Schmerzen im Unterbauch: Ursachen und was hilft

Benjamin Müller Medizinredakteur

Schmerzen im Unterbauch sind sowohl bei Frauen als auch Männern ein Anzeichen für eine Vielzahl verschiedener Gesundheitsprobleme. Doch welche Beschwerden machen sich üblicherweise durch Unterleibsschmerzen bemerkbar? Verursachen unterschiedliche Krankheiten auch unterschiedliche Schmerzen im Unterbauch? Und was kann man gegen die Schmerzen tun?

Frau krümmt sich vor Schmerzen auf dem Sofa.
Schmerzen im Unterbauch hängen oft mit der Periode zusammen Foto:  iStock/AntonioGuillem
Inhalt
  1. Woher kommen Schmerzen im Unterbauch?
  2. Welche Ursachen haben Schmerzen im Unterbauch bei Frauen?
  3. Welche Ursachen für Schmerzen im Unterbauch treffen nur Männer?
  4. Welche Gründe können Unerleibsschmerzen bei beiden Geschlechtern haben?
  5. Was sind funktionelle Bauchschmerzen?
  6. Was hilft bei Schmerzen im Unterbauch?

Schmerzen im Unterbauch sind kein reines "Frauenleiden", sondern können auch bei Männern ein Anzeichen für viele verschiedene Gesundheitsprobleme sein. Trotzdem werden Unterleibsschmerzen in den meisten Fällen zuerst mit Leiden des weiblichen Geschlechts, wie etwa Menstruationsbeschwerden, in Verbindung gebracht.

Diese Annahme ist nicht zwingend falsch, doch versperrt sie in manchen Fällen die Sicht auf andere mögliche Erkrankungen. So kann sich die Behandlung der wahren Ursache teils gefährlich verzögern. Um dieses Risiko zu minimieren, sollten sowohl Frauen als auch Männer alle möglichen Ursachen von Schmerzen im Unterbauch kennen und rechtzeitig einen Arzt aufsuchen.

 

Woher kommen Schmerzen im Unterbauch?

Sprechen Mediziner vom Unterbauch, so ist damit das untere Drittel des Bauches gemeint, also die Region unterhalb des Bauchnabels. In diesem Bereich des menschlichen Körpers befinden sich diverse Organe, deren Funktionen unerlässlich für das Überleben und die Fortpflanzung sind.

umgekippte Flasche mit Globuli
Homöopathie Lac caninum: Homöopathischer Wirkstoff bei Menstruationsbeschwerden

Zu ihnen zählen unter anderem die inneren Geschlechtsorgane (Gebärmutter, Eierstöcke), Harnblase, -röhre und –leiter, der Blinddarm, Dünndarm und Dickdarm, zahlreiche Blutgefäße, Nerven und Lymphknoten. Liegt keine sogenannte „funktionelle Störung“ vor – also Beschwerden ohne körperlichen Befund – so ist davon auszugehen, dass Schmerzen im Unterbauch von gesundheitlichen Problemen eines dieser Organe hervorgerufen werden.

 

Welche Ursachen haben Schmerzen im Unterbauch bei Frauen?

Unterleibsschmerzen werden meist mit Menstruationsschmerzen in Verbindung gebracht. Diese drücken sich während der monatlichen Menstruation durch starke, krampfartige Schmerzen in Unterbauch und Rücken aus. Auch der Eisprung selbst kann als Ziehen im Unterleib spürbar sein.

Doch auch weitere schmerzhafte Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane können zu Schmerzen im Unterbauch führen:

  • Endometriose: Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter, starke Regelschmerzen und Stechen während der Menstruation
  • Eierstockzyste (Ovarialzyste): gestielte Zyste am Eierstock, kann Blutgefäße abschnüren, starke Schmerzen im Unterbauch
  • Eileiterschwangerschaft: befruchtete Eizelle nistet sich in Schleimhaut des Eileiters ein, wachsender Embryo lässt Eileiter platzen, stärkste Unterleibsschmerzen, Blutungen, Infektionen, Lebensgefahr
  • Entzündung der Eierstöcke und Eileiter (Adnexitis): Keime (z.B. Chlamydien, Mykobakterien, Gonokokken) steigen aus der Scheide über die Gebärmutter bis zu Eileiter und Eierstöcken auf, starke Schmerzen im Unterbauch, Ausfluss, Schmierblutungen, in manchen Fällen Erbrechen
  • Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis): Infektion der Scheide greift auf die Gebärmutter über, brennende Unterleibsschmerzen, Ausfluss, Juckreiz, Zwischenblutungen
  • Gebärmuttersenkung: Uterus sinkt im Becken nach unten ab, im Extremfall (Gebärmuttervorfall) tritt er aus der Scheide heraus, Unterleibsschmerzen, Völlegefühl im Unterbauch, Rückenschmerzen, Harndrang, Verstopfung
  • Tumore: gutartige Tumore der Geschlechtsorgane (z.B. Myome) können symptomlos bleiben oder Unterbauchschmerzen und Blutungsstörungen verursachen, bösartige Tumore (z.B. Eierstockkrebs) können Schmerzen im Unterbauch hervorrufen
 

Welche Ursachen für Schmerzen im Unterbauch treffen nur Männer?

