Schützt Spinnengift vor Hirnschäden bei Schlaganfällen?

Stephanie Pingel
Spinnengift bei Schlaganfall
Das Gift der australischen Sydney-Trichternetzspinne könnte vor Hirnschäden nach einem Schlaganfall schützen © Alamy

Laut einer neuen Studie könnte das Gift der australischen Sydney-Trichternetzspinne Gehirnschäden nach einem Schlaganfall verhindern. PraxisVITA erklärt die Studienergebnisse.

Der Biss der australischen Sydney-Trichternetzspinne kann für den Menschen tödlich sein – und trotzdem könnte ihr Gift nun zum Durchbruch im Kampf gegen schlaganfallbedingte Hirnschäden beitragen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von australischen Forschern rund um Studienautor Prof. Glenn King am Institute for Molecular Bioscience der University of Queensland. Die Wissenschaftler fanden in einer Mäusestudie heraus, dass das aus Aminosäuren bestehende Molekül Peptid Hi1a aus dem Spinnengift bestimmte Ionenkanäle im Gehirn blockieren kann. Diese aktivieren und hemmen unter anderem Nervenzellen und spielen eine zentrale Rolle bei schlaganfallbedingten Hirnschäden.

 

Keine neurologischen oder motorischen Schäden dank Spinnengift?

Für die Untersuchung injizierten die Forscher den Mäusen nach einem Schlaganfall kleine Mengen Hi1a in einem Zeitfenster von bis zu acht Stunden ins Gehirn. Das Peptid schützte das Hirngewebe der Tiere und verhinderte, dass es durch die beim Schlaganfall typischen Durchblutungsstörungen im Gehirn zu neurologischen oder motorischen Schäden kam. „Es zeigte sich außerdem, dass Hi1A sogar die Gehirnregionen schützen kann, die beim Schlaganfall als erstes nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Der Schaden, der dabei normalerweise entsteht, ist meist unumkehrbar, weil die Gehirnzellen bei ungenügender Sauerstoffzufuhr sehr schnell absterben“, erklärt Prof. King.

Die Studienergebnisse sollen nun laut den Forschern dabei helfen, die Lebensqualität von Patienten nach einem Schlaganfall enorm zu verbessern. Zu diesem Zweck sind Prof. King und seine Kollegen gerade auf der Suche nach finanzieller Unterstützung für klinische Studien, die zeigen sollen, ob das Spinnengift auch beim Menschen ähnlich positive Effekte erzielt.

 

Todesursache Schlaganfall

Schlaganfälle sind mittlerweile hierzulande die dritthäufigste Todesursache nach Herz- und Krebserkrankungen. Jedes Jahr sterben rund 280.000 Deutsche an den Folgen. Bei einem Schlaganfall brechen Teile der Blutversorgung und damit auch die Sauerstoffzufuhr des Gehirns plötzlich ab, ausgelöst beispielsweise durch ein Blutgerinnsel. Dadurch sterben Hirnzellen ab – bleibende Schäden sind häufig die Folge. Daher sollte bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort der Notruf verständigt werden.

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