Schützt dieses Nasenspray vor einer Infektion mit dem Coronavirus?

Luise Bergelt

Ein neuartiges Nasenspray, das jetzt in den USA entwickelt wurde, soll einen 24-Stunden Infektionsschutz gegen das Coronavirus bieten.

Inhalt
  1. Kann ein Nasenspray gegen Corona schützen?
  2. Wie funktioniert der Schutz durch das Nasenspray?
  3. Wann kommt das Nasenspray gegen Corona auf den Markt?
  4. Wie kam es zu der Forschung um die Wirksamkeit von Nasenspray gegen Corona?
  5. Bildung zweier Virenstämme – die Evolution der Coronaviren
  6. Coronaviren-Mutationen: ist die Konsequenz ein einfacher Schnupfen?

Die Nasenschleimhäute und Atemwege gelten als Erstinfektionsweg für das Coronavirus. In den meisten Fällen findet eine Infektion zunächst über die Nasenschleimhäute statt, von dort gelangt es in die Lunge, wo es sich vermehrt. Ein neuartiges Nasenspray verspricht jetzt einen echten Durchbruch: Es soll einen 24-Stunden-Schutz gegen eine Infektion mit dem Coronavirus über die Atemwege bieten.

 

Kann ein Nasenspray gegen Corona schützen?

Wissenschaftler der "UC San Francisco" haben in einer Forschungsarbeit, die auf der Wissenschaftsplattform bioRxiv veröffentlicht wurde, ein neuartiges Nasenspray vorgestellt, das einen Schutz gegen eine Infektion mit dem Coronavirus bieten soll.  Zu dem Team aus Wissenschaftlern gehört auch der Deutsch-Amerikaner Peter Walter, der bereits mehrfach für den Medizin-Nobelpreis vorgeschlagen wurde. Er erklärte jetzt gegenüber der ARD: " Wir haben das neue Medikament AeroNabs getauft. Der Name ist entstanden, weil wir Moleküle zu einem Aerosol gemacht haben und einen Nebel herstellen konnten. Wird dieser eingeatmet, gelangt er tief in die Lunge. Dort kann er das Virus angreifen, bevor dieses in die Körperzellen eindringt. Solange wir das Virus im Nasenraum aufhalten können, werden die AeroNabs gut funktionieren." Mit dem neuartigen Nasenspray soll ein 24-Stunden Schutz gegen eine Infektion mit dem Coronavirus gewährleistet werden, hoffen die Wissenschaftler.

 

Wie funktioniert der Schutz durch das Nasenspray?

Die Forscher erzeugen im Labor künstliche Proteinmoleküle, diese tricksen die Erreger verschiedener Krankheiten aus. Die Idee der Wissenschaftler: Diese so genannten Nano-Körper sollen sich auf die kronenartige Oberfläche des Virus setzen und es so unschädlich machen. Eine weitere Eigenschaft der Proteinmoleküle sei, laut Peter Walter die Binderegion. Haben sich die Moleküle einmal gebunden, lassen sie nicht mehr los und deaktivieren so das Virus.

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Wann kommt das Nasenspray gegen Corona auf den Markt?

Zunächst muss sich das Medikament klinischen Tests zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen unterziehen. Sollten sich diese als positiv erweisen, könnte das Nasenspray bereits in wenigen Monaten auf dem Markt sein. Die Herstellung des Medikaments ist den Expternen zufolge relativ simpel und ähnelt der Herstellung von Insulin - so könnten schnell und verhältnismäßig unkompliziert größere Mengen des Nasensprays zur Verfügung gestellt werden.

Auch die das biopharmazeutische Wiener Unternehmen Marinomed hat den Wirkstoff Carragelose, der in ihren Erkältungsmedikamenten verwendet wird, jetzt in Hinblick auf einen Schutz gegen Corona untersucht. Das Unternehmen stellte fest, dass "mit präklinischen Daten gezeigt werden konnte, dass Carragelose das Potenzial hat, das Risiko an COVID-19 zu erkranken zu reduzieren oder auch die Krankheit zu behandeln". Auch Carragelose soll eine Art physisches Schutzschild für die Atemwege bilden, die die vor der Infektion und einer Ausbreitung der Viren in der Lunge schützen soll. 

