Schwangerschaft und Gesundheit – 7 gute Gründe, schwanger zu werden

Werden Frauen nach ihrem 33. Lebensjahr auf natürlichem Wege schwanger, verdoppelt sich für sie die Wahrscheinlichkeit, 95 Jahre und älter zu werden. Das zeigt eine aktuelle Studie US-amerikanischer Forscher. Das Beispiel zeigt, dass Schwangerschaften – vor allem von Medizinern – zu Unrecht häufiger mit körperlichen Belastungen und Einschränkungen in Verbindung gebracht werden. Praxisvita nimmt diesen Fehdehandschuh gerne auf und nennt Ihnen 7 gute Gründe, schwanger zu werden.

In den letzten 30 Jahren hat sich der Anteil der Frauen, die nach ihrem 35. Lebensjahr schwanger wurden, mehr als verachtfacht. Dennoch gelten solche Schwangerschaften als Risiko-Schwangerschaften – also Schwangerschaften, die für Mutter und Kind das schwangerschaftsbedingte Krankheitsrisiko erhöhen und zu mehr Fehlgeburten führen. Doch auch Schwangerschaften im normalen Alter werden in der Regel mit den einhergehenden körperlichen Belastungen und Einschränkungen in Verbindung gebracht.

Doch handelt es sich dabei um eine manchmal etwas einseitige Sichtweise. Tatsächlich gibt es durch die Schwangerschaft für Körper und Geist auch Vorteile, sogenannte „Health Benefits“, wie US-amerikanische Wissenschaftler erst kürzlich formulierten. Um die positive Sichtweise auf die gesundheitlichen Veränderungen im Körper während der Schwangerschaft zu unterstreichen, nennt Ihnen Praxisvita sieben gute Gründe, schwanger zu werden.

 

Ältere Schwangere leben länger

Eine aktuelle Studie der Boston University School of Medicine hat gezeigt, dass Frauen, die auf natürlichem Wege nach ihrem 33. Lebensjahr noch ein Kind geboren haben, eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit besitzen, 95 Jahre und älter zu werden. Der in der Fachzeitschrift „Menopause“ veröffentliche Bericht soll nach Aussagen der Forscher Frauen allerdings nicht dazu anregen, mit dem Kinderkriegen solange zu warten, bis man 33 ist, um die Chancen auf ein längeres Leben zu verbessern.

Zwar ist der Zusammenhang von Lebenserwartung und einer Schwangerschaft jenseits des 30. Lebensjahrs statistisch belegbar, die Gründe dafür sind aber komplizierter. Denn: Die Fähigkeit, nach dem 33. Lebensjahr auf natürlichem Wege schwanger zu werden, ist lediglich ein Indikator für die Wahrscheinlichkeit, älter zu werden und kein Faktor. Demnach erhöht nicht die Schwangerschaft selbst die Lebenserwartung einer Frau, sondern ein grundsätzlich langsamerer Alterungsprozess kann durch die körperliche Bereitschaft spät schwanger zu werden, angezeigt werden.

Der Grund für beides – die Wahrscheinlichkeit ein höheres Alter zu erreichen und die Fähigkeit nach dem 33. Lebensjahr auf natürlichem Wege noch ein Kind zu bekommen – ist vielmehr genetisch bedingt. Die „Geschwindigkeit mit der ein Körper altert“ und die Auswirkungen des Alterns auf den Körper sind genetisch bedingt und deswegen nicht gegenseitig beeinflussbar.

Anders gesagt: Frauen altern nicht langsamer und leben dadurch länger, weil sie nach dem 33. Lebensjahr noch schwanger werden konnten, sondern leben länger und können nach dem 33. Lebensjahr noch Kinder bekommen, weil ihr Körper langsamer altert.

 

Das Ende von Menstruationsschmerzen

Nach einer Geburt setzt bei Frauen früher oder später der Menstruationszyklus wieder ein. Dabei entsteht ein sehr angenehmer Nebeneffekt, dem sich viele Frauen nicht bewusst sind. Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen, die vor der Schwangerschaft an Menstruationsschmerzen und -krämpfen litten, nach der Geburt deutlich weniger oder auch gar keine Beschwerden dieser Art mehr haben.

