Schützen Erinnerungslücken vor Demenz?

Redaktion PraxisVITA
Eine ältere Frau stützt den Kopf in die Hände und lacht
Wer seine Erinnerungslücken selbst bemerkt, ist zunächst sicher vor Demenz, zeigt eine aktuelle US-Studie © Shutterstock

Wenn ältere Menschen bemerken, dass sie vergesslich sind, ist das kein Hinweis auf eine beginnende Demenz. Im Gegenteil: Es ist sogar ein gutes Zeichen, zeigt eine aktuelle US-Studie.

Wer häufiger etwas vergisst und das selbst bemerkt, braucht sich keine Sorgen zu machen, an beginnender Demenz zu leiden. Denn das eigene Wissen um die Erinnerungslücken zeigt an, dass die Krankheit noch Jahre entfernt ist – oder gar nicht entstehen wird. Das haben US-Forscher jetzt herausgefunden. Die Studie wurde in der Zeitschrift „Neurology“ veröffentlicht.

Wissenschaftler des Rush University Medical Center in Chicago begleiteten mehr als 2.000 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 76 Jahren für einen Zeitraum von zehn Jahren. Zu Studienbeginn zeigte keiner der Studienteilnehmer Anzeichen einer Demenz.

 

Wahrnehmung der Erinnerungslücken schwindet Jahre vor Demenz

Die Probanden absolvierten jährliche Tests, in denen ihr Gedächtnis und ihre kognitiven Fähigkeiten überprüft wurden. Außerdem wurden sie gefragt, wie oft sie mit Erinnerungsproblemen zu kämpfen hatten und wie gut sie ihr Erinnerungsvermögen einschätzten.

Bei den 239 Studienteilnehmern, die im Studienzeitraum die Diagnose Demenz erhielten, nahm im Schnitt 2,6 Jahre vor den ersten Demenzsymptomen die Wahrnehmung der eigenen Erinnerungslücken rapide ab.

Die Forscher untersuchten zusätzlich die Gehirne von 385 Probanden, die im Studienzeitraum verstorben waren. Dabei entdeckten sie drei demenzbedingte Veränderungen des Gehirns, die mit dem schnellen Abfall der Erinnerungswahrnehmung in Verbindung standen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht wahrgenommene Gedächtnisprobleme ein zwangsläufiges Merkmal von Demenz im Alter sind“, erklärt Studienautor Dr. Robert Wilson. Die neuen Erkenntnisse verdanken die Forscher dem frühen Studienbeginn, so Dr. Wilson: „Die meisten Studien zu unbewussten Gedächtnisproblemen setzten den Fokus auf Menschen, die bereits an Demenz leiden. Diese neue Studie begann dagegen mit der Begleitung der Probanden, bevor sie Anzeichen von Demenz zeigten.“

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