Sehsturz: Wie wird die Diagnose gestellt?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Bei einem Sehsturz ist die Diagnose nicht immer einfach, da die Symptome auch für die Betroffenen nicht unbedingt offensichtlich sind. Der Grund: Da in der Regel nur eines von beiden Augen durch den Gefäßverschluss in Mitleidenschaft gezogen ist, kann das gesunde Auge den Sehverlust „überdecken“. Die Sehsturz-Diagnose wird deswegen mitunter erst Tage, Wochen oder Monate nach dem plötzlichen Ereignis gestellt, wenn der Augenarzt den verursachenden Gefäßverschluss im Rahmen einer Routineuntersuchung feststellt.

In vielen Fällen bemerken die Betroffenen aber den Sehsturz und seine Symptome und suchen ihren Augenarzt für die Diagnose und Behandlung auf. Der Augenarzt wird von Ihnen im Rahmen des Untersuchungsgesprächs wissen wollen, ob neben den Sehstörungen weitere Symptome auftraten. Er wird sich über bekannte Vor- oder Grunderkrankungen informieren. Außerdem wird er Sie genau nach Art und Ausmaß der Sehstörungen fragen und wissen wollen:

  • seit wann die Sehstörung besteht,
  • ob und inwieweit Sie unscharf sehen,
  • wie stark Ihr Gesichtsfeld eingeschränkt ist,
  • ob Sie auf dem betroffenen Auge gegebenenfalls überhaupt noch etwas sehen,
  • ob Sie beispielsweise Schleier oder Schlieren vor dem Auge bemerkt haben.

Um Art und Ausmaß des zugrunde liegenden Gefäßverschlusses einschätzen zu können, wird der Augenarzt beim Sehsturz für die Diagnose verschiedene Tests und weitere Untersuchungen mit Ihnen durchführen:

  • Sehschärfetest am Sehzeichenprojektor oder an der Sehzeichentafel: Buchstaben, Zahlen und Zeichen sind für Betroffene in der Regel kaum oder gar nicht mehr zu erkennen.
  • Licht-Reaktion der Pupille: Je stärker ausgeprägt die Sehstörung und damit das Ausmaß der Erblindung ist, desto geringer ist der Pupillenreflex.

Für die weitere Sehsturz-Diagnose erfolgt eine genaue Untersuchung des Augenhintergrunds: Hier wird der Augenarzt je nach Art des Gefäßverschlusses charakteristische Veränderungen in Netzhaut und Blutgefäßen feststellen:

  • düsterrote Blutungen, die vom Zentrum aus sternförmig über die Netzhaut verlaufen
  • streifige Blutungen, die am oberen oder unteren Rand des Augenhintergrunds auftauchen
  • Schwellungen durch Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) in und unter der Netzhaut
  • sogenannte Cotton-Wool-Flecken: Netzhautzellen, deren Enden (Axone) anschwellen. Die Schwellungen werden als weiße, unscharf begrenzte, baumwollartige Flecken sichtbar.
  • kleine, hell schimmernde Flecken aus Cholesterin an Verzweigungen der Netzhautarterien

Darüber hinaus kann der Augenarzt bei einem Sehsturz für die Diagnose eine sogenannte Fluoreszenzangiographie durchführen. Sie macht verschlossene Gefäße ebenso sichtbar wie poröse, undichte Gefäßwände, die Blutungen verursachen.

Da ein Gefäßverschluss im Auge immer auch ein Symptom für eine allgemeine Herz-Kreislauf- oder Gefäß-Erkrankung sein kann, wird der Augenarzt in Absprache mit den behandelnden Neurologen, Internisten und Gefäßchirurgen weitere Untersuchungen empfehlen. Zu ihnen zählen:

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Ultraschalluntersuchung bestimmter Blutgefäße, in denen Arterienverkalkung (Atherosklerose) gehäuft auftritt
  • Ultraschalluntersuchungen des Herzens, insbesondere der Vorhöfe
  • Abklärungen verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Blutgerinnungsstörungen

Grundsätzlich handelt es sich bei einem Sehsturz um einen Gefäßverschluss, der auch in anderen Körperregionen, beispielsweise im Herz, im Gehirn oder in den Beinvenen auftreten kann. Für den Arzt gilt es für die Diagnose daher einzuschätzen, ob auch das Risiko für weitere Gefäßverschlüsse erhöht ist, die zu einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder einer Thrombose in den Beinen führen können.

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