Pflegeberatung: So finden Sie den richtigen Pflegedienst

Redaktion PraxisVITA
Pflegekraft mir älterem Mann im Badezimmer beim Haarekämmen
Ein guter Pflegedienst berät gemeinsam mit dem Patienten und stellt ein kleines Pflegeteam zur Verfügung. © iStock/Fred Froese
Inhalt
  1. Den richtigen Pflegedienst finden
  2. Pflegedienst kennenlernen
  3. Checkliste: Auswahl-Kriterien für den Pflegedienst
  4. Aufgaben des Pflegedienstes
  5. Was kostet ein Pflegedienst?
  6. Gut zu wissen

Auch Pflegende brauchen Hilfe: Manches lässt sich familiär oder mit Freunden lösen, für anderes sind Pflege-Profis die beste Wahl. Doch wie findet man den richtigen Pflegedienst?

Wichtig ist, den Pflegebedürftigen möglichst von Anfang an in diese Überlegungen einzubeziehen. Denn die Beauftragung ist auch für ihn ein großer Schritt. Er sollte wissen, warum man sich professionelle Hilfe von außen holt. Es geht darum, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden: Nicht nur der Pflegebedürftige braucht Unterstützung, auch die Pflegenden sollten für sich Hilfe in Anspruch nehmen (dürfen).

 

Den richtigen Pflegedienst finden

Adressen findet man in den Datenbanken der Pflege- und Krankenkassen. Diese sind sogar verpflichtet, Betroffenen Listen mit Pflegediensten in ihrer Nähe auszuhändigen. Auch über Bekannte, Kollegen oder Nachbarn und deren Erfahrungen mit ambulanten Pflegediensten erhält man Kontakte. Gute und unabhängige Ansprechpartner sind in jedem Fall die örtlichen Pflegestützpunkte oder -beratungsstellen. Sie haben in der Regel den besten Vor-Ort-Überblick und wissen zudem, ob und welche der lokalen Anbieter gegebenenfalls auch auf bestimmte Pflegesituationen, wie etwa Beatmung, spezialisiert sind. In dem Zusammenhang: Auch der Hintergrund eines Pflegedienstes kann für den Hilfsbedürftigen wichtig sein, also ob dieser aus dem kirchlichen, gemeinnützigen oder privaten Bereich kommt. Falls dringend Unterstützung gebraucht wird, sollte man im Zweifelsfall ruhig den Pflegedienst beauftragen, den man als Erstes erreicht. Denn grundsätzlich gilt: Sollte der Pflegebedürftige und/oder die Angehörigen mit einem Dienstleister nicht zufrieden sein, kann man jederzeit fristlos kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln. Wer mehr Zeit für die Suche hat, überlegt in Ruhe, was man weiterhin selbst übernimmt und wo man bereits Hilfe hat. In diese Abwägungen zieht man, neben dem Pflegebedürftigen, am besten auch alle übrigen mit ein, die ihn umsorgen. Vielleicht lassen sich bestimmte (Teil-)Aufgaben schon auf diesem Weg neu ordnen und lösen. Gemeinsam notiert man dann eine „Wunschliste“ für den Pflegedienst, wo seine Unterstützung gebraucht wird. Anhand dieser erstellen die Dienstleister ihre Angebote. Aus diesen wird eine erste Vorauswahl getroffen. Zur Orientierung gibt es bei der Pflegekasse Preisvergleichslisten.

 

Pflegedienst kennenlernen

Wichtig sind die nachfolgenden persönlichen Gespräche mit den favorisierten Anbietern: Besser noch als ein Termin beim Pflegedienst ist ein Hausbesuch direkt beim Pflegebedürftigen! So kann man im konkreten Pflegeumfeld Fragen zum Angebot stellen, etwaige weitere Wünsche äußern und vor allem auch Organisatorisches ansprechen. Ist die Entscheidung für einen Partner gefallen, kann es aufgrund der mündlichen Absprachen sofort losgehen. Der Abschluss eines schriftlichen Pflegevertrags sollte dennoch zeitnah erfolgen.

 

Checkliste: Auswahl-Kriterien für den Pflegedienst

  • Erreichbarkeit: Hat der Pflegedienst seinen Sitz in der Nähe? Das verspricht schnelle Hilfe im Notfall, ebenso ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst.
  • Kommunikation: Gibt es einen Kontakt in der Zentrale, an den man sich jederzeit mit Wünschen oder auch Beschwerden richten kann?
  • Universell: Bietet der Pflegedienst alle Unterstützungen an? Wenn Pflegegrad und -bedürfnisse sich erhöhen, wäre dann kein Pflegedienstwechsel nötig.
  • Extra-Service: Welche zusätzlichen Leistungen wie etwa Essen auf Rädern oder ein Hausnotruf werden angeboten?
  • Flexibilität: Können Pflegeleistungen im Notfall kurzfristig abgeändert oder hinzugefügt werden?
  • Offenheit: Wenn der Pflegedienst wahlweise die Abrechnung nach Leistungskomplexen oder Zeit anbietet: Stellt er die anfallenden Kosten und enthaltenen Leistungen auch transparent und damit vergleichbar gegenüber?
  • Pflegeteam: Kommen die Pflegekräfte zu festen Zeiten? Wie viele übernehmen die Betreuung? Welche Fachausbildung haben sie?
  • Privatsphäre: Kann der Wunsch nach nur weiblichen/männlichen Mitarbeitern generell oder gezielt, etwa für die Körperpflege, erfüllt werden?
  • Bauchgefühl: Wie wird auf Nachfragen eingegangen? Im Beratungsgespräch sollte man auch prüfen, ob die „Chemie“ stimmt und sich alle gut betreut fühlen.
Pflegekraft hilft Patientin auf dem Bett aufzustehen und die Jacke anzuziehen
Fürsorge und Vertrauen sind in der ambulanten Pflege besonders wichtig. © iStock/DGLimages
 

