Seltener Diagnoseirrtum: Frau besitzt zwei Vaginas

Spirale
Die Spirale gilt eigentlich als ein sicheres Verhütungsmittel. Jetzt ist eine Frau trotz Spirale schwanger geworden, weil sie zwei Vaginas besitzt © Imago

Eine Frau aus Bad Oeynhausen ist trotz eingesetzter Spirale schwanger geworden. Der Grund dafür ist außergewöhnlich: Sie besitzt zwei Vaginas. Wie häufig solche Doppelbildungen der Geschlechtsorgane sind, erfahren Sie hier.

In den Medien sorgt derweil ein kurioser Fall für Aufsehen: Eine Frau wurde trotz Spirale schwanger, weil sie unwissentlich eine zweite Vagina und einen weiteren Uterus besitzt. Wegen ihrer ungewollten Schwangerschaft verklagte sie ihren Arzt auf Schadensersatz. Doch das Gericht wies die Anklage ab. Begründung: In dem Fall sei nicht von einem „haftungsbegründenden Diagnosefehler“ auszugehen. Dem zuständigen Gynäkologen könne demnach nicht vorgeworfen werden, dass er von einer einfachen Anlage der Geschlechtsorgane ausgegangen sei. Aus dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm geht hervor, dass die Anomalie der Klägerin extrem selten und häufig kaum zu erkennen sei.

 

Gynäkologen trifft keine Schuld

Die Frau hatte ein Schmerzensgeld von etwa 5.000 € verlangt. Sie warf dem Frauenarzt vor, die zweite Vagina sowie den zweiten Uterus bei den Ultraschalluntersuchungen im Jahr 2005 nicht erkannt zu haben. Den Richtern zufolge trifft den Angeklagten jedoch keine Schuld. Demnach habe der Gynäkologe alle Untersuchungen vorgenommen, die für das Einsetzen der Spirale nötig sind. Darüber hinaus hatte es bei bereits länger zurückliegenden Untersuchungen keine Hinweise auf die doppelten Anlagen gegeben.

 

Anomalien der Geschlechtsorgane

Uterus Didelphis

Die doppelte Vagina ist gar kein so seltenes Phänomen, wie man denkt: Schätzungsweise 0,3 Prozent aller Frauen haben diese Anomalie, viele davon ohne es zu wissen. Eine doppelte Gebärmutter trifft eine von 200 Frauen. Der Uterus Didelphis ist auf eine Fehlentwicklung in einem Genitalgang zurückzuführen Diese Anomalie ist von außen nicht sichtbar, das heißt alles sieht so aus wie bei nur einer Vagina.

Diphallie

Auch Männer können von einer Dopplung der Geschlechtsorgane betroffen sein. Bereits Anfang des Jahres hatte ein Brite für Furore im Internet gesorgt: „Der Mann mit zwei Penissen“ veröffentlichte Bilder seiner zwei männlichen Glieder. Das Interesse an der Anomalie war groß, tausende Kommentare finden sich unter dem Post. Diphallie – so der Fachbegriff – ist eine extrem seltene Fehlbildung. Unter zehn Millionen Neugeborenen tritt sie statistisch gesehen nur einmal auf.

Sironmelie

Bei der seltenen Fehlbildung Sironmelie – auch als Meerjungfrauensyndrom bekannt – sind die Beine ab dem Becken abwärts zusammengewachsen und die Geschlechtsorgane nicht ausgebildet. Von der Sirenomelie ist eines von 100.000 Neugeborenen betroffen.

 

Video: Weitere Informationen zur Spirale

Hamburg, 9. Juli 2015

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