Shin Splints: Wenn das Schienbein plötzlich schmerzt

Rieke Heinze Medizinredakteurin

Joggen ist wohl eine der beliebtesten Sportarten; jeder kann es und das auch noch quasi immer und überall. Was die meisten nicht wissen? Shin Splints sind eine akute Gefahr für jeden Läufer. 

Frau hält schmerzendes Schienbein in Sportkleidung
Stechende Schmerzen im Schienbein sind ein typisches Symptom bei Shin Splints Foto:  iStock/Suriyawut Suriya
Inhalt
  1. Wie stellen sich Shin Splints dar?
  2. Was sind die Ursachen für die Schienbein-Schmerzen
  3. So behandeln Sie das Schienbeinkantensyndrom
  4. Laufen Sie richtig? 
  5. Wie beuge ich den Shin Splints vor?

Anstrengender Tag im Büro? Um Stress und psychische Erschöpfung abzubauen, ist Sport oft das Mittel der Wahl. Zu den beliebtesten Sportarten zählt Joggen, denn es ist nahezu immer und überall machbar. Das Problem: Nicht jeder hat das richtige Material oder die Fachkenntnis, um 'richtig' zu laufen - und läuft dabei Gefahr, sich die sogenannten Shin Splints zuzuziehen, eine schmerzhafte Entzündung der Knochenhaut an den Schienbeinen.

 

Wie stellen sich Shin Splints dar?

Ein dumpfer Schmerz in der Schienbein-Gegend und Druckempfindlichkeit sind die klassischen Symptome für Shin Splints. Die Jogger-Krankheit fällt typischerweise erst bei Belastung auf – sprich, dann, wenn bereits die Laufschuhe angezogen sind und man sich auf halber Strecke der Trainingseinheit befindet. Stoppt die Belastung, stoppt auch der Schmerz. Je weiter die Entzündung der Knochenhaut vorangeschritten ist, desto stärker und auch bleibender sind die Schmerzen. Denn: Shin Splints lassen sich nicht wegtrainieren. Sind die Schmerzen einmal da, muss die Entzündung vernünftig auskuriert werden, bevor eine neue Belastung ausgeübt werden darf.

Vorsicht: Shin Splints können leicht mit einem Ermüdungsbruch verwechselt werden. Suchen Sie in jedem Fall einen Arzt auf, wenn Sie unsicher bei Ihren Beschwerden sind. 

Auch Nicht-Läufer können unter Schmerzen am Schienbein leiden. Sobald eine einseitige und falsche Belastung auftritt, bei der vielleicht auch schnelle und intensive Richtungswechsel dabei sind, besteht das Risiko einer Überbelastung der Knochenhaut. Diese verbindet Knochen und Muskelansatz miteinander und ist mit den Sehnen und Bändern verbunden. Da die aus Bindegewebe bestehende Knochenhaut sehr schmerzempfindlich ist, ist sie bei zu intensiven Sporteinheiten direkte Leidtragende. Richtungswechsel und An- und Entspannen der Muskeln führt zu übermäßiger Reizung – der Schmerz entsteht.

 

Was sind die Ursachen für die Schienbein-Schmerzen

Auf der Suche nach einem Auslöser für die Schienbeinschmerzen ist es leider nicht pauschal mit Überbelastung getan. Falsches Training und suboptimale Ausrüstung können den Schmerz fördern.