Auch Männer können unter Unterleibsschmerzen leiden. So können die männlichen Geschlechtsorgane, wie etwa die Prostata, die Hoden und die Nebenhoden, durch verschiedene Erkrankungen zur Quelle von Schmerzen im Unterbauch werden. Zu diesen Erkrankungen zählen unter anderem:

  • Hodentorsion: Hoden (oft inklusive Samenstrang) dreht sich um die eigene Achse, starke Schmerzen, sofortige Behandlung notwendig, da Blutgefäße abgeschnürt werden können, Gewebe kann absterben
  • Prostataentzündung: chronische Prostataentzündung, entsteht in Zusammenhang mit Prostatavergrößerung, Harnröhrenverengung oder Krebserkrankung; Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Urinieren und Erektionsstörungen können die Folge sein
  • Entzündung der Nebenhoden: Keime in den Nebenhoden führen zur Entzündung, schmerzhafte Schwellung am Hodensack, Schmerzen können in den Unterbauch ausstrahlen
  • Prostatakrebs: bösartiger Tumor der Prostata, Beschwerden wie Schmerzen im Unterleib und Blut im Urin treten erst spät auf
 

Welche Gründe können Unerleibsschmerzen bei beiden Geschlechtern haben?

Doch Unterbauchschmerzen werden nicht nur von Erkrankungen der geschlechtsspezifischen Organe verursacht. Sowohl Frauen als auch Männer können mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben, die sich in Schmerzen im Unterbauch niederschlagen.

Eine Frau liegt im Bett mit einer Wärmflasche auf dem Bauch
Bauchschmerzen Was tun gegen Bauchkrämpfe?

Dazu zählen verschiedenste Erkrankungen des Verdauungstrakts, wie etwa Verstopfung, eine Blinddarmentzündung (Appendizitis), entzündete Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut (Divertikulitis), ein tief sitzender Darmverschluss (Ileus) oder der Verschluss einer Darmarterie. Auch ein Leistenbruch (Hernie) kann starke Schmerzen hervorrufen, wenn Teile der Eingeweide in einer Lücke der Bauchwand eingeklemmt werden.

Auch gesundheitliche Probleme des Harntrakts können zu Unterleibsschmerzen führen, so zum Beispiel Harnwegsinfektionen, Harnsteine (Blasensteine, Harnleitersteine, Nierensteine) oder Blasenkrebs. Darüber hinaus können auch psychische Erkrankungen, wie Burn-Out, Depressionen und verschiedene Traumata, Schmerzen im Unterbauch hervorrufen. Sogar Schädigungen der Wirbelsäule und Bandscheibenvorfälle können in den Unterbauch ausstrahlen und dort Schmerzen verursachen.

 

Was sind funktionelle Bauchschmerzen?

Treten Schmerzen im Unterbauch wiederholt auf, ohne dass eine organische Ursache zu finden ist, so sprechen Mediziner von einer funktionellen Störung, oder funktionellen Bauchschmerzen. Die Abwesenheit einer zugrundeliegenden Erkrankung bedeutet jedoch nicht, dass die Schmerzen eingebildet sind. Es gibt Hinweise, dass funktionelle Bauchschmerzen durch eine Überempfindlichkeit des Nervensystems im Magen-Darm-Trakt verursacht werden. Psychische Faktoren, wie Stress, werden dann zu Auslösern für das Schmerzgefühl.

Besonders häufig treten wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch ohne organische Ursache bei Kindern auf. Etwa zehn bis 15 Prozent aller Schulkinder klagen regelmäßig über Bauchschmerzen, doch nur bei 20 Prozent dieser Kinder können körperliche Ursachen festgestellt werden.

Frau genießt Sonnenuntergang
Reizdarm Reizdarm: Sanfte Hilfe für die funktionelle Störung

Unabhängig vom Alter der Betroffenen gibt es Wege, funktionelle Bauchschmerzen zu reduzieren. So kann schon der Ausschluss einer schwerwiegenden organischen Erkrankung die Beschwerden lindern. Weiterhin sollte erfasst werden, welche äußeren Einflüsse die Schmerzen auslösen. Dann kann der Stress gezielt reduziert werden.

 

Was hilft bei Schmerzen im Unterbauch?

Anhaltende Unterleibsschmerzen sind nicht zu unterschätzen: Zwar sind die am weitesten verbreiteten Ursachen, wie Menstruationsbeschwerden und kurzzeitige Verstopfung, eher ungefährlich, doch können die Beschwerden auch von potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen ausgelöst werden.

Nehmen die Schmerzen mit der Zeit zu oder treten zusätzliche Symptome wie Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl oder eine harte Bauchdecke auf, so sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen zu klären und wenn nötig zu behandeln. Bei akuten Schmerzen kann der behandelnde Arzt Schmerzmittel und krampflösende Medikamente verschreiben. Dann folgt die passende Behandlung je nach Ursache, etwa mit Antibiotika im Falle einer Entzündungskrankheit.

Bei eher harmlosen Ursachen, wie Menstruationsbeschwerden oder Blähungen, können Betroffene mit Wärme, Entspannung, Schonkost und Bauchmassagen die Beschwerden lindern. Liegt die Ursache in den Harnwegen oder dem Verdauungstrakt, so können auch verschiedene Tees (z.B. Birkenblätter, Fenchel, Anis, Kümmel, Pfefferminze) dabei helfen, die Schmerzen im Unterbauch zu reduzieren. Bei funktionellen Verdauungsbeschwerden können pflanzliche Wirkstoffe zur Linderung der Beschwerden beitragen, gegen schmerzhafte Krämpfe hilft z.B. Pfefferminze, gegen Druckschmerz ausgelöst durch Blähungen hat sich Kümmel bewährt.

Quellen:

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