Schwachstelle gefunden? – Grippemittel aus Japan könnte Ebola-Epidemie beenden

Mittel gegen Ebola gefunden
Ein in Japan entwickeltes Grippemittel zeigt auch Wirkung gegen Ebola und wäre sofort in größeren Mengen lieferbar © Fotolia

Weltweit suchen Forscher fieberhaft nach einem Wirkstoff gegen Ebola. Und immer wieder wurden in den letzten Wochen experimentelle Mittel gegen den tödlichen Erreger getestet – doch keines brachte den Durchbruch. Nun bietet die japanische Regierung ein Ebola-Medikament an, das nicht nur in 100 Prozent der Fälle wirkt, sondern auch bedeutende Vorteile im Vergleich zu den bisher erprobten Mitteln hat. Praxisvita kennt die Fakten.

In einer aktuellen Studie konnten Virologen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg die Wirksamkeit von T-705 auch bei einer Ebola-Infektion nachweisen. Die deutschen Forscher berichteten in der Fachzeitschrift Antiviral Research davon, dass in einem Versuchsaufbau mit Mäusen alle mit Ebola infizierten Tiere durch den Einsatz des japanischen Grippemittels vollständig geheilt werden konnten.

 

T-705 hat Vorteile gegenüber bisherigen Ebola-Mitteln

Das Medikament aus Japan zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass der T-705-Wirkstoff im Vergleich mit bisher erprobten Ebola-Präparaten – wie ZMAPP oder siRNA  – in Japan bereits zur Bekämpfung von Grippeviren zugelassen ist. Auch in den USA steht diese Zulassung unmittelbar bevor.

Da T-705 in Japan derzeit in größeren Mengen produziert wird, sind nach Angaben des Herstellers Behandlungseinheiten für mehr als 20.000 Patienten vorrätig und könnten schnell an Bedarfsorte – wie z.B. Westafrika – geliefert werden.

 

Warum Ebola bisher so schwer zu behandeln war

Ein weiterer Vorteil des Mittels bezieht sich nach Aussagen der Hamburger Forscher auf das Zeitfenster der Verabreichung, das für einen effektiven Einsatz von T-705 gegen Ebola besteht. Das Problem aller bisher getesteten Ebola-Medikamente ist, dass sie dem Patienten innerhalb von zwei bis drei Tagen nach der Infektion verabreicht werden müssen, damit sie wirksam sind. Die Inkubationszeit – also die Zeitspanne, die von der Virusinfektion bis zum Krankheitsausbruch vergeht – beträgt bei Ebola aber bis zu 20 Tage. Das bedeutet, dass das Zeitfenster für die Behandlung mit diesen Medikamenten oft schon geschlossen ist, bevor überhaupt Krankheitssymptome bemerkt werden. Dieses Problem besteht bei T-705 nicht. Die Studie aus Hamburg zeigte, dass das Grippemittel selbst drei Tage nach Ausbruch der Krankheit und nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome noch wirksam war.

 

Wird T-705 nach Afrika geliefert?

Japan hat das bisher nur zur Behandlung von Grippe zugelassene Medikament der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Ebola-Mittel angeboten. Zwar wurde es als solches noch nicht am Menschen getestet, dennoch könnte die eingehende klinische Überprüfung des Wirkstoffs in den vergangenen Jahren ausreichen. Nebenwirkungen wurden jedenfalls bisher keine festgestellt.

Die WHO muss nun entscheiden. Da sich Ebola in Westafrika immer weiter ausbreitet, hat sie bereits vor Wochen grundsätzlich beschlossen, dass der Einsatz nicht zugelassener Medikamente angesichts der vielen Ebola-Toten mehreren afrikanischen Ländern „ethisch vertretbar“ sei.

Hamburg, 26. August 2014

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