Sexsucht – bin ich betroffen?

Verena Elson Medizinredakteurin

„Sexsucht“ klingt nach einer lahmen Entschuldigung für einen Seitensprung oder eine unangemessene Anmache. Tatsächlich kann die Störung das Leben der Betroffenen aber stark beeinträchtigen. In einer Studie analysierten Forscher, wie viele Menschen wirklich an Sexsucht leiden – das sind deutlich mehr als bisher angenommen. Sind auch Sie betroffen? Machen Sie den Test.

Mann schaut Pornos auf seinen Laptop
Die sogenannte Sexsucht ist eine psychische Störung – und es leiden mehr Menschen darunter als bisher angenommen Foto:  Marcos Calvo/iStock

Menschen, die an Sexsucht leiden, können ihr sexuelles Verhalten nur unzureichend kontrollieren. Ihr Verlangen nach Sex bestimmt ihren Alltag: Sie haben etwa Schwierigkeiten sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, weil die Suche nach sexueller Befriedigung für sie immer im Vordergrund steht.

2018 beschloss die Weltgesundheitsorganisation (WHO), „zwanghaftes Sexualverhalten“ als psychische Störung anzuerkennen und in den internationalen Diagnoseschlüssel (ICD-11) aufzunehmen. Voraussichtlich ab 2022 können Ärzte diese Diagnose stellen und eine entsprechende Behandlung verschreiben.

 

Sexsucht: Mehr Menschen betroffen als erwartet

Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass die Störung nur sehr selten vorkommt. In einer Befragung von rund 2.300 Frauen und Männern im Alter von 18 bis 50 Jahren kamen Wissenschaftler der University of Minnesota in Minneapolis jedoch zu einem anderen Ergebnis: 8,6 Prozent der Befragten litten an Sexsucht.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist kleiner, als die Forscher erwartet hatten: Laut der Auswertung sind zehn Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen sexsüchtig.

Was ist Sexsucht?

„Sexsucht“ ist ein umgangssprachlicher Begriff – Mediziner sprechen stattdessen von Hypersexualität. Denn streng genommen handelt es sich bei der Störung nicht um eine Sucht, es fehlen etwa körperliche Entzugserscheinungen. Sie ähnelt eher einer Zwangsstörung oder Impulskontrollstörung: Betroffene werden geradezu von ihrem Verlangen nach Sex beherrscht. Sie wenden den Großteil ihrer verfügbaren Zeit dazu auf, sexuelle Befriedigung zu erlangen, worunter Partnerschaft, Familie und Beruf leiden können.

 

Typische Symptome einer Sexsucht oder Hypersexualität

  • Hoher Pornografie-Konsum (mehrere Stunden täglich)
  • Häufige Masturbation
  • Häufiger Partnerwechsel

Charakteristisch für eine Hypersexualität ist außerdem die Tendenz, Sex als Kompensation oder Fluchtmöglichkeit zu nutzen. Betroffene „flüchten“ sich in sexuelle Aktivitäten, wenn sie etwa Probleme im Job oder mit Mitmenschen haben. Dabei haben sie häufig eine distanzierte, unpersönliche Sicht auf Sex – sexueller Kontakt hat für sie häufig wenig mit Intimität und Nähe zu tun.

 

Selbst-Test: Bin ich sexsüchtig?

Für Ihre Studie verwendeten die Forscher einen Fragebogen mit 13 Fragen, das sogenannte Compulsive Sexual Behavior Inventory. Bei jeder Frage gibt es fünf Antwortmöglichkeiten, die mit einer Punktzahl von eins bis fünf versehen sind. Wenn 35 oder mehr Punkte erreicht werden, besteht der Verdacht auf eine Sexsucht. Wir haben die Fragen aus dem Englischen übersetzt – machen Sie hier den Selbsttest.

Wer den Verdacht hat, an Sexsucht zu leiden, sollte sich an einen Arzt wenden. Erster Ansprechpartner ist entweder der Hausarzt oder direkt ein Psychotherapeut oder Sexualtherapeut. Bei Sexsucht setzen Mediziner auf eine sogenannte Verhaltenstherapie: Ziel dieser Behandlung ist es, den kontrollierten Umgang mit dem eigenen sexuellen Verhalten zu lernen.

Quelle:
Dickenson, Janna A., et al. (2018): Prevalence of distress associated with difficulty controlling sexual urges, feelings, and behaviors in the United States, in: JAMA

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