Schwanger fliegen – was muss ich beachten?

Michelle Kröger

Eine Reise mit dem Flugzeug kann den menschlichen Körper sehr anstrengen. Viele Frauen haben Angst davor, in den Flieger zu steigen, sobald sie schwanger sind. Doch Flugreisen sind in den meisten Fällen auch in der Schwangerschaft möglich. Allerdings sollten Schwangere beim Fliegen ein paar wichtige Hinweise beachten und vorher in jedem Fall die Erlaubnis des Frauenarztes einholen.

Schwangere Frau steht am Flughafen und wartet
Schwangere sollten vor dem Flug mit ihrem Arzt sprechen Foto:  Anna Bortnikova/iStock
Inhalt
  1. Wann darf ich schwanger fliegen?
  2. Wann darf ich nicht schwanger fliegen?
  3. Der beste Zeitpunkt fürs Fliegen
  4. Welche Risiken gibt es?
  5. Die wichtigsten Tipps
  6. Welche Rolle spielt das Reiseziel?
 

Wann darf ich schwanger fliegen?

Zunächst einmal sollten Sie mit Ihrem Frauenarzt über Ihr Vorhaben sprechen. Er wird Ihnen ehrlich sagen, ob Sie schwanger fliegen dürfen oder lieber nicht. Generell kann man jedoch sagen, dass die wichtigste Voraussetzung eine komplikationsfreie und normal verlaufende Schwangerschaft ist. Denn dann können die körperlichen Belastungen (vor allem beim Start und bei der Landung) gut verkraftet werden.

 

Wann darf ich nicht schwanger fliegen?

Es gibt nur wenige Fälle, in denen sich ein Flug negativ auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirken kann. Eine Flugreise sollte jedoch unter keinen Umständen angetreten werden, wenn der Geburtstermin kurz bevor steht oder eine Hochrisikoschwangerschaft (zum Beispiel infolge einer Placenta praevia oder Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) vorliegt. Auch Frauen, die zu Frühgeburten oder Fehlgeburten neigen, thrombosegefährdet sind, unter Blutarmut  oder starker Flugangst leiden, wird häufig von einer Flugreise in der Schwangerschaft abgeraten. 

Fensterplatz am Notausgang bei Flugangst
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Wann ist der beste Zeitpunkt fürs Fliegen als Schwangere?

Ihr Frauenarzt wird Ihnen einen individuellen Rat geben. Im Allgemeinen wird jedoch empfohlen, während des zweiten Trimesters zu fliegen. In den ersten Wochen einer Schwangerschaft, im ersten Trimester, fühlen sich schwangere Frauen meist nicht sehr wohl, haben mit Übelkeit, häufigem Harndrang und Müdigkeit zu kämpfen. Außerdem besteht während der ersten 12 Wochen ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt. Deshalb bleiben die meisten Frauen in dieser Zeit lieber zu Hause.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft fühlen sich die meisten Frauen kraftlos und der große Bauch macht alles viel schwerer. Für Schwangere gelten folgende Richtwerte:

  • Ab der 28. SSW: Viele Fluggesellschaften verlangen ein Attest von der Hebamme oder dem behandelnden Frauenarzt, der besagt, dass die schwangere Frau flugtauglich ist.
  • Ab der 30. SSW: Die engen Sitze im Flugzeug, die schmalen Gänge und die winzigen Toiletten können zum Problem werden.
  • Ab der 34. SSW: Es wird in den meisten Fällen von einer Flugreise abgeraten. Ab der 35. SSW werden Schwangere von vielen Airlines nicht mehr mitgenommen.
 

Schwanger fliegen – welche Risiken gibt es?

Die meisten von uns glauben, dass das Fliegen in der Schwangerschaft spezielle Risiken birgt. Sauerstoffmangel etwa, oder eine erhöhte Strahlenbelastung. Doch Experten halten diese Warnungen meist für übertrieben. Dass es im Flugzeug geringfügig weniger Sauerstoff gibt als am Boden, sei für Mutter und Kind unbedenklich. Und auch die erhöhte Strahlenbelastung muss einen nicht vom gelegentlichen Fliegen abhalten: Wenn ein Mensch täglich fliegen würde, läge sie bis zu 50 Prozent höher als sonst. Doch ein einzelner Flug macht nur einen kleinen Bruchteil davon aus. Laut Strahlenexperten stellt diese zusätzliche Dosis nur ein theoretisches Risiko für das Kind dar. In vielen Fällen ist die Strahlenbelastung und damit das Schwangerschaftsrisiko am Wohnort der Schwangeren viel höher als im Flugzeug.

Ein wirkliches Risiko hingegen stellt die erhöhte Thrombosegefahr dar, die durch das Fliegen als Schwangere entsteht. Schuld sind die eingeschränkte Bewegungsfreiheit sowie die engen Sitze im Flugzeug. Um sich vor Thrombose und geschwollenen Füßen am Ende des Tages zu schützen, sollten schwangere Frauen beim Fliegen unbedingt Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 tragen. Ob bei Ihnen eine prophylaktische Thrombosespritze nötig ist, wird Ihr Frauenarzt feststellen.

Frau mit Baby im Flugzeug
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Fliegen in der Schwangerschaft – die wichtigsten 11 Tipps

  1. Reservieren Sie sich am besten einen Platz mit mehr Beinfreiheit in den ersten Reihen. Auch Gangplätze sind für Sie angenehmer.
  2. Um mehr Beinfreiheit zu haben, sollten Sie Ihr Handgepäck im Fach über den Sitzen verstauen.
  3. Bewegen Sie sich regelmäßig, vor allem bei Langstreckenflügen. Das bringt den Kreislauf auf Trab und beugt einer Thrombose vor.
  4. Tragen Sie auf Flugreisen Kompressionsstrümpfe der Klasse 2.
  5. Legen Sie den Gurt unterhalb des Bauches an.
  6. Tragen Sie bequeme Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen.
  7. Trinken Sie während der Reise viel Wasser.
  8. Informieren Sie sich über die Bedingungen der Airline (ärztliches Attest) oder die Einreisebestimmungen des Reiselandes. Gibt es im Reiseland ausreichende medizinische Versorgungsmöglichkeiten?
  9. Verstauen Sie eine umfangreiche Reiseapotheke im Gepäck.
  10. Tragen Sie Ihren Mutterpass bei sich. Am besten fertigen Sie zusätzlich noch eine Kopie an.
  11. Schließen Sie eine Reiserücktrittsversicherung sowie eine Auslandskrankenversicherung ab.
 

Welche Rolle spielt das Reiseziel?

Das Urlaubsziel spielt sogar eine sehr große Rolle für Schwangere. Zunächst einmal sollten Sie sich darüber informieren, ob im Reiseland Krankheiten drohen sowie Gelbfieber- oder Malaria-Warnungen vorliegen. Wenn ja, sollten Sie sich ein anderes Reiseziel aussuchen, denn die erforderlichen Impfungen oder Medikamente sind für Schwangere gefährlich. Außerdem gibt es Länder, die Sie ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche nur bedingt bereisen dürfen. Das beste Beispiel dafür: die USA. Denn erblickt ein Kind in den USA das Licht der Welt, bekommt es automatisch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen. Die Entscheidung über die Einreise hängt laut der staatlich zugelassenen US Auswanderungsstelle The American Dream maßgeblich von der Fluggesellschaft ab. Doch nicht nur die USA sind streng, wenn es um schwangere Einreisende geht: In Singapur müssen Sie schon ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat einen Attest vom Arzt dabei haben sowie beim Konsulat einen sogenannten “Social Visit Pass” beantragen.

 
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