Schützt Vitamin D vor einem schweren Corona-Verlauf?

Können Vitamine den Krankheitsverlauf einer Corona-Infektion beeinflussen? Seit Beginn der Pandemie wurde eine Vielzahl von Studien veröffentlicht, die diese These untermauern. Eine neue Studie aus Israel legt nun nach. Sie zeigt: Besonders Vitamin D könnte vor einer schweren Covid-Erkrankung schützen.

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Bei der Erforschung von Präventions- und Behandlungsmethoden gegen COVID-19 nehmen Forschende immer wieder Vitamine in den Blick. Wissenschaftlich unumstritten ist, dass Vitamine unerlässlich für ein intaktes Immunsystem sind. Auch bei einer Corona-Infektion kann der Vitamin-Status den entscheidenden Unterschied machen. Wie eine neue Studie zeigt, kann vor allem ein Vitamin-D-Mangel die Schwere des Verlaufs beeinflussen.

Schwerer Corona-Verlauf durch Vitamin-D-Mangel

Für eine normale Funktion der Immunabwehr spielt besonders Vitamin D eine Rolle. In mehreren Studien wurden Hinweise darauf gefunden, dass Vitamin D Atemwegsinfektionen vorbeugen könnte. Zusätzlich dazu konnten Wissenschaftler der Universität Kopenhagen bereits vor zehn Jahren zeigen, dass bei einem Vitamin-D-Mangel die Abwehrzellen inaktiv bleiben, wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen.  

Aber wie ist der Einfluss von Vitamin D auf den Corona-Verlauf? Die israelische Studie der Bar Ilan Universität in Tel Aviv und des Galilee Medical Center in Nahariya kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko für eine schwere Covid-Erkrankung bei Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel 14-mal wahrscheinlicher sei. Dem Ergebnis liegt eine Untersuchung von insgesamt 1.176 Corona-Patient:innen zugrunde, die zwischen April 2020 und Februar 2021 im Krankenhaus behandelt wurden. Neben der Schwere des Verlaufs schauten sich die Forschenden auch den Vitamin-D-Status der Patient:innen an.

Eine frühere Fallstudie aus Indonesien kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Studie umfasste 380 Corona-Patient:innen aus Spanien, Italien und der Schweiz – Länder, in denen die Vitamin-D-Versorgung als mangelhaft gilt. 99 Prozent der Patient:innen, die einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen, starben an COVID-19. Von denen, die keinen Mangel hatten, waren es nur rund vier Prozent.

Vitamin D und Corona-Risiko: Übergewicht als Erklärung?

Dass Vitamin D möglicherweise einen Einfluss auf den Corona-Krankheitsverlauf hat, könnte sich möglicherweise über eine andere Variable erklären: Übergewicht fördert einen Vitamin-Mangel und gilt zugleich als Risikofaktor für einen schweren Corona-Verlauf. Eine Forscherin der Universität Bristol, Deborah Shoemark, erklärt hierzu: „Vitamin D ist fettlöslich und neigt dazu, sich im Fettgewebe anzureichern. Das kann die Menge an verfügbarem Vitamin D bei Übergewichtigen vermindern." Die Einnahme von Vitamin-Präparaten könne gerade bei übergewichtigen Patient:innen die Vermehrung des Coronavirus im Körper hemmen. Untersuchungen dazu stehen jedoch noch aus.

Auch Vitamin A und K könnten Corona-Verlauf positiv beeinflussen

Eine Studie der britischen Universität Bristol weist darauf hin, dass neben Vitamin D auch die Vitamine A und K vor einer Corona-Infektion schützen könnten. Während Vitamin A unter anderem die Schleimhäute in den Atemwegen stärkt, ist Vitamin K an der Blutgerinnung und an der sogenannten Fibrinolyse (Fähigkeit des Körpers, Blutgerinnsel aufzulösen) beteiligt.

Ein Vitamin-K-Mangel kann somit die Entstehung von Thrombosen begünstigen, die eine häufige Komplikation und Todesursache bei COVID-19 sind, wie auch aus einer erst kürzlich veröffentlichten niederländischen Studie hervorgeht.

DGE bestätigt Zusammenhang zwischen Vitamin D und Corona-Verlauf

Ob Vitamine, allen voran Vitamin D, tatsächlich den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung positiv beeinflussen, ist noch nicht bewiesen. Ein eindeutiger Kausalzusammenhang lasse sich aus der aktuellen Studienlage nicht ziehen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt. Daher könne keine Empfehlung für eine Nahrungsmittelergänzung mit Vitamin-D-Präparaten ausgesprochen werden.

Besonders bei einem normalen Vitamin-D-Gehalt im Blut sei ein Zusatznutzen unklar. Eine Überdosierung (ab 100 Mikrogramm pro Tag) könne zudem gesundheitsschädlich sein und unter anderem zu Nieren- und Herz-Kreislauf-Problemen führen.

Doch die DGE räumt nach Auswertung aktueller Studien gleichzeitig ein, dass ein Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf besteht.

Corona-Schutz: BfR spricht sich für Vitamin-D-Gaben aus

Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) greift die zahlreichen Studien zur Wirkung von Vitamin D auf und erklärt auf seiner Seite: „Es gibt Hinweise darauf, dass ein unzureichender Vitamin-D-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte einhergeht. Dazu gehört auch die Covid-19-Erkrankung."

Weiter heißt es, die Einnahme von Vitamin D könne sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Die aktuelle Studienlage sei allerdings noch so unsicher, dass sich daraus kein Ursache-Wirkungs-Verhältnis ableiten lasse. Ein Nutzen von regelmäßigen Vitamin-D-Gaben sei lediglich für Menschen mit einem Mangel gegeben.

In diesem Zusammenhang spricht das BfR sogar eine Empfehlung aus: „Die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln kann vor allem für Menschen sinnvoll sein, die einer Risikogruppe für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung angehören." Besonders Ältere und Menschen, die sich wenig oder nur gänzlich bedeckt im Freien bewegen, seien davon betroffen. „Für diese Risikogruppe sollte daher eine generelle Supplementierung mit Vitamin D bis zu 20 Mikrogramm pro Tag erwogen werden", so das BfR. Eine Nahrungsergänzung sollte jedoch immer ärztlich abgeklärt werden.