Schleudertrauma – die Diagnose ist oft sehr schwierig

Bewegungsanalyse nach Schleudertrauma
Mit Hilfe des Computers kann in einer 3D-Bewegungsanalyse das Ausmaß der Verletzung nach einem Schleudertrauma nachgewiesen werden © shutterstock

Mediziner unterscheiden vier Krankheitsbilder, die ganz unterschiedliche Behandlung erfordern. Nur bei eindeutigem Befund ist ein individueller Therapieplan möglich. Praxisvita erklärt, was Sie dazu wissen sollten.

Das Schleudertrauma zählt zu den häufigsten Verletzungen bei Auffahrunfällen im Straßenverkehr. Jährlich erleiden etwa 400 000 Deutsche ein HWS-Schleudertrauma – eine Verletzung der Halswirbelsäule (HWS).

 

Mediziner unterscheiden bei Schleudertrauma vier Krankheitsbilder

1. Beim so genannten zervikalen Syndrom besteht neben Nacken- und Kopfschmerzen eine Fehlhaltung der Halswirbelsäule mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung und Verspannung der Nackenmuskulatur.

2. Beim zerviko-brachialen Syndrom gibt es zudem motorische und/oder sensible Ausfälle, manchmal mit starken Schulter-, Arm- und Handschmerzen.

3. Beim zerviko-medullären Syndrom (medulla = Mark) liegt eine Schädigung des Rückenmarks vor.

4. Und schließlich gibt es noch das zerviko-enzephale Syndrom, wo zusätzlich zu Nackenbeschwerden noch Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Hör- und Sehstörungen und sogar Bewusstseinsstörungen auftreten können. Im schlimmsten Fall ist das Gehirn geschädigt. Wichtig ist, dass man nach einem Auffahrunfall immer an ein Schleudertrauma denkt, auch wenn man keine Schmerzen hat. Die typischen Symptome treten oft erst nach Stunden oder gar Tagen auf. Behandelt wird mit Medikamenten, krankengymnastischen Übungen, Kälte oder Wärme und Entspannungsübungen.

Für den Arzt war die Diagnose bisher sehr schwierig. Er musste sich bislang auf Patientenangaben verlassen, die sich sehr häufig als falsch erwiesen.

 

Mit Computerhilfe wird das Schleudertrauma nachgewiesen

Jenaer Wissenschaftler haben erstmals ein Verfahren erfolgreich getestet, bei dem diese Erkrankung objektiv diagnostiziert werden kann. Mit Computerhilfe wird in einer 3D-Bewegungsanalyse das Ausmaß der Verletzung nachgewiesen. Das Forscherteam vom Institut für Physiotherapie der Universität Jena hat bereits viele Patienten mit der neuen Methode untersucht.

Dabei wurde den Betroffenen ein leichtes Gestell mit drei kleinen Ultraschallsendern aufgesetzt. Drehten oder kreisten die Patienten ihren Kopf, konnte man mit den dann aufgenommenen Ultraschallbildern am Computer ein individuelles Bewegungsmuster des Patienten erstellen.

So kann der Arzt anhand der Computerbilder zum Beispiel klar erkennen, ob die Störungsmuster eher in der unteren oder der oberen Halswirbelsäule liegen. Dies ist für den individuellen Therapieplan von großer Bedeutung. Auch erste Heilerfolge sollen sich mit dem Verfahren überprüfen lassen. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler an genauen Kriterien, um Halswirbelsäulen-Verletzungen objektiv nach Schweregraden einteilen zu können.

Interessant ist das neue Verfahren auch für die Versicherungswirtschaft. Denn diese muss regelmäßig nach Verkehrsunfällen Schmerzensgelder an die Unfallopfer mit einem Schleudertrauma zahlen. Da das neue Verfahren diese Verletzung genau erkennen kann, haben Simulanten, die auf Schmerzensgelder spekulieren, künftig keine Chance mehr.

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