"Schmerz-Schrittmacher": Forscher „hacken“ Signale des Nervensystem

Implantat heilt Gelenkschmerzen
Das neu entwickelte Implantat soll in Zukunft nicht nur zur Schmerztherapie eingesetzt werden, sondern auch für eine nicht-medikamentöse Behandlung von Diabetes oder Asthma © Fotolia

Der sogenannte Schmerzschrittmacher soll es möglich machen, Signale von schmerzsendenden Nerven zu manipulieren. Dadurch kann rheumatoide Arthritis besser behandelt werden. Praxisvita erklärt, was es mit dem Gerät auf sich hat.

Fast eine Millionen Menschen sind in Deutschland von der sogenannten rheumatoiden Arthritis betroffen – einer Gelenkentzündung, die zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Wissenschaftler haben nun ein kleines Implantat, den Schmerzschrittmacher, entwickelt, das direkt unter die Haut gesetzt wird und dort die Signale der schmerzsendenden Nerven manipuliert.

 

Schmerzschrittmacher gegen Rheumatoide Arthritis

Insgesamt ist die Scheibe nicht größer als eine Zehn-Cent-Münze und könnte dennoch das Leben vieler Menschen verändern. Wie die Online-Ausgabe der Daily Mail berichtet, haben Forscher des Academic Medical Centres in Amsterdam erstmals an einer kleinen Probandengruppe den Schmerzschrittmacher getestet, der die Entzündungen rheumatoider Arthritis verringern soll.

Die teilnehmenden Probanden litten alle an einer sehr fortgeschrittenen Form der Gelenkentzündung, die enorme Schmerzen und starke Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit der Betroffenen bedeutete.

Arthritis
Der Schmerzschrittmacher könnte vielen Patienten mit starken Arthritis-Schmerzen helfen© Alamy
 

Implantat in die Brust

Für die experimentelle Behandlung bekamen die Studienteilnehmer den Schmerzschrittmacher direkt unter die Haut am Brustkorb gepflanzt, wo es mithilfe von elektrischen Impulsen Einfluss auf Schlüsselnerven der Schmerzentstehung nimmt. Diese Impuls-Behandlung führte bei den Probanden nach Aussagen der beteiligten Wissenschaftler dazu, dass die Schmerzempfindung gestört wurde.

Durch diese Veränderung der schmerzbedingenden Nervensignale lassen sich mit Blick auf Autoimmunkrankheiten, wie z.B. rheumatoide Arthritis, die Konzentrationen von Hormonen und Antikörpern (die von den Körperorganen produziert werden) positiv beeinflussen – ohne den Einsatz von Medikamenten. Der Schmerzschrittmacher ist dazu nicht in Dauerbetrieb, sondern wird einmal täglich von den Patienten von außen (mit einem Magnetschalter) für drei Minuten aktiviert.

 

Jeder Dritte könnte geheilt werden

In der Praxis zeigte die Behandlung tatsächlich Wirkung. Einige Patienten berichten sogar davon, dass sie bereits sechs Wochen nach der Einpflanzung des Implantats völlig schmerzfrei waren. Unter Berücksichtigung der aktuellen Studiendaten gehen die Forscher davon aus, dass die Behandlung durch den Schmerzschrittmacher bei rund 30 Prozent der Patienten, die an rheumatoider Arthritis leiden, Erfolg zeigen könnte.

Als Nebenwirkungen der Behandlung stellten die Forscher lediglich eine dreiminütige Veränderung der Stimme fest, die während des Einsatzes der Stromimpulse auftritt. In Zukunft soll die Strom-Impuls-Technik auch dazu eingesetzt werden, chronische Erkrankungen, wie z.B. Asthma oder Übergewicht, ohne den Einsatz von Medikamenten zu behandeln.

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