Sex im Schlaf: So gefährlich ist Sexsomnia

Sexsomnia beschreibt eine Schlafstörung, die nicht nur extrem unangenehm für die Betroffenen, sondern manchmal auch gefährlich sein kann: sie haben Sex im Schlaf, ohne sich am nächsten Morgen daran erinnern zu können. Alles zu Anzeichen, Ursachen und Behandlung!

Ein Mann mit seiner Freundin im Bett
Menschen mit Sexsomnia wissen am nächsten Morgen häufig nichts mehr davon, dass sie Sex im Schlaf hatten Foto: iStock/LanaStock

Schlafwandeln kann skurrile Formen annehmen. Im Schlaf werden Betroffene mitunter so aktiv, dass es auf den ersten Blick so scheint, als wären sie wach: Neben dem typischen In-der-Wohnung-Umherlaufen führen manche auch komplexere Handlungen durch wie Essen oder Gartenarbeit. Ein Spezialfall des Schlafwandelns ist sie sogenannte Sexsomnia – eine Schlafstörung, die sich durch Sex im Schlaf kennzeichnet.

Sexsomnia – das passiert beim Sex im Schlaf

Sexsomnia setzt sich aus zwei Begriffen zusammen, Sex und somnus, dem lateinischen Wort für Schlaf. Die Bezeichnung gibt den Kern der Schlafstörung wieder: Die Betroffenen führen sexuelle Handlungen im Schlaf durch. Sie befriedigen sich entweder selber oder sie haben Geschlechts- oder Oralverkehr mit der Person, die neben ihnen schläft. Auch „dirty talk“, also erotisches Sprechen, ist möglich.

Das alles passiert in der vierten Phase des Schlafzyklus, der Tiefschlafphase. Sowohl die Muskeln als auch das Gehirn befinden sich in dieser Schlafphase normalerweise in einem tiefenentspannten Zustand; die Schlafenden bekommen von ihrer Umgebung nichts mit. Selbst wenn Betroffene kurz geweckt werden, haben sie am nächsten Tag keine Erinnerung daran, was in der Nacht passiert ist.  

Anzeichen für Sexsomnia

Für die beiliegende Person ist es zunächst nicht ersichtlich, dass der:die Betroffene schläft. Es gibt jedoch einige Anzeichen, die aufhorchen lassen sollten. Dazu gehört ein gläserner, leerer Blick, ein untypisches Verhalten und ungewohnte sexuelle Handlungen.

Sex beim Schlafen: Ursachen liegen im Gehirn

Wie jede Form des Schlafwandelns geht auch Sexsomnia auf fehlgeleitete Hirnströme zurück. Möglich sind die sexuellen Handlungen im Schlaf, weil bestimmte Teile des Gehirns, die für das das Sehen und die Bewegung verantwortlich sind, in der Tiefschlafphase der Betroffenen noch aktiv sind – dafür aber das Hirnareal nicht, das für rationales Denken verantwortlich ist.

Alkohol, Schlafmangel, Ängste und Stress können die Häufigkeit und Dauer der Schlafwandel-Ereignisse steigern. Sexsomnia steht zudem mit anderen Schlafstörungen wie dem Restless-Leg-Syndrom und der Schlafapnoe im Zusammenhang.

Sexsomina gilt als sehr seltene Schlafstörung. Schätzungen zufolge sind weltweit nur ein bis drei Prozent davon betroffen. Die Umfrage eines kanadischen Schlafzentrums von 1996 deutet jedoch darauf hin, dass die Dunkelziffer höher liegen könnte: Von 832 befragten Patient:innen gaben 7,6 Prozent an, Sex im Schlaf schon einmal erlebt zu haben – Männer waren dabei in der Überzahl.

Wann es gefährlich wird, im Schlaf Sex zu haben

Zu einer potentiellen Gefahr wird Sexsomnia, wenn die Betroffenen nicht alleine bzw. neben ihrem Partner schlafen, sondern bei anderen übernachten. Ungewollt kann es zu versuchten sexuellen Übergriffen oder Verletzungen kommen, wie Berichte von Betroffenen zeigen. Problematisch ist auch der Umstand, dass sich während des Schlafwandelns oft eine andere Persönlichkeit zeigt. Personen, die im wachen Zustand zurückhaltend oder schüchtern sind, können im Tiefschlaf plötzlich aggressiv und hemmungslos werden.  

Aber auch wenn keine andere Person beteiligt ist und keine ungewollten sexuellen Handlungen auftreten, kann die Sexsomnia je nach Ausprägung die Betroffenen beeinträchtigen. Viele haben Angst, in der Öffentlichkeit einzuschlafen, z.B. im Flugzeug, oder den:die Partner:in zu verletzen. Zudem wird durch die Aktivität in der Nacht der Schlaf mitunter nicht als erholsam empfunden, was die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit am Tag mindert.

Das können Betroffene bei Sexsomnia tun

Sexsomnia ist nicht als Krankheit anerkannt. Trotzdem ist es für Betroffene ratsam, sich professionelle Hilfe zu suchen. Mit einem auf Schlafstörungen spezialisierten Therapeuten oder einer Therapeutin können mögliche Behandlungsmethoden ausgelotet werden. Dabei sollte die Stressreduktion im Vordergrund stehen. Auch andere begünstigende Faktoren wie Alkohol und Schlafmangel gilt es zu vermeiden, um die Häufigkeit von Sex im Schlaf zu reduzieren.