Schwangerschaft: Macht Paracetamol Töchter unfruchtbar?

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Schwangere nimmt Tabletten
Paracetamol ist das Schmerzmittel, das standardmäßig für Schwangere empfohlen wird © iStock/FatCamera

Paracetamol in der Schwangerschaft schadet der Fruchtbarkeit weiblicher Nachkommen, lautet das Ergebnis einer aktuellen dänischen Studie. Was ist dran an der Schreckensnachricht?

Paracetamol gilt als Mittel der Wahl bei Fieber und Schmerzen in der Schwangerschaft. Eine 2016 veröffentlichte Studie lieferte bereits Hinweise darauf, dass die Einnahme des Wirkstoffs in der Schwangerschaft das Asthma-Risiko des Nachwuchses erhöht. Eine Meta-Analyse von Forschern der Universität Kopenhagen hat scheinbar ein weiteres Risiko für das Ungeborene aufgedeckt: Demnach kann die Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft der späteren Fruchtbarkeit weiblicher Ungeborener schaden.

Das Team um Dr. David Kristensen wertete die Ergebnisse von drei Studien zum Thema aus, die alle mit Mäusen und Ratten durchgeführt wurden. Weibliche Nagetiere kommen wie Menschen mit einer begrenzten Anzahl von Eizellen zur Welt, die ihnen für ihre zukünftige Fortpflanzung zur Verfügung stehen. Ist dieses „Startkapital“ an Eizellen geringer als üblich, kann das der Fruchtbarkeit vor allem im vorangeschrittenen Alter schaden.

 

Paracetamoleinnahme führte zu weniger Eizellen beim Nachwuchs

Bei allen drei Studien wurde folgender Zusammenhang beobachtet: Ratten, die in der Schwangerschaft Paracetamol verabreicht bekommen hatten, brachten weiblichen Nachwuchs mit weniger Eizellen zur Welt.

Studienleiter Kristensen: „Auch, wenn das vielleicht keine schwerwiegende Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit ist, ist es dennoch beunruhigend, da die Daten von drei verschiedenen Laboren alle unabhängig voneinander zu dem Schluss kamen, dass Paracetamol die weibliche reproduktive Entwicklung stören kann – das zeigt, dass weitere Forschung notwendig ist, um herauszufinden, wie die menschliche Fruchtbarkeit dadurch beeinflusst wird.“

 

Experten warnen vor Panikmache

Heißt das jetzt, dass Schwangere kein Paracetamol mehr einnehmen sollten? Diese Entscheidung wollen die Forscher dem behandelnden Arzt überlassen. Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, sehen jedoch derzeit keinen Grund dazu, Schwangeren von der Einnahme von Paracetamol abzuraten.

Ihre Kritik an der Studie: Die drei Experimente wurden nur mit einer relativ kleinen Anzahl an Tieren durchgeführt – einige Experten bemängeln auch die zu hoch angesetzte Paracetamol-Dosis in den Versuchen. Darüber hinaus ließen sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf Menschen übertragen.

Der Rat sowohl von den dänischen Forschern als auch von unbeteiligten Medizinern lautet deshalb: Paracetamol sollte wie alle anderen Medikamente auch in der Schwangerschaft nur nach Absprache mit einem Arzt und in einer möglichst geringen Dosis über einen möglichst kurzen Zeitraum eingenommen werden.

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