Schnarchen verhindern mit dem Zungenschrittmacher

Redaktion PraxisVITA
Ein Mann lacht
Seit bei Hans Feldmann ein sogenannter Zungenschrittmacher eingesetzt wurde, leidet der 64-Jährige unter keinen nächtlichen Atemaussetzern mehr © Shutterstock

Nächtliches Sägen macht krank, raubt Kraft und belastet die Partnerschaft. Ein Zungenschrittmacher sorgt für gesunden Schlaf und kann Schnarchen verhindern – Praxisvita stellt die neue Hightech-OP vor.

Klaus Wingenfeld (59) schnarcht laut. Sehr laut. Als seine Frau das Schnarchen nicht mehr aushält, schickt sie ihn in das Schlaflabor der Berliner Charité. Sie möchte der Ursache auf den Grund gehen. Ergebnis: Der 59-Jährige leidet an der sogenannten Schlafapnoe: Mehr als 30-mal pro Stunde setzt seine Atmung aus – mitunter länger als 30 Sekunden. Die Ärzte der Charité setzen dem Mann schließlich als ersten Patienten überhaupt einen neuartigen Zungenschrittmacher gegen seine Atemaussetzer ein, um das Schnarchen verhindern zu können.

 

Schnarchen verhindern dank Hightech?

Unter einer Schlafapnoe leidet fast jeder vierte Deutsche – und lebt gefährlich: Denn die Aussetzer lassen Puls und Blutdruck ansteigen. Dadurch werden Herz und Kreislauf extrem belastet. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall ist dadurch bis zu vierfach erhöht. Zudem führt die immer wieder unterbrochene Nachtruhe auch zu Tagesmüdigkeit und Erschöpfung. Das Risiko, beim Autofahren am Steuer einzunicken, ist um das Siebenfache erhöht. Daher ist es so wichtig, dass die Schlafapnoe behndelt wird und man weiteres Schnarchen verhindern kann.

Schnarchen verhindern
Um Schnarchen verhindern zu können, muss zunächst die Ursache ergründet werden© iStock
 

Wie hilft ein Zungenschrittmacher gegen Schnarchen?

Grund für die Atemstillstände ist oft eine Erschlaffung der Zungenmuskulatur. Die Zunge sinkt bei Rückenlage in den Rachen, versperrt die Atemwege. Bisher half nur eine Atemmaske, die mit Druck Luft zuführt und die Atemwege freihält. Doch die Geräte behindern viele Patienten so sehr, dass sie oft unbenutzt bleiben. Darum kommt jetzt der neue Zungenschrittmacher zum Einsatz. Er wird unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt. Beim Einatmen sendet das Gerät einen Impuls an den Zungennerv: Die Muskulatur bleibt angespannt, die Zunge fällt nicht in den Rachen – die Atemwege bleiben frei und man kann Schnarchen verhindern. Abends wird das Gerät per Fernbedienung ein- und morgens wieder ausgeschaltet. Nebenwirkungen: Ein leichtes Kribbeln in der Zunge, an das man sich jedoch schnell gewöhnt. Allerdings ist der Eingriff sehr teuern – er kostet über 10.000 Euro. Der Patient kann aber die Übernahme der Kosten bei seiner Kasse beantragen. Für Klaus Wingenfeld jedenfalls hat sich die OP gelohnt: „Ich fühle mich jetzt fit und ausgeruht!“

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