Flocken im Urin - auf diese Erkrankung können sie hinweisen

Michelle Kröger

Wer Flocken im Urin bemerkt, der macht sich unter Umständen Sorgen, dass etwas mit seinem Körper nicht stimmen könnte. Kein Wunder, schon vor Jahrtausenden orientierten sich die Menschen am Erscheinungsbild oder Geruch des Urins, um ihren gesundheitlichen Zustand zu beurteilen. Doch an dieser Stelle können wir schon einmal Entwarnung geben: Geringe Mengen Flocken im Urin sind noch nicht gefährlich und kein Grund zur Sorge. Auch bei gesunden Menschen kommen diese hin und wieder vor. Doch was sind die Ursachen, gibt es Begleitsymptome und was kann man dagegen tun? Wir haben Dr. med. Christoph Pies, Urologe und Buchautor, dazu gefragt (z.B. „Was passiert beim Urologen? Das Enthüllungsbuch für Sie und Ihn“).

Inhalt
  1. Wie sieht gesunder, normaler Urin aus?
  2. Ursachen: Sind Flocken im Urin gefährlich?
  3. Flockender Urin durch Medikamente und Katheter
  4. Begleitsymptome – welche Beschwerden können zusätzlich auftreten?
  5. Flocken im Urin – wann zum Arzt?
 

Wie sieht gesunder, normaler Urin aus?

“Urin kann eine breite Farbpalette annehmen, wie der Pipi-Code beweist, von farblos bis dunkelbraun bis hin zu tiefschwarz”, sagt Dr. med. Christoph Pies. Die normale hellgelbe Urinfarbe stamme vom Urobilinogen, einem Abkömmling des Gallenfarbstoffes Bilirubin, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. “Am Morgen ist die Farbe des Urins meist dunkelgelb. Das liegt daran, dass der Harnstoff morgens besonders konzentriert ist. Farblos ist der Urin bei erhöhter Flüssigkeitsaufnahme, durch eine starke Verdünnung”, sagt er.

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Ursachen: Sind Flocken im Urin gefährlich?

“Flocken im Urin sind Eiweißbeimengungen. Im ausgeschiedenen Harn können auch bei einem Gesunden nach kurzer Zeit wenige, weißliche, wölkchenartige Gebilde entstehen und zu Boden sinken”, sagt der Pies. Meistens steckt hinter einer sogenannten Proteinurie (Eiweißbeimengung) nichts Schlimmes. Oftmals steckt kein Krankheitsbild dahinter und es bedarf keiner Therapie. Auch Lebensmittel, Sport, Fieber, Stress oder eine ungenügende Flüssigkeitsaufnahme können zu Flocken im Urin führen. Doch nach ein paar Toilettengängen sollte sich das Erscheinungsbild wieder normalisieren.

Sollte es hingegen regelmäßig bzw. langfristig zu flockigem Urin kommen, kann dies auf eine Erkrankung hinweisen. Oftmals handelt es sich dabei um eine Nierenerkrankung. “In einem solchen Fall kann eine Schädigung der Nierenkörperchen vorliegen. Sie sorgen normalerweise dafür, dass Schadstoffe und Flüssigkeit aus dem Blut in den Urin abgefiltert werden”, sagt der Experte. So gelange zu viel Eiweiß (auch: Protein) aus dem Blut in den Urin. “Im Zweifel sollten Betroffene also lieber den Hausarzt aufsuchen.” Möglich sind zum Beispiel folgende Erkrankungen:

 

Flockender Urin durch Medikamente und Katheter

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich in den wenigsten Fällen tatsächlich um eine ernsthafte Erkrankung. Auch spezielle Medikamente können ein flockiges Aussehen des Urins bewirken, etwa Antibiotika oder Medikamente zur Krebstherapie (Zytostatika). Diese greifen in die  biochemischen Prozesse des Körpers ein und können unter anderem auch den pH-Wert sowie die Inhaltsstoffe des Urins beeinflussen. Zudem werden gewisse Medikamente über den Harn ausgeschieden. Sollte bei einem Patienten ein Blasenkatheter gelegt werden müssen, kann dieser zu verschiedenen Entzündungen führen. Es sollten immer strenge Hygienemaßnahmen ergriffen werden, um Entzündungen mit abweichendem Aussehen des Urins zu verhindern.

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Begleitsymptome – welche Beschwerden können zusätzlich auftreten?

Je nach Auslöser können zusätzlich zum flockigen Urin andere Beschwerden auftreten. Bei einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme bzw. einem Flüssigkeitsmangel können sich begleitend Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme bemerkbar machen. Bei einer Blasenentzündung kommt es meist zusätzlich zu trüben Urin, Unterbauchschmerzen sowie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen. Der Harndrang scheint erhöht, doch beim Toilettengang können oftmals nur wenige Tropfen gelassen werden. Bei schwereren Infektionen sind auch Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl möglich. “Sollte jedoch tatsächlich eine Nierenschwäche vorliegen, kann es zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe kommen, beispielsweise am Knöchel, Unterschenkel, Augenlid oder Gesicht”, sagt Pies. “Außerdem kann eine Nierenerkrankung Muskelschwäche, fehlenden Appetit und Abgeschlagenheit auslösen.”

 

Flocken im Urin – wann zum Arzt?

Bei einer vorübergehenden Eiweißbeimengung durch Lebensmittel, Medikamente oder Flüssigkeitsmangel ist in der Regel keine Therapie nötig. Ob eine Proteinurie vorliegt können Betroffene auch mithilfe von Teststreifen aus der Apotheke selbst herausfinden. Dies sollte jedoch nur als erster Schritt gesehen werden und nicht den Arztbesuch ersetzen. Sollten die Flocken im Urin regelmäßig immer mal wieder oder konstant auftreten, so empfiehlt sich ein Arztbesuch. Wenn etwa eine Nierenerkrankung diagnostiziert wird, so ergreift der Arzt geeignete Behandlungsmethoden. “Je nach Ursache der Nierenprobleme, wird zunächst versucht, genau diese zu beseitigen. Oft sind Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen oder eine Zuckerkrankheit Auslöser”, sagt Urologe Dr. Pies.

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