Aufgaben des Pflegedienstes

Hat ein Anbieter Verträge mit den Pflege- und Krankenkassen, kann (in aller Regel) dieselbe Pflegefachkraft im Bedarfsfall sowohl die Grund- als auch Behandlungspflege übernehmen. Es ist ratsam, das im Vorgespräch abzufragen! Zur Grundpflege, auch allgemeine oder direkte Pflege genannt, zählen die Körperpflege, Ernährung und Mobilität sowie Unterstützung im Bereich Hauswirtschaft. Bei der Behandlungspflege stehen dagegen medizinisch begründete Tätigkeiten wie etwa Verbandswechsel oder Wundversorgung im Vordergrund; sie erfolgt stets nach ärztlicher Verordnung.

 

Was kostet ein Pflegedienst?

Die Ausgaben für den Pflegedienst können nicht pauschal beziffert werden, sie sind abhängig von den Pflegeleistungen und der Häufigkeit der Pflegeeinsätze. Ab Pflegegrad 2 beteiligt sich die Pflegekasse an diesen Pflegesachleistungskosten bis zum jeweiligen gesetzlichen Höchstbetrag. Die Beträge liegen zwischen 689 (Pflegegrad 2) und 1 995 Euro (Grad 5). Hilfsbedürftige mit Pflegegrad 1 können zur Mitfinanzierung eines Pflegedienstes den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro nutzen. Der Dienstleister rechnet diese Beträge direkt mit den Kassen ab. Alle weiteren Kosten trägt der Pflegebedürftige; auch die sogenannten Investitionskosten des Pflegedienstes, etwa für Auto und Büro. Falls man Letztere nicht aufbringen kann, kann man sie beim Sozialamt geltend machen. Auch wenn kein Pflegegrad zuerkannt wurde, dürfen Pflegedienste nur die Preise anbieten, die sie mit den Pflegekassen vereinbart haben!

Abrechnung nach Pauschale oder doch nach Zeit?

Pauschale
Die Pflegedienste rechnen nicht in Einzelleistungen ab, sondern pauschal in Leistungskomplexen. Unter einem Oberbegriff bündeln diese mehrere Tätigkeiten. Wer nur bei einer Leistung aus einem Komplex Hilfe braucht, löst dies besser alternativ/familiär. So kann man diesen Pauschalbetrag anderweitig nutzen. Achtung: Ein Oberbegriff bedeutet nicht überall zwangsläufig das Gleiche! Denn die Inhalte und Preise werden mit den einzelnen Pflegedienstkassen ausgehandelt. Theoretisch soll das den Vergleich erleichtern, doch gibt es in der Praxis zwischen den Bundesländern abweichende, teils sogar regional unterschiedliche Abrechnungsmodelle.

Zeit
Daneben gibt es in einigen Bundesländern die Option der Zeitabrechnung. Gebucht wird dann kein Leistungspaket, sondern ein Zeitvolumen. Was dieses genau enthält, wird individuell mit dem Pflegedienst vereinbart. Je nach Land dürfen das nur Betreuungsleistungen sein, dann auch Grundpflege und Hauswirtschaft. Da die Grundpflege zeitlich schwer planbar ist, sollte man sich diese Variante gut überlegen. Schnell fallen Extrakosten an: Kein Pflegedienst wird etwa die Körperpflege abbrechen, weil das Zeitvolumen aufgebraucht ist. Doch schon ist „Mehrzeit“ zu bezahlen!

Falls der Dienstleister beide Abrechnungsarten anbieten kann, muss sein Kostenvoranschlag auch beide enthalten.

 

Gut zu wissen

Pflegenoten helfen nur bedingt! Das Bewertungssystem des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) wird derzeit überarbeitet, um vor allem die eigentliche Pflegequalität deutlich differenzierter abzubilden. Es sollte daher nicht allein entscheidend für die Kontaktaufnahme zu einem Anbieter sein. Hintergrund: Die Pflegenoten stehen in der Kritik, da sie vor allem die Dokumentation bewerten, weniger die Pflege selbst. Ein Ausgleichssystem sorgt zudem dafür, dass die Noten überwiegend zu gut ausfallen. Die ersten neuen Prüfergebnisse werden für das Jahr 2019 erwartet.

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