Schönere Haare ohne Shampoo?

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Frau duscht
Haarewaschen ohne Shampoo macht die Haare schöner – sagen Anhänger der sogenannten No Poo-Bewegung © iStock

„No Poo“ – so heißt ein neuer Trend, der in den sozialen Medien zirkuliert. Das Haarewaschen ohne Shampoo soll die Haare schöner und gesünder machen. Genialer Beautytrick oder einfach Blödsinn – was steckt dahinter?

Wer bei YouTube „No Poo“ eingibt, findet sie in Massen: Erfahrungsberichte über Selbstversuche sogenannter No Poo-Fans. „No Poo“ steht für „No Shampoo“ – Anhänger der Bewegung waschen ihre Haare nur mit Wasser und verzichten komplett auf Shampoo. Der Grund: Sie möchten keine Chemikalien an Haare und Kopfhaut lassen. Beginnt man mit der Umstellung, kann das Haar laut Schilderungen der No Poo-Verfechter zunächst stark fetten – und das für mehrere Wochen. Doch das Aushalten lohnt sich, so die Fans der Bewegung: Die Belohnung ist demnach schönes, glänzendes, aber nicht fettiges Haar.

 

Ist Shampoo notwendig oder nicht?

Alles Quatsch, sagen Experten. Um das Fett aus den Haaren zu bekommen, braucht man Shampoo. Darin sind sogenannte Tenside enthalten, die Talg und Schmutzpartikel lösen. Und die Talgproduktion der Kopfhaut lässt sich nicht verändern – das heißt, weder führt häufiges Waschen zu schneller fettendem Haar, noch führt ein kompletter Shampooverzicht zu weniger fettendem Haar.

Shampoo ist also tatsächlich notwendig, um Fett und Schmutz vorübergehend aus den Haaren zu bekommen. Aber steht man im Drogeriemarkt vor dem Shampooregal, gewinnt man den Eindruck, dass es noch viel mehr kann: den Haaren Glanz verleihen, vor Haarausfall schützen und Alterserscheinungen vertreiben – das sind nur einige Werbeversprechen der Shampoo-Industrie.

 

Welche Versprechen machen Sinn, welche nicht?

Mehr Glanz kann das Shampoo den Haaren tatsächlich verleihen. Aber nicht, wie auf der Packung angepriesen, durch Kaschmir, Ginseng oder Bambus – diese Stoffe sind häufig nur in winzigen Mengen im Shampoo enthalten – sondern durch sogenannte Silikonöle. Diese verdunsten allerdings meist schon nach wenigen Stunden und mit ihnen geht auch der Glanz-Effekt.

Anders ist es mit Versprechen, die Aspekte wie Haarfülle oder -dichte betreffen. Haare sind ein Spiegel der allgemeinen Verfassung des Menschen – Haarausfall kann beispielsweise ein Zeichen von Krankheiten, Hormonstörungen oder Nährstoffmangel sein. Doch Shampoo wirkt nur ab da, wo das Haar aus dem Kopf wächst und kann weder am Gesundheitszustand des Menschen noch an den entsprechenden Symptomen am Haar etwas ändern. Ein vitaminhaltiges Shampoo kann also nichts gegen Haarausfall ausrichten – um Haarausfall durch Nährstoffmangel zu beheben, müssen entsprechende Stoffe über die Nahrung aufgenommen werden.

Was allerdings wie eine Beautykur für die Frisur wirken kann, ist die Schonung der Haare: Denn die wahren Übeltäter, die das Haar brüchig und glanzlos werden lassen, sind Glätteisen, Dauerwellen, Färbungen und häufiges Föhnen. Am besten die Haare an der Luft trocknen lassen – und wenn es schnell gehen muss, auf mittlerer Stufe und mit 30 cm Abstand föhnen.

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