Schwanger in den Wechseljahren Schwanger trotz Menopause?

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Künstliche Befruchtung
Durch das PRP-Verfahren haben Frauen in der Menopause größere Chancen, mithilfe von künstlicher Befruchtung schwanger zu werden © Fotolia

Griechischen Wissenschaftlern ist es gelungen, die Menopause von Frauen mithilfe einer neuen Gentechnik rückgängig zu machen: Bei den Patientinnen setzte die Menstruation wieder ein. Frauen könnten dadurch künftig in den Wechseljahren schwanger werden.

Ein neues Gentechnik-Verfahren kann laut einem Bericht im Magazin „New Scientist“ die Menopause von Frauen rückgängig machen. Griechische Forscher um den Gynäkologen Konstantinos Sfakianoudis testeten die Auswirkungen von sogenanntem Thrombozytenreichen Plasma (auch Plättchenreiches Plasma oder PRP genannt) an Patientinnen in den Wechseljahren.

Dabei wurde das eigene Genmaterial der Frauen verwendet. Das Ergebnis: Unter anderem bekam eine 45-Jährige, die bereits mit 40 in der Menopause war, nach der Behandlung wieder ihre Regel. Zwei von drei Eiern, die ihr daraufhin entnommen wurden, konnten anschließend künstlich mit den Spermien ihres Mannes befruchtet werden. Anschließend wurden die Eier eingefroren. „Die Erfolgsrate lag bei unserem Versuch insgesamt etwa bei 66 Prozent“, so Sfakianoudis. Das Verfahren könnte es Frauen also künftig ermöglichen, auch noch im mittleren Lebensabschnitt Kinder zur Welt zu bringen.

 

Künstliche Befruchtung nach Genbehandlung

Für den Versuch wurden 30 Frauen zwischen 45 und 49 mit dem PRP-Verfahren behandelt. Jede der Patientinnen hatte einen Kinderwunsch. Von den meisten Frauen konnten nach der Behandlung Eier entnommen und erfolgreich künstlich befruchtet werden. Bisher wurden die Eier bei keiner Frau wieder eingesetzt, das soll allerdings in den nächsten Monaten noch geschehen.

„Diese Versuche geben Frauen, die relativ früh in die Menopause kommen und sich trotzdem ein Kind wünschen, wieder Hoffnung“, so Sfakianoudis. Wie genau das Verfahren wirkt, ist noch nicht ganz klar – es wird allerdings vermutet, dass das PRP die Stammzellen stimuliert. Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass einige Stammzellen das ganze Leben der Frau hindurch die Produktion neuer Eier anregen.

 

Hilfe nach Fehlgeburten

Das PRP-Verfahren kann auch noch auf andere Arten eingesetzt werden: Bei einer früheren Untersuchung wurden sechs Frauen, die bereits mehrere Fehlgeburten und fehlgeschlagene künstliche Befruchtungen hinter sich hatten, durch die Behandlung schwanger. Das PRP wurde den Patientinnen dafür direkt in den Uterus injiziert. Inzwischen haben die Frauen die als kritisch geltenden ersten drei Schwangerschaftsmonate ohne Komplikationen überstanden.

 

Eine Frage der Ethik?

„Potenziell sind das sehr spannende Untersuchungsergebnisse“, erklärt Roger Sturmey, der an der „Hull York Medical School“ in Großbritannien tätig ist. „Allerdings muss dabei auch der ethische Aspekt betrachtet werden. Wir müssen uns die Frage stellen, ob es ein Höchstalter für werdende Mütter gibt oder geben sollte.“

Bei den meisten Frauen zeigen sich die ersten Wechseljahres-Symptome ab Anfang 40. Dazu zählen beispielsweise Hitzewallungen, unregelmäßige Blutungen oder Schlafstörungen. Durchschnittlich sind Frauen bei ihrer letzten Regelblutung etwa 51 Jahre alt.

Hamburg, 21. Juli 2016

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