Schützen Antibiotika vor schlimmen Erinnerungen?

Angst
Die Enzyme namens Metalloproteinasen sind wichtig bei der Gedächtnisbildung © iStock

Wissenschaftler der Universität Zürich veröffentlichten jetzt die Ergebnisse ihrer Studie, die zeigen, dass das Antibiotikum Doxycyclin die emotionale Gedächtnisbildung beeinflusst.

Ergebnisse aus neuester Forschung belegen, dass unser Gehirn bestimmte Enzyme für die Gedächtnisbildung benötigt. Diese nennen sich Metalloproteinasen und kommen in der sogenannten Extrazellulärmatrix, also in dem Raum zwischen den Nervenzellen vor. Sie sind im gesamten Körper zu finden und zum Beispiel auch an der Entstehung von verschiedenen Krebsarten und Herzerkrankungen beteiligt.

Durch sogenannte Tetrazykline, die zum Beispiel in dem Tetrazyklin-Antibiotikum  Doxycyclin enthalten sind, können diese Enzyme allerdings gehemmt werden. Wissenschaftler der Universität Zürich testeten deshalb, wie sich die Einnahme von Doxycyclin – und somit die Hemmung von Metalloproteinasen – auf unsere Gedächtnisbildung auswirkt.

 

Einfluss auf das emotionale Gedächtnis

Für die im Fachjournal „Molecular Psychiatry“ veröffentlichte Studie wurden die 76 Probanden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt vor Beginn des Experiments 200 Milligramm Doxycyclin, die andere bekam hingegen nur ein Placebo. Im Folgenden mussten die Teilnehmer sich Farben ansehen, wobei auf bestimmte Farben ein leicht schmerzhafter Elektroschock folgte. Der sogenannten klassischen Konditionierung nach lernt man so, einen eigentlich neutralen Reiz (bestimmte Farbe) mit etwas Negativem (Schmerzen) zu verbinden.

Wie erwartet trat dieser Effekt in der Placebo-Gruppe auf. Noch nach sieben Tagen zeigten die Probanden aus dieser Gruppe verstärkte Angstreaktionen, wenn sie die bestimmten Farben sahen. Die Teilnehmer hingegen, die vor dem Experiment Doxyclycin eingenommen hatten, wiesen eine 60 Prozent schwächere Angstreaktion auf die Farben auf.

"Damit zeigen wir erstmals, dass Doxycyclin das emotionale Gedächtnis abschwächt, wenn es vor einem negativen Ereignis eingenommen wird", erklärt der Leiter der Studie. Gerade für die Behandlung von Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung, könnten diese Befunde von Bedeutung sein. Die Erkrankung wird durch traumatische Erlebnisse wie etwa schweren Verletzungen oder den plötzlichen Tod eines Mitmenschen ausgelöst. Betroffene erleiden häufig sogenannte Flashbacks, durch die sie das Geschehene immer wieder durchleben. Die Erinnerung an das traumatische Erlebnis könnte in einer Psychotherapie gezielt aktiviert und dann womöglich durch die Einnahme von Doxyclycin geschwächt werden.

Ob sich Tetrazyklin-Antibiotika auch auf nicht-emotionale Gedächtnisprozesse auswirken können und deshalb etwa bei dem Lernen neuer Inhalte nicht eingenommen werden sollten, ist bislang noch nicht untersucht worden.

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