Schützen Sie sich vor dem Kurzschluss im Gehirn

Täglich fünfmal Obst oder Gemüse beugt einem Schlaganfall vor
So machen Sie es richtig: Täglich fünfmal Obst oder Gemüse beugt einem Schlaganfall vor © Fotolia

Ein Schlaganfall, meist durch ein Aneurysma ausgelöst, verändert das ganze Leben. Deshalb sollten vor allem Risiko-Patienten sehr genau auf die Warnzeichen achten. Erfahren Sie hier, worauf es dabei ankommt.

Mehr als 250.000 mal pro Jahr ergeht in Deutschland diese Diagnose: Schlaganfall. Den Betroffenen drohen schwere Behinderungen und Arbeitsunfähigkeit. Jeder Fünfte stirbt sogar an den unmittelbaren Folgen des Hirninfarkts. Dabei könnte ein Großteil der Schlaganfälle vermieden werden. Denn ihre Ursachen sind meist relativ leicht zu behandelnde Grunderkrankungen – sie müssen nur rechtzeitig erkannt werden. "Hauptrisikofaktor für alle Arten des Schlaganfalls ist hoher Blutdruck", sagt Dr. Peter Frommelt. Er ist Chefarzt der Abteilung für Neurologie und Neuropsychologie an der Rehabilitationsklinik Asklepios in Schaufling.

 

Risiko Vorhofflimmern

An zweiter Stelle bei den Schlaganfall-Risiken steht ein unregelmäßiger Herzschlag – das sogenannte Kammerflimmern. Dabei zirkuliert das Blut nicht mehr gleichmäßig. "Jedes Stehenbleiben des Blutes birgt sofort die Gefahr, dass sich kleine Gerinnsel bilden", erklärt der Neurologe. Diese Gerinnsel können dann über die Blutbahnen zum Gehirn gelangen, dort ein Gefäß verstopfen und so den Blutfluss unterbrechen. Hirnteile nehmen dauerhaft Schaden. Die Folge ist ein Schlaganfall.

 

Störungen kommen plötzlich

Diese Form des Insults, wie Mediziner den Schlaganfall nennen, tut nicht weh. Der Patient bemerkt ganz plötzliche Funktionsstörungen – er kann einen Arm oder ein Bein kaum noch bewegen, nicht mehr richtig sprechen oder eine Gesichtshälfte hängt herab. Jeder Zehnte hat auch Einschränkungen im Gesichtsfeld oder sieht Doppelbilder. Bei anderen tritt plötzlicher Schwindel mit starker Gangunsicherheit auf.

 

Auch kurze Ausfälle sind gefährlich

Manchmal verschwinden die Beschwerden innerhalb kürzester Zeit wieder. Das ist jedoch kein Grund zur Entwarnung, mahnt Dr. Frommelt. "Diese flüchtigen Störungen sind genauso ernst zunehmen wie ein richtig schwerer Schlaganfall. Wer eines der beschriebenen Symptome auch nur kurz spürt, sollte sofort die Notfall-Nummer 112 wählen und den Notarzt rufen. Denn es muss schnell gehen: "Time is brain – Zeit rettet das Gehirn", sagt der Experte.

Warum die Symptome manchmal von ganz allein wieder verschwinden? Entweder löst sich ein Blutgerinnsel von selbst wieder auf und gibt die Ader frei. Oder das Gehirn schafft sofort einen Umgehungskreislauf, sodass die minderdurchbluteten Teile wieder aus anderen Gefäßen versorgt werden. Eine verengte Halsschlagader kann zu einer Minderdurchblutung der Gehirngebiete auf der jeweiligen Hirnseite führen. Es können sich auch Gerinnsel von der Gefäßinnenwand lösen und im Gehirn zur Verstopfung einer Ader führen.

