Schluss mit Zeitumstellung – was hält mein Körper davon?

Verena Elson Medizinredakteurin

Neben dem Brexit beschäftigt die EU zurzeit auch der „Cloxit“: Laut Beschluss des Europäischen Parlaments wird die Zeitumstellung 2021 abgeschafft. Unsere Gesundheit kann davon profitieren – wenn wir uns dauerhaft für die richtige Zeit entscheiden.

Frau im Bett
Nach der Zeitumstellung sinkt die durchschnittliche Lebenszufriedenheit Foto:  npdesignde/iStock

Wenn wir am Sonntag die Uhr eine Stunde vorstellen, beginnt für einige Menschen wieder eine harte Zeit: Laut einer 2015 veröffentlichten Studie von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sinkt die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der Bundesbürger in der ersten Woche nach der Umstellung auf die Sommerzeit. Besonders Eltern mit kleinen Kindern leiden demnach darunter, einer Stunde ihrer ohnehin spärlichen Freizeit beraubt zu werden.

 

Mehr Herzinfarkte nach Zeitumstellung auf Sommerzeit

Die Umstellung auf die Sommerzeit kann auch schwerwiegendere Folgen haben: Laut einer Langzeitbeobachtung der DAK kommen in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung 25 Prozent mehr Patienten mit Herzbeschwerden in eine Klinik als im Jahresdurchschnitt.

Der Grund für diese negativen Auswirkungen liegt aus Expertensicht in dem Eingriff in den Biorhythmus: Wird dieser verschoben, kann der Hormonhaushalt durcheinandergeraten, was einem etwa durch Vorerkrankungen geschwächten Organismus durchaus zusetzen kann.

 

Ewige Sommerzeit? Keine sonnigen Aussichten!

Der Wegfall der Zeitumstellung führt aber nicht automatisch zu gesünderen und glücklicheren Bundesbürgern: Wie sich der „Cloxit“ auf die Gesundheit auswirkt, dürfte stark davon abhängen, ob wir uns für die dauerhafte Sommer- oder Winterzeit entscheiden.

Laut einer Umfrage des Nachrichtenmagazins Focus wünscht sich eine knappe Mehrheit der Deutschen (51 Prozent) nach der Abschaffung der Zeitumstellung eine dauerhafte Sommerzeit. Diese Variante hätte vor allem für eine Bevölkerungsgruppe große Nachteile: Kinder und Jugendliche, die ohnehin schon unter einem von Erwachsenen aufgezwungenen Tagesrhythmus leiden. Experten bemängeln seit Jahren, dass der Schulbeginn teilweise vor acht Uhr für den Biorhythmus junger Menschen deutlich zu früh ist und fordern einen Unterrichtsbeginn zwischen neun und zehn Uhr, um den Kindern und Jugendlichen das Lernen zu erleichtern. 

Käme die ewige Sommerzeit, würde im Dezember die Sonne erst nach neun Uhr aufgehen. Kinder müssten dann mehrere Wochen mehr als bisher ihren Schulweg im Dunkeln zurücklegen. Aber auch Erwachsene werden schlechter wach, wenn es vormittags lange dunkel ist. Experten fürchten, dass auch die Zahl der Unfälle in den Morgenstunden zunehmen könnte.

 

Die beste Lösung: Für immer Winterzeit

Eine ewige Winterzeit klingt erst einmal nicht so schön: Vorbei wären die langen Sommerabende mit Helligkeit bis nach 22 Uhr. Unseren Körper würde das aber nicht stören: Chronobiologen zufolge ist die Winterzeit die Zeit, die für unseren natürlichen Schlaf-Wachrhythmus optimal ist.

Bis zum Abschied von der Zeitumstellung sind aber noch einige Mini-Jetlags zu bewältigen. Mit einer guten Vorbereitung fällt die Umstellung auf die Sommerzeit leichter – hier finden Sie die besten Tipps.

Quellen:
Kuehnle, D., & Wunder, C. (2016): Using the life satisfaction approach to value daylight savings time transitions: Evidence from Britain and Germany, in: Journal of Happiness Studies.

DAK-Analyse: Mehr Herzinfarkte durch Zeitumstellung: https://www.dak.de/dak/bundes-themen/zeitumstellung-1393412.html (Abrufdatum: 28.03.2019)

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