Sex im Weltall – ist das möglich?

Verena Elson
Sex im Weltall: James Bond machte es im Film Moonraker vor
Sex im Weltall: James Bond machte es im Film Moonraker vor © 20th Century FOX

Ist eine Erektion im Weltall möglich? Diese Frage wird seit Jahren heiß diskutiert. Wie ist das mit der Durchblutung in der Schwerelosigkeit?

Ist es schon einmal passiert? Wäre es überhaupt möglich? Sex im All ist ein Problem, über das tatsächlich viele Menschen nachdenken. Denn: Wenn Weltraumflüge bald touristische Unternehmungen werden und wir irgendwann alle auf den Mars ziehen, müssen wir uns auf sehr lange Weltraumfahrten einstellen (die Reise zum Mars und zurück dauert 520 Tage).

Um die erste Frage zu beantworten: Bisher hatte noch niemand Sex im Weltall – jedenfalls ist kein Fall bekannt.

 

Ist Sex im Weltall möglich?

Zur zweiten Frage: Ist es für Männer überhaupt möglich, in der Schwerelosigkeit eine Erektion zu haben? Viele sprechen darüber – nur leider niemand, der selbst im All war und eine verlässliche Antwort geben könnte. Einige Experten sind aber skeptisch. So äußert der Astrophysiker Harald Lesch in seinem Buch „Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch: Unerhört wissenschaftliche Erklärungen“ Zweifel daran, dass eine Erektion im Weltall ohne Weiteres möglich wäre. Denn der Unterleib wird – zumindest am Anfang der Mission – schlechter durchblutet als auf der Erde.

Das Blut fließt in einem Kreislauf durch den menschlichen Körper: Es fließt vom Herzen hoch in den Kopf und von dort zu den Füßen, von wo aus es wieder zum Herzen gepumpt wird. Um das Blut „bergauf“ zu pumpen, muss das Herz kräftig arbeiten, weil die Schwerkraft ihm entgegenwirkt.

Im Weltall muss das Herz eigentlich weniger kräftig pumpen, weil die Schwerkraft fehlt. Doch zunächst tut es das nicht und so kommt es, dass der Kopf in der ersten Zeit im All stärker durchblutet ist und der Unterleib dafür weniger. Bei den Astronauten macht sich das durch einen geschwollenen Kopf und Kopfschmerzen und durch kalte Füße bemerkbar.

Doch mit der Zeit legt sich der Effekt und der Körper passt sich an die neuen Bedingungen an. Das heißt, das Herz absolviert keine Höchstleistungen mehr, um den Kopf mit Blut zu versorgen. Nach dem Landen auf der Erde besteht für die Astronauten darum die akute Gefahr einer Ohnmacht, weil der Kopf plötzlich zu wenig durchblutet wird.

 

Nach Anpassungsphase müsste Erektion möglich sein

Das heißt: In der ersten Zeit im Weltall dürfte eine Erektion tatsächlich unmöglich sein. Doch nach einer Anpassungsphase von einigen Monaten sollte die bessere Durchblutung im Unterleib sie wieder ermöglichen. Dennoch – auch im Falle einer erfolgreichen Anpassung an die neuen Bedingungen sieht Lesch weitere Hindernisse für das Liebesspiel im All. Denn den Astronauten fehle es in der Schwerelosigkeit außerdem an Zugkraft – das heißt, durch die Stoßbewegungen würden die Partner auseinandergetrieben. Doch dafür werden bereits Hilfsmittel diskutiert – beispielsweise ein Schlafsack, ein aufblasbarer Tunnel oder das Zusammenbinden der Partner mit Gurten.

 

Bei der NASA spricht man nicht gerne über Sex

Öffentlich spricht bei der NASA und anderen Weltraumorganisationen niemand gerne über Sex im Weltall – das Thema scheint ausgeblendet zu werden. Dennoch beschäftigen sich Forscher damit. Denn es geht um nichts geringeres als das Überleben der Menschheit: Zu den langfristigen Zielen der Raumfahrt gehören auch jahrzehntelange Flüge zu anderen Sonnensystemen, um bewohnbare Planeten zu finden und zu besiedeln. Um das Bestehen der Art zu garantieren, muss Fortpflanzung im All dann möglich sein.

Mit Menschen wurden noch keine entsprechenden Experimente durchgeführt – aber mit Tieren. 2014 transportierte ein Satellit Geckos und Fruchtfliegen ins Weltall, die sich dort vermehren sollten. Bei den Fruchtfliegen klappte das Unterfangen; die Geckos erfroren aufgrund technischer Probleme.

Auch, wenn nicht gerne darüber gesprochen wird, sind sich Experten doch einig, dass das Thema Sex im Weltall auf lange Sicht nicht ausgeblendet werden kann. Doch bei entsprechenden Experimenten gilt es auch ethische Bedenken zu berücksichtigen. Denn es ist unklar, welche Risiken bei einer möglichen Schwangerschaft bestünden und welche Auswirkungen das auf den Embryo hätte. So gehen einige Experten davon aus, dass so gezeugte Babys zumindest auf der Erde nicht lebensfähig wären, weil Herz, Muskeln und Knochen zu schwach wären. Dazu kommt die Problematik einer Geburt im Weltall, die ebenfalls ohne Schwerkraft stattfinden müsste. Für die Wissenschaft gibt es auf dem Gebiet Fortpflanzung im Weltall also noch viele Probleme zu lösen – und der Sex an sich dürfte dabei das kleinste sein.

                                               

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