Schwangerschafts-Gefahr Ringelröteln – Darauf sollten Sie achten!

Kinderärztin Dr. Nadine Hess: Röteln in der Schwangerschaft sind äußerst gefährlich für das Baby
Expertin Dr. Hess: "Zu Beginn der Schwangerschaft wird normalerweise bestimmt, ob die Mutter Antikörper gegen Parvoviren gebildet hat. Dann besteht keine Gefahr." © privat

Ringelröteln (Erythema infectiosum) ist eine – in den meisten Fällen – harmlose Viruserkrankung. Aber bei etwa einem Drittel aller schwangeren Frauen kann sie zu ernsthaften Schäden am ungeborenen Leben führen. Das Problem dabei: Es gibt keine Impfung und das Virus ist äußerst widerstandsfähig.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Um sich vor den hochansteckenden Viren zu schützen, sollten vor allem Schwangere sich täglich mehrfach die Hände gut waschen. Denn Studien zeigen, dass etwa ein Drittel aller Frauen keine Antikörper gegen das Virus gebildet haben. In solchen Fällen überträgt es sich bei einer Ansteckung wiederum in einem Drittel der Fälle von der Mutter auf das Kind.* 

Beim Ungeborenen kann das Virus eine schwere Anaemie (=Blutarmut), eine Herzmuskelentzündung mit möglichem Herzversagen und einen sogenannten Hydrops fetalis (=generalisierte Flüssigkeitsansammlung im gesamten Körper, auch in den Körperhöhlen) verursachen. Glücklicherweise liegt die Sterblichkeit der Ungeborenen nach einer Infektion im Mutterleib aber nur bei ungefähr 5-10 Prozent.

Zu Beginn der Schwangerschaft wird normalerweise bestimmt, ob die Mutter Antikörper gegen Parvoviren gebildet hat. Dann besteht keine Gefahr. Anderenfalls wird der Arzt, wenn es zu einer Infektion gekommen ist, sorgsam und mehrfach überprüfen, ob mit Ihrem Baby alles in Ordnung ist und Sie die Schwangerschaft weiterhin genießen können. Gegebenenfalls wird der Arzt eine Blutarmut des ungeborenen Kindes mittels Transfusionen behandeln.   

Aber eigentlich sind Ringelröteln eine typische Kinderkrankheit. Nach einem unspezifischen Vorstadium mit Fieber, Abgeschlagenheit, Muskel- und Kopfschmerzen kommen nach etwa einer Woche die klassischen Zeichen dazu.

 

Symptome einer Ringelröteln-Infektion

  • Hochrote Wangen (=slapped cheeks, die Kinder sehen aus, als hätten sie eine Ohrfeige bekommen), nach einigen Tagen dann
  • an Schultern, Oberarmen, Oberschenkeln girlandenartige Rötungen, die teilweise auch etwas erhaben sind und ineinander übergehen können; selten ist der Rumpf betroffen.

Die Hauterscheinungen bleiben in der Regel einige Tage, verschwinden dann und können im Verlauf bis zu 16 Wochen lang wieder auftreten**. Bei bis zu 20 Prozent der erkrankten Kinder und etwa der Hälfte der erkrankten  Erwachsenen kommt es nach der Infektion zu einer Arthritis, einer Gelenkentzündung, die insbesondere die Hand- und Kniegelenke befällt. Die Arthritis ist selbstlimitierend, das heißt, sie klingt innerhalb weniger Wochen von allein wieder ab und heilt folgenlos aus. Nicht bei jedem laufen die Ringelröteln symptomatisch mit den beschriebenen Merkmalen ab – bei vielen verläuft die Infektion klinisch stumm, das heißt, man ist erkrankt, hat aber keine Symptome. Das Gute daran: Eine Infektion mit Parvovirus B19 hinterlässt eine lebenslange Immunität, egal, ob die Erkankung symptomatisch verlief oder nicht.

* Yaegashi N, Niinuma T, Chisaka H, Watanabe T, Uehara S, Okamura K, et al. The incidence of, and factors leading to, parvovirus B19-related hydrops fetalis following maternal infection; report of 10 cases and meta-analysis. J Infect. 1998;37(1):28–35

** Peter H. Höger, Kinderdermatologie, 3. Auflage, s, bes. S. 395-96

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