Schokolade statt Antidepressiva?

Verena Elson

Wer jeden Tag Schokolade isst, zeigt weniger depressive Symptome – das ergibt eine aktuelle kanadische Studie. Allerdings: Auf die richtige Sorte kommt es an.

Eine Frau isst im Liegen Schokolade und lacht
Mit dunkler Schokolade lässt sich das Depressionsrisiko senken, legt eine kanadische Studie nahe Foto:  iStock/wagiwagi

Für die aktuelle Schokoladenstudie werteten Wissenschaftler der University of Calgary und der Alberta Health Services Canada Daten von 13.626 Erwachsenen aus, die im Rahmen der Ernährungsstudie US National Health and Nutrition Examination Survey erfasst wurden.

Die Forscher stellten den Schokoladenkonsum der Studienteilnehmer deren depressiven Symptomen gegenüber. Ob und in welchem Maße solche Symptome vorlagen, wurde mit speziellen Fragebögen ermittelt. Den durchschnittlichen Schokoladenkonsum der Teilnehmer leiteten die Forscher stichprobenartig aus zwei 24-Stunden-Perioden ab, zu denen die Probanden selbst Angaben gemacht hatten.

 

Wer dunkle Schokolade isst, lebt glücklicher

Nachdem die Forscher Faktoren wie Gewicht, Bildung, Einkommen und körperliche Aktivität aus der Auswertung herausgerechnet hatten, ergab sich folgendes Bild: Probanden, die in den zweimal 24 Stunden Beobachtungszeit dunkle Schokolade (ab 70 Prozent) gegessen hatten (egal, welche Menge), zeigten um 70 Prozent seltener Symptome einer klinischen Depression als Teilnehmer, die gar keine Schokolade gegessen hatten.

Bei dem Vergleich zwischen Personen, die Milchschokolade gegessen hatten, mit jenen, die keine Schokolade zu sich genommen hatten, ergab sich dagegen keine positive Wirkung in Bezug auf das psychische Wohlergehen. 

 

Je mehr Schokolade, desto glücklicher?

Unterschieden die Forscher nicht zwischen Milchschokolade und dunkler Schokolade, sondern verglichen die Gruppe aller Schokoladenkonsumenten mit der von Personen, die keine Schokolade gegessen hatten, schien das Prinzip „viel hilft viel“ zu gelten: Probanden, die die meiste Schokolade täglich verzehrten (mindestens 104 Gramm, also etwa eine Tafel), zeigten mit einer um 57 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit Symptome einer Depression – der größte Effekt in diesem Vergleich.

Die Studie legt also nahe, dass der Verzehr von Schokolade – insbesondere dunkler Schokolade – das Risiko einer klinischen Depression senkt. Dennoch sind sie zurückhaltend mit ihrer Interpretation, so lange die „Richtung“ des Zusammenhangs nicht geklärt ist. So wäre es etwa möglich, dass depressive Menschen allgemein weniger Schokolade essen – oder, dass es einen dritten Faktor gibt, der Menschen depressiv macht und ihnen gleichzeitig die Lust auf Schokolade nimmt.

Eine Frau isst Schokolade
Service Schokolade schützt das Herz

 

Studie lässt Fragen offen

Aufgrund des Studienaufbaus bleiben einige weitere Fragen offen. Welche Mindestmenge dunkler Schokolade muss man etwa täglich zu sich nehmen, ob die beschriebene Wirkung zu erreichen? Und wird der Effekt verstärkt, wenn die Schokoladenmenge gesteigert wird?

Den Mengenvergleich führten die Forscher ausschließlich mit der allgemeinen Gruppe der Schokoladenkonsumenten durch, wodurch wiederum offenbleibt, mit welcher Sorte Schokolade man welchen Effekt erzielen kann, wenn man eine ganze Tafel pro Tag verzehrt. Im Schnitt sind es bei beiden Schokoladensorten zusammen 57 Prozent weniger Depressionsrisiko – zu vermuten ist allerdings, dass bei dunkler Schokolade alleine eine deutlich höhere und bei Milchschokolade alleine eine deutlich niedrigere Zahl herauskäme.

 

Eine Tafel Schokolade – wie viel Sport ist nötig, um das auszugleichen? 

Festzuhalten bleibt: Wer täglich dunkle Schokolade isst, verbessert sein psychisches Wohlbefinden – dazu scheinen keine großen Mengen notwendig zu sein. Wer dennoch täglich eine ganze Tafel der kakaohaltigen „Medizin“ zu sich nehmen möchte, sollte sich ihres hohen Kaloriengehalts bewusst sein: Eine Tafel dunkle Schokoale enthält etwa 390, eine Tafel Milchschokolade etwa 530 Kalorien. Zusätzlich zur gewohnten Ernährung können die das Risiko für Übergewicht – und damit für Diabetes und andere Folgeerkrankungen – in die Höhe treiben.

Die zusätzliche Kalorienaufnahme lässt sich mithilfe von (zusätzlichen) Sporteinheiten ausgleichen: Um 500 Kalorien zu verbrennen, müsste man etwa 60 Minuten lang schwimmen, 45 Minuten schnell laufen (etwa 10 km/h) oder 60 Minuten joggen (8 km/h).

Quelle:
Jackson, Sarah E., et al. (2019): Is there a relationship between chocolate consumption and symptoms of depression? A cross‐sectional survey of 13,626 US adults, in: Depression and Anxiety.

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