Mögliche Ursachen für das Schienbeinkantensyndrom sind:

  • Zu schneller Trainingswiedereinstieg nach einer längeren Pause
  • Zu intensive Steigerung von Geschwindigkeit und/oder Distanz
  • Extreme Belastung durch sehr weite Distanzen/zu hohe Geschwindigkeiten/Intervalltrainings
  • Veränderter Bodenbelag (führt zu veränderter Belastung des gesamten Bewegungsapparates)
  • Falsches Schuhwerk
  • Fehlhaltungen des Fußes (Senkfuß, Spreizfuß)
 

So behandeln Sie das Schienbeinkantensyndrom

Nicht unerwartet, aber immer noch die beste Therapie: Ruhe. Schonen Sie Ihren Fuß und vermeiden Sie übermäßiges Anstrengen. Das bedeutet nicht, dass der Fuß hochgelagert werden soll oder gar jegliche Bewegung vermieden. Vielmehr geht es darum, das Abrollen des Fußes mit dem Vorderfuß (Plantarflexion) zu vermeiden und zeitweilig vermehrt mit der Ferse aufzutreten. Um die Kondition nicht zu verlieren, kann für diesen Zeitraum auf beinschonende Sportarten umgestiegen werden – Schwimmen und Radfahren sind gute Möglichkeiten weiterhin in Form zu bleiben.

Schmerz- und entzündungshemmende Salben fördern den Heilungsprozess, auch kühle Wickel können den Schmerz lindern. Sollte sich nach ein bis zwei Wochen keine Besserung einstellen, sollte ein Arzt oder ein Orthopäde aufgesucht werden. Weitere mögliche Behandlungsmöglichkeiten sind Physiotherapie, Tapen oder auch Akupunktur.

Kinesio-Tape und Dr. Johannes Wimmer
Übersicht Kinesio-Tape: Kleben Sie Ihre Beschwerden weg

 

Laufen Sie richtig? 

Wer sich dauerhaft dem Laufsport zuwenden möchte, der sollte auf eine qualitativ hochwertige Ausrüstung achten. Neben Kleidung aus Funktionsmaterial ist hier besonders das richtige Schuhwerk das A und O. In speziellen Laufschuhgeschäften wird der Gang analysiert, eventuelle Haltungsschäden herausgefunden und ein entsprechend unterstützender Laufschuh empfohlen.

 

Wie beuge ich den Shin Splints vor?

Laufen Sie nicht blindlings drauf los. Neben hochwertiger Ausrüstung ist Technik das zweite Standbein beim Laufsport. Eine korrekte Körperhaltung und das richtige Abrollen der Füße entscheiden über effektives und nachhaltig gesundes Lauftraining oder über Schmerzen, Schweiß und Tränen ohne Erfolge.

  • Richtiges Material: ein Laufschuh, der mögliche Fehlhaltungen und persönlichen Laufstil kompensiert, unterstützt einen gesunden Sport.
  • Laufanalyse: Ein Lauftherapeut kann bei der richtigen Körperhaltung und Lauftechnik helfen. Mittlerweile bieten auch viele Laufläden professionelle Laufgruppen an, in denen man sich wertvolle Tipps holen kann.
  • Realistische Trainingsziele: Höher, schneller, weiter – das sollte nicht das Motto um jeden Preis sein. Steigern Sie Intensität und Dauer langsam und konsequent. Fühlen Sie sich überfordert oder besonders angestrengt, dann sollten Sie noch etwas länger auf dem aktuellen Trainingsstand verweilen.
  • Ruhephasen: Der Körper und auch die Muskeln brauchen Ruhe. Sportpausen sind daher ein absolutes Muss für jeden, der seinen Körper positiv unterstützen möchte.
  • Aufwärmen: Egal ob Jogging, Walken oder Wandern; wärmen Sie sich auf. Bei kalten Muskeln besteht eine deutlich höhere Verletzungsgefahr. Und nach dem Workout: Das Dehnen nicht vergessen!
  • Aufbautraining: Für einen gesunden und starken Fuß sollten auch das Sprunggelenk und die Wadenmuskulatur trainiert werden. Allgemein sollten Läufer auch ihr Kraft- und Koordinationstraining nicht außer Acht lassen.

Quelle:

Dr. Schaenzler, Nicole/ Dr. med. Hoffbauer, Gabi (2001): Wörterbuch der Medizin, München: Südwest Verlag.

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