrad und Sonnenlicht-Exposition berücksichtigt.

 

Kein Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Depressions-Symptomen

Die Auswertung zeigte keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen den Depressions-Symptomen und den jahreszeitlichen Faktoren. Auch bei den rund 1.700 Befragten, bei denen eine klinische Depression diagnostiziert wurde, traten die Symptome im Wechsel der Jahreszeiten nicht häufiger oder intensiver auf.

„In Gesprächen mit Kollegen wird der Glaube an eine Assoziation des saisonalen Wechsels mit Depressionen mehr oder weniger als gegeben hingenommen und derselbe Glaube ist in unserer Kultur weit verbreitet“, sagt Steven LoBello. „Wir analysierten die Daten aus vielen verschiedenen Perspektiven und stellten fest, dass die Verbreitung von Depressionen über unterschiedliche Breitengrade, Jahreszeiten und Sonnenlicht-Expositionen sehr stabil ist.“

In jüngster Zeit warfen mehrere Studien Zweifel an der Existenz des Winterblues auf. Zwar gibt es auch Untersuchungen, die belegen, dass bei vielen Patienten die Symptome gehäuft in Herbst und Winter auftreten und im Frühjahr wieder abnehmen. Doch solche Studien werden von Experten kritisiert – unter anderem wegen zweifelhafter Diagnosemethoden, bei denen Patienten aufgefordert werden, sich an Symptome zu erinnern, die ein Jahr oder länger her sind.

Komplett ausgeschlossen werden kann die Existenz saisonaler Depressionen durch die Studie nicht, betonen die Studienleiter. Doch wenn sie existieren, sind ihrer Ansicht nach nur sehr wenig Menschen betroffen.

 

Typische Winter-Symptome

Der Mangel an Tageslicht im Winter kann dazu führen, dass einige Depressions-Symptome in der dunklen Jahreszeit als gravierender empfunden werden oder dazu, dass typische Winter-Beschwerden als Anzeichen einer Depression fehlgedeutet werden. Beispielsweise kann es in nördlichen Breitengraden dazu kommen, dass der Biorhythmus durch die zunehmende Dunkelheit gestört wird. Eine mögliche Folge sind vermehrte Schlafstörungen – und diese gehören zu den typischen Symptomen einer Depression. Bei Einschlaf- oder Durchschlafproblemen aufgrund von Lichtmangel können natürliche Mittel helfen, wie beispielsweise Lavendelöl (z.B. Lasea, Apotheke).

Dazu kann es im Winter zu einem Vitamin-D-Mangel kommen – denn um den Nährstoff herzustellen, benötigt der Körper Sonnenlicht. Ein Vitamin-D-Mangel zeigt sich häufig als erstes durch Müdigkeit und Antriebslosigkeit – ebenfalls typische Depressions-Symptome. Steckt jedoch in Wirklichkeit ein Vitamin-D-Mangel dahinter, können die Beschwerden mit Präparaten aus der Apotheke (800 bis 1.000 Internationale Einheiten täglich) gelindert werden.

Hamburg, 1. Februar 2016

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