Dieses Phänomen der postnatalen Verminderung des Schmerzes ist ein wissenschaftlich belegter Effekt, der aber medizinisch noch nicht ganz geklärt ist. Eine Theorie besagt, dass durch den Geburtsvorgang im Uterus gewisse Schmerzrezeptoren – die sogenannten Prostaglandin-Rezeptoren – zurück gebildet werden, die nicht nur mit den Wehen während der Geburt, sondern auch mit den Schmerzen bei der Periode in Verbindung stehen. Und wo weniger Schmerzrezeptoren, da auch weniger oder keine Schmerzen.

 

Geringeres Krebs-Risiko

Verschiedene Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass Schwangerschaften vor Brust- oder Eierstockkrebs schützen. Ebenso wird dem Stillen eine krebsverringernde Wirkung zugesprochen. Der positive Effekt der Schwangerschaft auf das Krebsrisiko ist statistisch belegbar. Die medizinischen Ursachen, die dazu führen, sind dagegen umstritten. Eine führende Theorie besagt, dass dieser gesundheitliche Vorteil der Schwangeren mit dem Aussetzen des Eisprungs zu tun hat. Neun Eisprünge weniger führen letztlich dazu, dass die Wahrscheinlichkeit von Brust- oder Eierstockkrebs sinkt. Diese These wird gestützt durch die Beobachtung, dass mehrere Schwangerschaften – also mehr ausbleibende Eisprünge – das Krebsrisiko immer weiter senken.

 

Verbesserung der Durchblutung

Bereits in den ersten Schwangerschaftswochen sind bei einer schwangeren Frau spürbare Veränderungen an Herz- und Kreislauf festzustellen. Deutlichste Veränderung ist dabei eine verbesserte Durchblutung, was in der Regel in einem gesteigerten Wärmegefühl in Händen und Füßen bei den Schwangeren Ausdruck findet. Gleichzeitig steigt während der Schwangerschaft auch das Blutvolumen im Körper und das Herz schlägt schneller. Das ist vor allem wichtig für die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen über die Plazenta. Für die werdende Mutter bedeutet das aber nicht nur weniger Frieren, sondern auch eine gesteigerte Konzentration, weniger durchblutungsbedingte Kopfschmerzen und ein geringeres Risiko für Schlaganfälle. Grundsätzlich wird durch eine verbesserte Durchblutung auch das Herz weniger belastet.

 

Erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes

Die Schwangerschaft erhöht bei einer Frau nicht nur eine stärkere Durchblutung, sondern auch eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes. Der Grund ist genauso naheliegend wie sinnvoll. Die Natur wollte damit verhindern, dass  –  bevor Frauen überwiegend in Krankenhäusern entbunden haben – eine werdende Mutter bei der Geburt verbluten kann. Selbst heute – trotz erhöhtem Gerinnungsfaktor bei der Schwangeren und medizinischer Rundumversorgung – sprechen Ärzte noch von einer Blutmenge von einem halben Liter bis zu einem Liter, die bei einer vaginalen Geburt verloren geht. Angenehmer Nebeneffekt dieser erhöhten Neigung zur Blutgerinnung ist zweifelsohne, dass Schwangere erheblich leichter Blutungen stillen können und die Gefahr zu verbluten deutlich sinkt.

 

Steigerung des Wohlbefindens und Kraftgefühls

Eine Schwangerschaft und die anschließende Geburt ist für jede Frau ein anstrengendes Unterfangen. Doch ganz im Sinne von: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker" deuten Studien darauf hin, dass sich Frauen nach einer Schwangerschaft gestärkt und wohler fühlen als davor. Offensichtlich empfinden Frauen als Mütter ein gesteigertes Kraftgefühl und Selbstverstrauen. Australische Wissenschaftler bewiesen zudem, dass Frauen nach einer Schwangerschaft auf Herausforderungen und psychischen Stress plötzlich entspannter und konstruktiver reagieren.

 

Die Verbesserung des Lebensstils

Eine Schwangerschaft ist für Frauen ein oft sehr krasser Einschnitt in die bisherige Lebensweise. Viele Frauen verändern mit dem Blick auf das Leben, das in einem heranwächst, ihre Gewohnheiten und nutzen die Chance, gesundheitsfördernde Maßnahmen zu ergreifen. Eine britische Studie zeigte, dass rund 90 Prozent der Frauen, die vor ihrer Schwangerschaft geraucht haben, dieses Laster dem Kind zuliebe abgestellt haben. Ob es nun der Verzicht auf Alkohol oder generell eine gesündere Ernährung ist: Schwangerschaften verbessern mehrheitlich aus medizinischer Sicht die Lebensgewohnheiten der werdenden Mütter.

Hamburg, 27. Juni 2014

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