 

Ursache: Hirnblutung

Verstopfte Blutgefäße sind der Grund für acht von zehn Schlaganfällen. Es gibt aber noch eine andere Ursache: die Hirnblutung. Dabei reißt ein Gefäß durch den hohen Blutdruck auf und es kommt zu einer Einblutung. Besonders gefährlich ist eine Hirnblutung aus einer Aussackung in einer Hirnarterie, Aneurysma genannt. Solche Aneurysmablutungen sind nicht Folge einer Gefäßverkalkung, sondern beruhen auf einer angeborenen Schwachstelle. Kennzeichen für eine solche Blutung ist ein rasender, nie zuvor ähnlich aufgetretener Kopfschmerz. Auch hier gilt: So rasch wie möglich in eine Klinik mit einer Schlaganfallstation.

 

Unterschiedlichste Folgen

Der Schlaganfall kann ganz unterschiedliche Folgen haben - je nachdem, welches Gebiet im Gehirn von dem Ausfall betroffen ist. Zu Lähmungen, Seh- und Sprachstörungen kommen oft noch Schwindel und Gleichgewichtsverlust oder Schluckstörungen und Verwirrung. Manche Patienten leiden auch unter teilweisem Gedächtnisverlust. Sie erkennen Bekannte, ja manchmal sogar den Ehepartner nicht wieder. Oder sie haben vergessen, wofür man bestimmte Gegenstände benutzt, obwohl sie sie erkennen. Eine Gabel kann so schnell für ein Gerät zum Haarekämmen gehalten werden. Auch sind Veränderungen in der Persönlichkeit möglich.

 

Gesunde Hirnareale übernehmen

All diese Symptome können in den verschiedensten Kombinationen auftreten. In der Therapie muss der Patient die verlorengegangenen Fähigkeiten neu erlernen. Dabei übernehmen gesunde Hirnregionen die ihnen eigentlich fremden Funktionen.

 

Mit diesen Maßnahmen beugen Sie vor

 

Blutdruck senken

Ein zu hoher Blutdruck (Hypertonie) ist der wichtigste Risikofaktor für einen Schlaganfall. Der hohe Druck schadet den Gefäßwänden und begünstigt so Arterienverkalkung. Eine frühzeitig erkannte und behandelte Hypertonie senkt das Schlaganfall-Risiko um 40 Prozent. Wer weniger Salz isst, sein Gewicht reduziert und viel Obst und Gemüse zu sich nimmt, senkt seinen Blutdruck.

 

Vorhofflimmern behandeln

Das Vorhofflimmern ist eine besondere Form der Herzrhythmusstörung - und es birgt auch besondere Risiken in puncto Schlaganfall. Durch das Flimmern können Gerinnsel im Herzen entstehen und zum Gehirn gelangen. Mit dem Alter (ab 60 Jahren) nimmt die Häufigkeit des Vorhofflimmerns zu. Es kann mit Medikamenten behandelt werden.

 

Weniger Alkohol

Schon ein Liter Bier pro Tag erhöht das Schlaganfall-Risiko deutlich - bei Männern. Für Frauen gilt sogar die Hälfte. Regelmäßiger Alkoholkonsum in diesen Mengen schadet also Ihrer Gesundheit. Gegen ein gelegentliches Glas Wein ist aber nichts einzuwenden. Vor allem Rotwein enthält Stoffe, die Arterienverkalkung aufhalten können.

 

Rauchen? Nein danke!

Viermal höher ist das Schlaganfall-Risiko von Rauchern gegenüber Nichtrauchern. Nikotin verengt die Gefäße und treibt so den Blutdruck nach oben. Die mehr als 400 Gifte im Zigarettenrauch verändern zu-dem die Eigenschaften des Blutes. Gerinnsel können sich so leichter bilden. Also: besser aufhören!

 

Diabetes optimal einstellen

Diabetiker haben ein zwei- bis dreimal höheres Schlaganfall-Risiko. Wie Bluthochdruck schädigt auch ein zu hoher Blutzuckerspiegel die Gefäßwände. Arterienverkalkung kann so leicht entstehen. Schon die Reduzierung der täglich aufgenommenen Kohlenhydrate und normales Körpergewicht können den Blutzuckerspiegel langfristig senken. Der Taillenumfang sollte bei Frauen unter 88 und bei Männern unter 102 Zentimetern liegen.

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