Anzeichen für Schlaganfall: Achten Sie auf diese Symptome

Redaktion PraxisVITA

Er stürzt wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf uns ein. Normalerweise. Doch Anzeichen für einen Schlaganfall können auch völlig unbemerkt verlaufen. Ohne starke Beschwerden, ohne neurologische Ausfallerscheinungen. Selbst ein vermeintlich harmloser Stichschmerz im Kopf kann ein verstecktes Schlaganfall-Anzeichen für den Infarkt im Gehirn sein.

Alle drei Minuten ereignet sich in Deutschland ein Schlaganfall, mehr als 60 000 Menschen sterben daran. In 85 Prozent der Fälle verschließt ein Blutgerinnsel, das sich in einem Gefäß oder im Herzen gebildet hat, eine Hirnarterie. Von einer Sekunde auf die andere werden die Gehirnzellen nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.

 

Anzeichen für Schlaganfall sind bei Frauen anders

Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen ist ein Blutgefäß geplatzt. Lange galt der Schlaganfall als klassische Männerkrankheit. Doch inzwischen sind nicht nur 55 Prozent der Schlaganfall-Patienten Frauen – es trifft sie auch besonders tückisch.

Anzeichen für einen Schlaganfall Kopfschmerz
Zu den klassischen Schlaganfall-Anzeichen gehört ein plötzlich auftretender Kopfschmerz © istock/sankalpmaya

Denn sie erleiden häufig den „stummen“ Schlaganfall. Das heißt: Die klassischen Anzeichen für Schlaganfall wie plötzlich eintretende Seh- und Sprachstörungen, Lähmungen auf einer Körperseite und Taubheitsgefühle sowie heftiger, plötzlich einsetzender Kopfschmerz treten deutlich seltener auf.

 

Versteckte Anzeichen für Schlaganfall

„Dafür kommt es viel häufiger zu Glieder- und Gesichtsschmerzen, ununterbrochenem Schluckauf, Herzstolpern, Brustschmerzen, Luftnot, anfallartiger starker Übelkeit und Erbrechen“, sagt Prof. Marcus Seemann von der Diagnoseklinik München. Versteckte Anzeichen für Schlaganfall, die selbst viele Ärzte verkennen.

Und das hat Folgen: Laut Studien kommen Frauen mit Schlaganfall rund eine halbe Stunde später in die Klinik – und werden dadurch öfter zum Pflegefall. Denn das Gehirn ist dann meist schon so stark geschädigt, dass es zu Lähmungen, Sprach- und Schluckbeschwerden kommt. Ganz wichtig ist es daher, sofort zu reagieren. Schon ein einzelnes Anzeichen für einen Schlaganfall sollte zum Wählen der Notrufnummer 112 führen.

Anzeichen für Schlaganfall Brustschmerz

Nicht immer müssen Lähmungen und Sprachstörungen Anzeichen für Schlaganfall sein – beim sogenannten „stummen“ Schlaganfall treten häufig Herzstolpern, Brustschmerzen, Luftnot, anfallartige starke Übelkeit und Erbrechen auf © istock/upershabashnyi

 

 Schlaganfall-Anzeichen: Schnelles Handeln rettet Gehirnzellen

Bestätigt der Notarzt den Verdacht, sollten Betroffene möglichst auf eine Spezialstation eingeliefert werden. In sogenannten Stroke Units stehen neueste Diagnose- und Therapiemethoden zur Verfügung. Vor Ort bestimmt der Arzt zuerst mithilfe einer Computertomografie oder einer Kernspintomografie, ob es sich bei dem Schlaganfall um eine Mangeldurchblutung (Hirninfarkt) oder ein geplatztes Blutgefäß (Hirnblutung) handelt.

Die Diagnose sollte nicht länger als 15 Minuten in Anspruch nehmen. Denn: „Time is brain“ – Zeit rettet Gehirn, sagen Ärzte, wenn es um einen Schlaganfall geht. Je früher die Anzeichen für einen Schlaganfall erkannt werden und der Betroffene Hilfe bekommt, desto besser sind seine Heilungschancen.

Ausschlaggebend sind die ersten viereinhalb Stunden: In diesem Zeitfenster muss die Verstopfung im Gehirn beispielsweise mit blutverdünnenden Medikamenten (Lyse-Therapie) aufgelöst werden, um das rasche Absterben der Nervenzellen zu verhindern. Falls eine Hirnblutung vorliegt, versuchen Ärzte, diese zu stoppen.

Anzeichen für einen Schlaganfall Halsschmerzen
Schluckstörungen zählen zu den möglichen Anzeichen bei Schlaganfall © istock/nebari
 

Neueste Therapie: den Schlaganfall wegsaugen

Das Verfahren, das derzeit die Schlaganfall-Medizin revolutioniert, nennt sich „mechanische Thrombektomie“. Der Neuroradiologe Prof. Hans Henkes vom Klinikum Stuttgart zieht lebensgefährliche Blutgerinnsel mit einer Art „Schlaganfall-Fänger“ aus dem Gehirn. Direkt im Gerinnsel setzt er einen Drahtkorb aus Nickel-Titan frei, der sich selbstständig öffnet, den Pfropfen „wegsaugt“ und wieder herausgezogen wird. Vorteil: Über 90 Prozent aller Blutgerinnsel lassen sich so entfernen – und das in nur 15 Minuten.

Prof. Henkes erinnert sich an einen 30-jährigen Patienten, der einen schweren Schlaganfall erlitt. Sofort nach seiner Einlieferung wurde er mit der Thrombektomie behandelt. Am nächsten Tag lief er schon wieder ohne Hilfe über den Flur. Mehrere solcher „Thrombenzieher“ sind mittlerweile in deutschen Kliniken offiziell zugelassen.

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