 

Wie kam es zu der Forschung um die Wirksamkeit von Nasenspray gegen Corona?

Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Coronaviren bevorzugt über die ACE2-Rezeptoren in der Nasenschleimhaut ihren Weg in Atemwege und Lunge finden. Auf der Basis dieser Erkentnis zog Virologe Christian Drosten bereits vor einigen Monaten in seinem NDR-Info Podcast neue Überlegungen zur Behandlung einer Coronainfektion in Betracht. Dafür lägen erste Arzneistoffe wie zum Beispiel das Medikament Remdesivir sogar bereits vor. Auch Pharmaunternehmen arbeiten schon an einer passenden Darbietungsform. "Remdesivir (...) müsste man eigentlich in der Frühphase geben. (...) Man müsste sie (die Remdesivir Substanzen) zusätzlich außerdem auch noch inhalativ geben, zum Beispiel als Nasenspray. Oder auch (...) als Inhalator", erläutert der Virologe seinen Gedankengang. Bereits dann vermutete Drosten, könne es eventuell möglich sein, COVID-19 in der Frühphase der Erkrankung mithilfe eines Nasensprays oder Inhalators zu behandeln.

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Bildung zweier Virenstämme – die Evolution der Coronaviren

Eine Studie der Universität Oxford hat die Virenpopulation von 405 an Covid 19 erkrankten Personen untersucht und herausgefunden, dass manche Menschen zwei verschiedene Virenpopulationen der Sars-Cov-2 Viren in sich tragen. Der Virologe Drosten deutet die Ergebnisse wie folgt:

  • Aufgrund von Mutationen differenzieren sich die Viren und bilden verschiedene Populationen
  • Das Virus weist eine starke Überlebensfähigkeit auf, da sich unterschiedliche Viruspopulationen unabhängig voneinander verbreiten und auch wieder aufeinandertreffen können
  • Trotz unterschiedlicher Entwicklungen können sich Sars-Cov-2-Viren unterschiedlicher Stämme zusammen vermehren. Das begünstige wiederum weitere Mutationen

 

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Coronaviren-Mutationen: ist die Konsequenz ein einfacher Schnupfen?

Gemischte Populationen von verschiedenartigen Coronaviren ermöglichen eine bessere Anpassung an den Menschen. Eine Mutation des Coronavirus zu einem schwereren Krankheitsverlauf schätzt der Virologe Drosten als unwahrscheinlich ein. Es ergebe evolutionsbedingt keinen Sinn, da sich bei schneller auftretenden und schwerwiegenderen Symptomen der Mensch als Wirt noch schneller isoliert und weniger Mitmenschen anstecken kann. Eine Mutation zu einem schlimmeren Krankheitsverlauf würde es dem Virus also schwieriger machen, sich zu verbreiten und sei daher evolutionär fraglich. Für die allgemeine Abschwächung von Viren-Epidemien gebe es laut dem Virologen auch zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit. Die Anpassung der Viren durch Mutationen führe also eher dazu, dass sich Coronaviren zukünftig besser übertragen, aber in der Nase bleiben und zu einem einfachen Schnupfen würden.

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Neben der Bevölkerungsimmunität könnte also in Zukunft auch die Evolution des Coronavirus selbst für eine Verharmlosung der Verbreitung der Covid19 Erkrankung sorgen.

Quelle:

Coronavirus-Update: Mutationen können auch Hoffnung bieten, in: Norddeutscher Rundfunk

An ultra-high affinity synthetic nanobody blocks SARS-CoV-2 infection by locking Spike into an inactive conformation, in: biorxiv

 

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