Schlafstörungen wegen Corona? Das sind die Folgen

Gaby Scheib

Corona kann schwerwiegende Folgen haben. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Schlafstörungen. Das sagen die Experten.

Junge Frau liegt im Bett und guckt müde auf den Wecker
Mehrer Studien haben jetzt belegt, dass viele Menschen wegen Corona an Schlafstörungen leiden Foto:  iStock/rudi_suardi
Inhalt
  1. Deutliche Zunahme der Schlafstörungen wegen Corona 
  2. Warum sorgt Corona für Schlafstörungen?
  3. Schlafstörungen durch Corona schwächen das Immunsystem
  4. Was kann man gegen corona-bedingte Schlafstörungen tun?
  5. Lavendelöl gegen Schlafstörungen

Das Coronavirus beeinflusst unser Leben nun schon seit einem Jahr. Neben den direkten gesundheitlichen Problemen hat die Pandemie auch indirekte Auswirkungen auf unseren Körper: Zum Beispiel leiden viele Menschen wegen Corona unter Schlafstörungen. Ob Homeoffice oder Homeschooling, geschlossene Läden und Restaurants, Maskenpflicht und Maskenverweigerer – wir müssen uns an viele neue Situationen anpassen. Und das kann uns wirklich den Schlaf rauben.

 

Deutliche Zunahme der Schlafstörungen wegen Corona 

Die Pandemie beeinflusst unser Schlafverhalten deutlich. Zwischen zehn und 60 Prozent hätten die Schlafprobleme im letzten Jahr zugenommen, erklärte der Schlafforscher Hans-Günter Weeß im Interview mit tagesschau.de. „Viele Menschen nehmen die Sorgen rund um Corona mit ins Bett. Sie können nicht abschalten, das Gedankenkarussell dreht sich und die Entspannung stellt sich nicht ein. Ein- und Durchschlafprobleme sind die Folge“, so Weeß.

Eine Frau sitzt auf ihrem Sofa
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Diese Einschätzung bestätigt auch eine finnische Studie: Forscher der Universität Helsinki haben dafür 4.000 Freiwillige befragt. Das Ergebnis: Über ein Viertel hatte öfter Alpträume als vor der Coronakrise, ein Drittel klagte über häufigeres Aufwachen.

 

Warum sorgt Corona für Schlafstörungen?

Laut Experten gibt es verschiedene Gründe für die Probleme:

• Doppelbelastung: Vor allem Familien mit Kindern reiben sich oft zwischen Homeoffice und Homeschooling auf. Derart gestresst schläft es sich schlechter.
• Einsamkeit: Alleinlebende fühlen sich durch die stark eingeschränkten sozialen Kontakte isoliert. Sie entwickeln teils depressive Verstimmungen, was auch den Schlaf beeinflusst.
• Ängste: Der ungewohnte Alltag, die Unkontrollierbarkeit der Situation und nicht zuletzt finanzielle Nöte, in denen sich viele Menschen jetzt befinden, schüren massive Ängste – und die stören den Schlaf.

Eine Frau mit Mundnasenschutz sitzt guckt auf dem Sofa und guckt verzweifelt zu Boden
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Allerdings können manche in der Krise sogar besser schlafen: Durch das Homeoffice fällt der Arbeitsweg weg, was ihnen sozusagen Zeit schenkt – sie stehen später auf. Stimmen die Finanzen und der soziale Kontakt, gibt es keine Schlafprobleme.

 

Schlafstörungen durch Corona schwächen das Immunsystem

Schlafmangel erhöht die Anfälligkeit für Infektionen. Das wissen wir von anderen Viruserkrankungen. Möglicherweise ist er auch ein Risikofaktor für schwerere Erkrankungsverläufe“, warnt Prof. Dr. Georg Nilius, Direktor der Klinik für Lungenheilkunde, Schlaf- und Beatmungsmedizin der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte und Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Dies bestätigt auch die Neurobiologin und Schlafexpertin Dr. Verena Senn in einem Interview auf der Online-Plattform mta-dialog.de. Sie schildert das Ergebnis einer weiteren Studie: „Untersuchungen haben zum Beispiel gezeigt, dass eine einzige Nacht mit nur vier Stunden Schlaf im Vergleich zu acht Stunden die Zirkulation der natürlichen Killerzellen um 70 Prozent reduziert.“ Killerzellen erkennen infizierte Zellen und können diese rechtzeitig ausschalten. 

In der aktuellen Pandemie sind Personen, die unter Schlafmangel leiden, also anfälliger für eine Erkrankung an COVID-19. Vor allem Patienten mit Schlafapnoe, also Atemaussetzern, hätten laut Prof. Dr. Nilius ein größeres Risiko, schwerer an Corona zu erkranken. Aber auch, wer im Schichtbetreib arbeitet – dazu zählt das Krankenhauspersonal und insbesondere die Mitarbeiter auf den Intensivstationen – ist anfälliger.

Eine Frau, schlafend im Bett
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Was kann man gegen corona-bedingte Schlafstörungen tun?

Die Experten raten, einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten und auf die innere Uhr zu hören. Smartphone oder Laptop sollten ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen abgeschaltet sowie Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke ab dem späten Nachmittag gemieden werden. Auch eine gemäßigte Raumtemperatur von 19° Celsius und warmes Einkuscheln kann hilfreich sein. Dazu gilt in Corona-Zeiten:

• Den Homeoffice-Arbeitsplatz nicht im Schlafzimmer einrichten.
• Arbeits- und Ruheplatz voneinander trennen.
• Arbeitszeiten und Ruhepausen bzw. Feierabend auch deutlich voneinander abgrenzen.

 

Lavendelöl gegen Schlafstörungen

Zusätzlich können auch Entspannungsübungen wie Yoga oder Autogenes Training helfen, besser zu schlafen. Pflanzliche Arzneimittel mit Lavendelöl sind zudem empfehlenswert, wenn man wegen Ängsten und Sorgen unruhig ist und nicht ein- oder durchschlafen kann. Die Mittel lassen den Körper zur Ruhe kommen und fördern den erholsamen Schlaf.

Wir alle hoffen auf eine baldige Impfung und dass die Pandemie vorübergeht. Bis dahin gibt es einige wirksame Maßnahmen, die helfen können, wenn Corona für Schlafstörungen sorgt.

Quelle:
Tipps bei Schlafstörungen in: psychologische coronahilfe.de
Pandemic Dreams: Network Analysis of Dream Content During the COVID-19 Lockdown in: Frontiers in Psychology
Wie Corona den Schlaf raubt in: tagesschau.de
Das „Anti-Schlaf-Virus“ oder: wie die Corona-Pandemie unser Schlafverhalten beeinflusst in: Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung
Coronapandemie: Manche schlafen besser, andere schlechter in: aerzteblatt.de
Die Corona-Pandemie führt zu Schlafproblemen in: mta-dialog.de

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