Schwanger mit 40 – gut fürs Kind?

Die Gefahren einer Schwangerschaft mit über 35 Jahren sind weithin bekannt, doch die Vorteile waren bislang kaum bekannt. Dabei überwiegen diese die Risiken sogar, zeigt eine aktuelle Studie.

Zahlreiche Studien belegen: Je später eine Frau schwanger wird, desto größer ist beispielsweise die Gefahr, dass ihr Kind mit einem Down-Syndrom zur Welt kommt oder später an Diabetes, Bluthochdruck oder Alzheimer erkrankt.

Dennoch – Kinder profitieren davon, wenn ihre Mütter sie erst spät bekommen. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock und der London School of Economics (LSE).

Mikko Myrskylä (Direktor des MPIDR) und Kieron Barclay (LSE) werteten die Daten von mehr als 1,5 Millionen schwedischen Männern und Frauen aus, die zwischen 1960 und 1991 geboren wurden. Speziell interessierten sie sich für die Größe dieser Menschen, ihre körperliche Fitness, ihren Schulabschluss und ihren Bildungsstand.

Das Ergebnis: Die Kinder älterer Mütter waren größer, körperlich fitter, erzielten bessere Schulleistungen und besuchten häufiger eine Universität als Kinder jüngerer Mütter. Das traf auch zu, wenn die Mutter erst mit 40 schwanger wurde beziehungsweise bei der Geburt 40 oder älter war.

 

Unterschiede auch unter Geschwistern erkennbar

Untersuchungen zeigen, dass Mütter unter 25 Jahren überdurchschnittlich häufig gering gebildet sind – das heißt, sie haben weder Schulabschluss noch Berufsausbildung oder sie haben zwar einen Haupt- oder Realschulabschluss, aber keine Berufsausbildung. Da Kinder gering gebildeter Eltern häufig schlechtere schulische Leistungen erzielen als ihre Altersgenossen, könnte der Zusammenhang zwischen Alter der Mutter und Bildungsstand des Kindes daher rühren.

Doch diese Fakten reichen als Erklärung nicht aus, wie Barclay und Myrskylä zeigen konnten. In ihrer Analyse verglichen sie auch die Daten von Geschwistern mit den gleichen biologischen Eltern. Das Erbgut solcher Geschwisterkinder ist zu 50 Prozent gleich und außerdem wachsen sie in derselben familiären Umgebung auf.

„Indem wir Geschwister miteinander verglichen, die in der gleichen Familie groß wurden, war es uns möglich, die Bedeutung des mütterlichen Alters bei der Geburt eines Kindes herauszustellen – unabhängig von anderen Faktoren, die die Ergebnisse verfälschen könnten“, sagt Kieron Barclay.

 

Lebensbedingungen werden immer besser

Doch woran liegt es dann, dass Kinder Spätgebärender größer, fitter und gebildeter sind? Die Antwort der Studienleiter darauf lautet: Da sich die Lebensbedingungen mit jedem Jahr verbessern, sind die Startvoraussetzungen eines Kindes desto besser, je später es geboren wird.

Das Gesundheitswesen und die sozialen Verhältnisse haben sich demnach in der Vergangenheit in vielen Ländern verbessert. Bisherige Studien, die den Einfluss des mütterlichen Alters auf die Gesundheit ihrer Kinder untersucht hatten, ließen derartige Entwicklungen außer Acht, obwohl sie für die einzelne Mutter und ihren Nachwuchs von großer Bedeutung sind. Bekommt eine Frau ihr Baby beispielsweise zehn Jahre später, ist dieser Aufschub des Mutterwerdens von einem Jahrzehnt begleitet, in dem sich die gesundheitlichen und sozialen Bedingungen, unter denen das Kind groß wird, verändert haben.

 

Schwanger mit 40 – die Vorteile überwiegen

Eine Frau, die beispielsweise im Jahr 1950 geboren wurde und im Alter von 20 Jahren ein Kind bekam, brachte dieses 1970 zur Welt. Hätte dieselbe Frau ihr Kind erst mit 40 Jahren bekommen, wäre dieses im Jahr 1990 geboren. „Diese zwanzig Jahre machen einen enormen Unterschied aus“, sagt Mikko Myrskylä. Ein Kind, das im Jahr 1990 geboren wurde, besuche beispielsweise mit viel größerer Wahrscheinlichkeit eine Hochschule als eines, das 20 Jahre früher zur Welt gekommen sei.

„Die Vorteile, die sich aus einem späteren Geburtsjahr ergeben, überwiegen die individuellen Risikofaktoren eines höheren Alters der Mutter bei der Geburt“, fasst Mikko Myrskylä die Ergebnisse zusammen. Man müsse eine andere Sichtweise auf das fortgeschrittene Alter von Müttern entwickeln, so der Forscher: „Werdenden Eltern ist fast immer bewusst, welche Risiken mit einer späten Schwangerschaft einhergehen – die positiven Effekte kennen sie hingegen kaum.“

 

Ältere Eltern sind glücklicher

Auch für die Eltern hat es Vorteile, wenn der Nachwuchs vergleichsweise spät kommt. Eine weitere Studie von Mikko Myrskylä ergab 2014, dass die Geburt von Kindern bei Eltern über 34 im Schnitt mit einem deutlichen Anstieg der Zufriedenheit einhergeht. Diese Eltern sind auch nach zehn bis 18 Jahren noch zufriedener als vor der Geburt des Kindes.

Bei Eltern zwischen 18 und 22 Jahren sieht das anders aus: Ihre Zufriedenheit sinkt im Schnitt mit der Geburt eines Kindes und steigt auch später nicht mehr über das Anfangsniveau hinaus an.

Hamburg, 15. April 2016

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