Sensationelle Entdeckung: Krebstherapie mit Krebszellen

Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Krebszellen sich in harmlose Zellen verwandeln können, die eine heilsame Wirkung haben
Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Krebszellen sich in harmlose Zellen verwandeln können, die eine heilsame Wirkung haben © Shutterstock

Durch Zufall machten US-Forscher eine revolutionäre Entdeckung: Krebszellen können sich unter bestimmten Umständen in harmlose Zellen verwandeln, die sogar eine heilsame Wirkung haben.

Eigentlich hatten die Wissenschaftler der Stanford University School of Medicine um Ravi Mejeti vor, mehr über die sogenannte akute lymphatische Leukämie herauszufinden. Ihr Ziel: Grundlagen für neue Behandlungsmethoden der aggressiven Krebsform zu schaffen. Dazu entnahmen sie Patienten Krebszellen, um sie im Labor zu untersuchen. Dabei stießen sie auf folgendes Problem: Die Zellen überlebten außerhalb des Menschen nicht lange genug, um für Experimente verwendet zu werden.

Darum testeten die Forscher verschiedene Möglichkeiten, die Zellen am Leben zu erhalten. Als sie spezielle Proteine, sogenannte Transkriptionsfaktoren, den Krebszellen beifügten, passierte etwas Erstaunliches: Die Zellen veränderten ihre Form, bis sie sogenannten Makrophagen glichen, einer speziellen Form von Immunzellen.

 

Wie funktioniert die Zellumwandlung?

Ursache der akuten lymphatischen Leukämie ist die Entartung unreifer Zellen, die sich in der Entwicklung zu Immunzellen befinden. Das heißt: Die Krebszellen sollten eigentlich Immunzellen werden, mutierten aber auf dem Weg dorthin. Der Grund für die Mutation ist das Fehlen der Transkriptionsfaktoren. Diese Proteine haften sich an Teile der DNA einer Zelle und schalten einzelne Gene an oder aus – so beeinflussen sie die Entwicklung der Zelle.

Indem die US-Forscher die entartete Zelle mit den fehlenden Transkriptionsfaktoren versorgten, brachten sie sie zurück auf die „richtige Bahn“ – und aus der Krebszelle wurde eine Immunzelle.

 

Hoffnung auf Krebstherapie aus Krebszellen

In ersten Tierversuchen verabreichten die Wissenschaftler Mäusen ohne Immunsystem die „umprogrammierten“ Zellen und stellten fest, dass sie bei den Tieren keinen Krebs auslösten.

Dieses Ergebnis belegt zunächst, dass die ehemaligen Krebszellen ihre zerstörerische Kraft verloren hatten. Doch die Forscher haben nun außerdem die Hoffnung, dass die Zellen das Immunsystem von Patienten zu einer Abwehrreaktion gegen den Krebs animieren können. Denn die Aufgabe von Makrophagen besteht darin, einer ganzen Armee von Immunzellen Erkennungsmerkmale von beschädigten Zellen oder feindlichen Eindringlingen wie einem Spürhund zu präsentieren, damit die Immunarmee die Fährte aufnimmt und den Gegner bekämpft. „Da die neu programmierten Makrophagen aus Krebszellen entstanden sind, tragen sie bereits deren Erkennungsmerkmale in sich – das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Immunreaktion gegen den Krebs“, erklärt Studienleiter Majeti.

In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler nach Möglichkeiten suchen, die neue Therapie an Krebspatienten durchzuführen.

Hamburg, 18. März 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.