Schützen Horrorfilme vor Erkältungen?

Phyllis Kuhn

So manche Medizin wirkt unerwartet. Das könnte auch für Horrorfilme gelten. „The Ring“, „Es“ und Co. scheinen nämlich unerwartet positive Effekte auf unsere Gesundheit zu haben.

Untote, die aus Gräbern steigen, Psychopathen, die ihre Opfer bestialisch quälen und Monster aus anderen Welten, die kleine Kinder klauen – Horror-Fans dürften jetzt wohlige Schauer den Rücken herunterlaufen. Zart besaitete Menschen meiden Horrorfilme jedoch häufig, wer will nachts schon Alpträume haben?

Dabei zeigen aktuelle Studien, dass Horrorfilme eine überraschend positive Wirkung auf unsere mentale und physische Gesundheit haben können. Der Psychologe Mark Griffiths, Professor an der Nottingham Trent University, erklärt den wohltuenden Effekt auf unsere Psyche in einem Interview mit der britischen Daily Mail: „Es geht um das Erleben von Dingen, denen wir in unserem Alltag nie begegnen“, erklärt er. Außerdem hätten Horrorfilme eine „karthartische Wirkung, sie liefern eine emotionale Befreiung von aufgestauten Frustrationen“.

 

Horrorfilme als Immun-Booster

Aber können Horrorfilme auch mehr als ein Ventil für aufgestaute Emotionen sein? Gibt es einen messbaren Effekt auf unsere Gesundheit? Offenbar ja!

Eine Studie der britischen Coventry University hat gezeigt, dass Horrorfilme anscheinend unser Immunsystem stärken. In einem Versuch ließen die Wissenschaftler Probanden Horrorfilme schauen, die die Versuchsteilnehmer in eine Stresssituation versetzten. Im Anschluss nahmen sie den Probanden Blut ab und stellten fest, dass die Anzahl der weißen Blutkörperchen gestiegen war. Das passiert normalerweise als Immunantwort auf eine Infektion. Offenbar löst das Schauen eines Horrorfilms den sogenannten „Fight or Flight-Reflex“ aus: Der Adrenalinpegel steigt und das Immunsystem wird kurzfristig gegen Eindringlinge mobilisiert. Wie lange dieser Effekt anhält, muss noch untersucht werden. Klar ist allerdings, dass der erhöhte Adrenalinspiegel auch den Stoffwechsel antreibt. Insofern könnte ein „Saw“-Marathon – auch wenn er nur auf der Couch stattfindet – tatsächlich diätfördernd sein.

Das zeigt eine Studie aus dem Jahr 2012. Bei einer Untersuchung ließen Wissenschaftler der University of Westminster Probanden zehn Horror-Klassiker anschauen. Dabei zeigte sich, dass bei Horrorfilmen durchschnittlich 113 Kilokalorien verbrannt wurden. Das entspricht einem 30-minütigen Spaziergang. Spitzenreiter war der Film „The Shining“ mit Jack Nicholson, bei dem die Probanden bis zu 184 Kilokalorien verbrannten. Fitnessstudio-Betreiber sollten wohle ernsthaft in Erwägung ziehen, Horrorfilme in den Trainingsräumen laufen zu lassen...

 

Horrorfilme: Gar nicht schlecht beim ersten Date

Doch Horrorfilme sind nicht nur heilsam für unsere Linie und unser Immunsystem. Auch dem Liebesleben können sie gut tun. Eine Studie der Indiana University in den USA untersuchte die gegenseitige Anziehung zwischen Fremden, die zusammen Horrorfilme sahen. Dazu wählten die Forscher 36 Männer und 36 Frauen aus und ließen sie paarweise den Slasher-Thriller „Und wieder ist Freitag der 13.“ aus dem Jahr 1982 ansehen. Zunächst stellte sich heraus, dass Männer sich in der Gegenwart ängstlicher Frauen am wohlsten fühlten und vom Horror unbeeindruckte Frauen weniger attraktiv fanden. Bei Frauen war es genau umgekehrt. Besonders Männer, die äußerlich eher unattraktiv waren, profitierten jedoch vom sogenannten „Ankuschel-Effekt“. Die Forscher schreiben in ihrer Studie: „Männer, die nicht mit einem unwiderstehlichen Äußeren gesegnet waren, gewannen signifikant an Attraktivität bei den Frauen“. Insofern wäre ein Horrorfilm-Kino-Abend keine schlechte Idee beim ersten Date.

Für die einen sind Horrorfilme somit weiterhin ein angenehmer Nervenkitzel mit Gesundheitsvorteilen, für die anderen bleiben sie eine zwar bittere, aber wissenschaftlich bewiesen, wirksame Medizin.

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