Sie haben vermutlich Herpes, sagt die WHO

Eine Frau hält ihre Hände vor ihren Mund
Die Mehrheit der Menschen unter 50 trägt Herpesviren in sich, zeigt eine aktuelle Studie © Fotolia

Ein Großteil der Weltbevölkerung trägt Herpesviren in sich, sagt die WHO und beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie. Besonders Genitalherpes breitet sich demnach immer weiter aus.

Zwei Drittel der Weltbevölkerung unter 50 (3,7 Milliarden Menschen) tragen das Herpesvirus HSV-1 in sich, das schmerzhafte Lippenbläschen verursacht. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der University of Bristol. Dazu kommen rund 417 Millionen, die mit dem Virustyp HSV-2 infiziert sind, der Genitalherpes auslöst.

Mit HSV-1 infizieren sich die meisten Betroffenen bereits in der Kindheit – häufig, ohne etwas davon mitzubekommen. Denn ein starkes Immunsystem wird mit dem Virus meist fertig – ohne, dass Symptome auftreten. Kommt es zu Stress oder wird das Immunsystem anderweitig geschwächt, können die Herpesbläschen jedoch ausbrechen.

 

Mehr Fälle von Genitalherpes

Die WHO-Experten beobachten eine neue Entwicklung bei den Herpes-Krankheitsfällen: Vor allem in reichen Nationen löst HSV-1 zunehmend auch Genitalherpes aus. Hintergrund sind die immer besser werdenden Hygienestandards, aufgrund derer sich immer weniger Menschen in ihrer Kindheit mit dem Virus anstecken. Teenager und junge Erwachsene, die bisher nicht mit dem Erreger in Kontakt gekommen sind, können sich beim Oralverkehr infizieren – in dem Fall kommt es zu Genitalherpes durch HSV-1.

HSV-2 kann die Infektion und Verbreitung von HIV fördern. Über den Zusammenhang zwischen HSV-1 und HIV ist noch wenig bekannt, aber der Virustyp kann zu anderen Komplikationen führen, wie einer Gehirnentzündung (Enzephalitis).

Darum sehen die WHO-Experten Handlungsbedarf: „Zugang zu Bildung und Informationen über beide Herpestypen und sexuell übertragbare Krankheiten ist entscheidend, um die Gesundheit junger Menschen zu schützen, bevor sie sexuell aktiv werden“, sagt Dr. Marleen Temmerman, Leiterin der Abteilung für reproduktive Gesundheit der WHO in einem Bericht.

Alles über Symptome, Diagnose und Behandlung bei Herpes finden Sie hier.

 

Video: Herpes genitalis

Hamburg, 30. Oktober 2015

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